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Bodhichitta – Geist der Erleuchtung

Die Vortrefflichkeit von Bodhichitta

Buchzusammenfassung von: Geh an die Orte, die du fürchtest – Pema Chödrön

Kernunterweisung: Wir können zulassen, dass die Umstände unseres Lebens uns hart machen, so dass wir immer verärgerter und furchtsamer werden, oder wir können uns von ihnen weicher, sanfter machen lassen, so dass wir freundlicher werden und offener für das, wovor wir uns fürchten. Wir haben stets die Wahl.

Was ist Bodhichitta: Chitta heißt „Geist, Bewusstsein“ , aber auch „ Herz oder „Einstellung“, Bodhi heißt „erwacht“, „erleuchtet“ oder „völlig offen“ – Geist der Erleuchtung

Manchmal werden das völlig offene Herz und der völlig offene Geist von Bodhichitta der wunde Punkt genannt. Jeder Mensch hat diesen wunden Punkt, es ist die uns angeborene Fähigkeit zu lieben und uns um andere zu kümmern. Bodhichitta wird auch mit unserer Fähigkeit zu lieben gleichgesetzt, in Teilen auch mit Mitgefühl.

Bodhichitta ist immer verfügbar, egal ob in Schmerz oder Freude, jeder gewöhnliche Mensch hat den Geist der Erleuchtung. Aus Angst, Zorn, Begehren, Gleichgültigkeit, Arroganz und Stolz  errichten wir Mauern, um uns zu schützen (vor dem Leiden der Anderen). Bodhichitta ist die Öffnung in diesen Mauern. Die Offenheit und Wärme von Bodhichitta ist unsere wahre Natur, auch wenn dies oft durch Mauern und Wolken nicht durchscheint.
Bodhichitta ist das Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit Allen.

Zwei Ebenen von Bodhichitta:
bedingungsloses B: etwas so grundlegend Gutes, die Gewissheit, dass es nichts zu verlieren gibt
relatives B: die Fähigkeit, unser Herz und unseren Geist empfänglich zu halten für das Leiden anderer
– wer sich mit ganzem Einsatz schult, beide Ebenen von Bodhichitta zu wecken, den nennt man Bodhisattva oder einen Krieger, allerdings Krieger ohne Aggressivität, Männer und Frauen, die sich mitten im Feuer schulen

Die Schulung eines Bodhisattva funktioniert nicht auf die bequeme Tour. Die zentrale Frage in der Schulung zum Krieger ist, wie wir mit unangenehmen Zuständen umgehen können. Mut und Liebe, erwachsenwerden und sich dem Leben stellen, anstatt aus Furcht in einer unerfüllten Situation zu verharren

Die Quelle anzapfen

Sich mit Bodhichitta zu verbinden, Zugang zu dem wunden Punkt zu gewinnen, hat eine transformierende Wirkung. Sich in diesem Punkt aufzuhalten, mag sich unsicher und bedrohlich anfühlen, aber es ist auch etwas ungemein Befreiendes. Mitfühlend genug zu sein, unsere eigenen Ängste anzunehmen, verlangt Mut – aber daraus, dass wir unsere Ängste besser verstehen, entsteht Offenheit.
Drei Herren des Materialismus, die uns Boden unter den Füßen liefern sollen (Illusion der Sicherheit, sich dem Leben wie es ist entziehen): Herr der Form (Äußerlichkeiten), Herr der Rede (Überzeugungen, Glaubenssätze), Herr des Geistes (besondere Bewusstseinszustände, durch z.B. Drogen, Sport, neu verlieben)

Die Tatsachen des Lebens

Buddha lehrt drei Grundcharakteristika der menschlichen Existenz: Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden oder Ungenügen. Der Mensch sucht nach Sicherheit. Sofern es uns jedoch gelingt, die drei Charakteristika zu akzeptieren und uns zu befreien, können wir in jedem Augenblick des Lebens gegenwärtig sein.

Bei sich bleiben

Das Sitzen in Meditation ist das Fundament für die Bodhichitta-Schulung. Indem wir einfach hierbleiben, entspannen wir uns immer mehr in die offene Dimension unseres Seins hinein. „Warum meditieren wir?“ erst wenn wir beginnen, uns mit uns selbst anzufreunden (Maitrî), wird die Meditation zu einem transformierenden Prozess.  Beim Meditieren entwickeln wir vier Qualitäten von Maitrî: Standhaftigkeit, Klares Sehen, die Erfahrung unserer emotionalen Not und Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Augenblick.

Losungen für den Krieger

Lojong-Unterweisungen zeigen uns, wie wir Schwierigkeiten in den Pfad der Erleuchtung umwandeln, statt uns von Gewohnheiten mitreißen zu lassen. „Schule Dich in den drei Schwierigkeiten“ 1. Unsere Neurose als Neurose anerkennen (anerkennen, dass wir durcheinander sind, feststecken), 2. Etwas anderes tun (lähmende Gewohnheiten durchbrechen, bei der Energie der Emotionen bleiben), 3. Sich vornehmen, weiterhin auf diese Weise zu üben (unsere zerstörerischen Gewohnheiten durchbrechen, ist eine lebenslange Aufgabe)

Vier grenzenlose Eigenschaften

Besonders machtvolle Übung, um die Saat unseres Wohlergehens zu säen. Wahrnehmen, wo wir Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut  fühlen und wünschen können, dies tun. Ausweiten auf Menschen, bei denen es uns nicht so leicht fällt. Es muss nichts Großartiges sein. Wir zwingen uns nicht dazu gut zu sein, die Übung bringt unsere Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut in Fluss, hilft uns, ihr grenzenloses Potenzial zu entfalten.

Liebende Güte (Maitrî)

Entscheidung für die Kultivierung von Liebe statt Zorn. Unwissenheit als Wurzel von Aggression und Leiden: Schulung zum Krieger-Bodhisattva – Wissen um Verbundenheit mit anderen: Wir schaden uns selbst, wenn wir anderen schaden. Wir schulen uns darin, aufrichtig, liebevoll und mitfühlend zu uns selbst zu sein. Kontakt mit dem wunden Punkt von Bodhichitta, erkennen, wann Schutzmauern gebaut werden. Ausweiten in 7 Stufen, bis ins Universum, es geht darum, unsere Fähigkeit unvoreingenommen zu lieben zum Vorschein zu bringen.

Mitgefühl

Mitgefühl ist emotional eine größere Herausforderung als Liebende Güte, weil es die Bereitschaft einschließt Schmerz zu empfinden. Denke an gequälte Wesen, spüre ihren Schmerz, um Mitleid zu erzeugen. Zulassen, dass die Angst uns weicher macht. Siebenstufige Übung der Wunschgebete: Alle Wesen mögen frei sein vom Leiden und der Wurzel des Leidens. „Wenn Du dauerndes Glück suchst, dann ist der einzige Weg, es zu finden, aus deinem Kokon herauszukommen“ – Der beste Weg uns selbst zu dienen, ist Liebe und Fürsorge für andere.

Tonglen = Sich selbst an die Stelle eines anderen versetzen

Tonglen bedeutet wörtlich „geben und nehmen“. Wenn wir bereit sind, auch nur für einen Moment bei der unangenehmen Energie zu verweilen, dann lernen wir langsam, sie nicht mehr zu fürchten à Leiden einatmen, Erleichterung des Schmerz/Leiden ausatmen. Übung hat 4 Abschnitte: 1) kurzer Moment der Stille und Offenheit (Moment des bedingungslosen Bodhichitta), 2) Visualisiere die Beschaffenheit von Enge und Weite und arbeite damit 3) das Unerwünschte einatmen, Gefühl der Erleichterung ausatmen, 4) Mitgefühl weiter ausdehnen

Fähig sein, sich zu freuen

Während wir uns mit den Bodhichitta-Übungen schulen, erleben wir allmählich immer mehr Freude, die Freude, die aus einer wachsenden Würdigung unseres grundlegenden Gutseins erwächst (und der Fähigkeit, sich mit der inneren Stärke des Gutseins zu verbinden). Das Zutrauen in unsere frische, unvoreingenommene Natur bringt uns grenzenlose Freude. Wir üben uns darin, gegenwärtig zu bleiben, auch auf die Details des gewöhnlichen Lebens zu achten (Alltagsglück). Am Anfang ist die Freude einfach das Glück, dass wir mit unserer eigenen Situation umgehen können. Wir hören auf, uns nach einem Ort umzusehen, der uns angemessener für unser Leben vorkommt. Siebenstufige Praxis der Wunschgebete kann helfen, Wertschätzung und Freude zu erwecken.

Die Schulung zur Freude vertiefen

Vier  grenzenlose Eigenschaften zusammengefasst: „ein gütiges Herz“ – Unser Herz für andere zu öffnen ist eine einfache Übung, die wir jederzeit und unter allen Umständen anwenden können. Erinnert an Verbundenheit und hilft uns, uns zu freuen. Denke an andere, wenn das Leben schön ist und wenn es schwer ist.

Die Vogelperspektive

Indem wir Liebende Güte, Mitgefühl, und Mitfreude praktizieren, kultivieren wir den unvoreingenommenen Zustand des Gleichmuts. Ohne diese vierte Eigenschaft bleiben die anderen drei durch unsere Gewohnheiten des Mögens/Nichtmögens, des Annehmens/Zurückweisens beschränkt. Zur Kenntnis zu nehmen, wo wir uns öffnen, wo wir uns verschließen – ohne Lob und Tadel – ist Grundlage unserer Praxis. Grenzenloser Gleichmut ‡ absolute Harmonie. Sich völlig auf alles einlassen zu können, was an unsere Tür klopft = total lebendig sein.

Ein Neuanfang

Vergebung ist ein wesentlicher Bestandteil der Bodhichitta-Praxis. Sie erlaubt uns, von der Vergangenheit abzulassen und einen Neuanfang zu machen. Vergebung als natürlicher Ausdruck des offenen Herzens.

Stärke

Fünf Methoden, mit denen ein Krieger zunehmend Zuversicht und Inspiration gewinnt: Fester Entschluss (erzeugt Stärke), Vertrautheit mit den Bodhichitta-Lehren und – Übungen, der Same des Gutseins, der sich in jedem Lebewesen findet, die Praxis des Tadelns (das Ego, wen wir in gewohnten schädlichen Mustern sind) und die Macht des Wunschgebets.

Drei Arten der Faulheit

Hängen an Bequemlichkeit: basiert auf unserer Neigung, Unangenehmes zu vermeiden àkann zu Aggressivität führen, wir werden wütend über Unannehmlichkeiten, macht unzufrieden
den Mut verlieren: Gefühl von Hoffnungslosigkeit „ich Armer“ – Wir fühlen uns nicht in der Lage, es mit der Welt aufzunehmen à Lassen den Lebensmut sinken, verharren beim Fernsehn, rauchen, essen, trinken…
„Scheißegal!“: Geprägt von Ablehnung à schwelgen in dem Gefühl, verraten und verkauft zu sein, die andern sind schuld à kann leicht zu einer Depression werden

Es gibt 3 gewohnte Methoden (unnütze Strategien), wie Menschen mit Faulheit (oder jeder störenden Emotion umgehen): Angreifen, Schwelgen, Ignorieren – Die Geistesschulung für Krieger schlägt vierte Strategie vor, erleuchtete Strategie: die 3 Arten der Faulheit erforschen

Das Wirken des Bodhisattva

Der Bodhisattva-Krieger gelobt, nicht nur für sich selbst zu erwachen, sondern zum Wohle aller Lebewesen.
Der Bodhisattva schult sich der Tradition nach in sechs Weisen (sechs Pâramitâs = „ans andere Ufer gegangen“) eines mitfühlenden Lebens: Großzügigkeit (Gebefreudigkeit), Disziplin (Sittlichkeit), Geduld, Begeisterung (Energie), Meditation und bedingungslose Weisheit.

Bodenlosigkeit

Jede Schlussfolgerung zu der wir kommen, müssen wir loslassen. „Form ist Leere, und Leere ist auch Form„ Erst wischen wir alle Voreingenommenheit beiseite, dann müssen wir auch noch unseren Glauben loslassen, dass wir die Dinge ohne Voreingenommenheit ansehen sollten. Wir ziehen uns selbst den Teppich unter den Füßen weg. In dem Ausmaß, in dem wir aufhören, gegen Ungesichertheit und Ungewißheit zu anzukämpfen, in dem Ausmaß löst sich unsere Furcht auf. Das Synonym für totale Furchtlosigkeit ist Erleuchtung – eine rückhaltlose, vollkommen offene Wechselbeziehung mit der Welt. Erleuchtung ist nicht irgendein Endpunkt.

Die Verstärkung der Neurose

Geschieht einfach. Auf dem Weg des Erwachens verlieren wir den Halt/Boden unter den Füßen. Man mag das Befreiung nennen, aber lange Zeit fühlt es sich nur nach Ungesichertheit an, wir bekommen Angst, haften an alten Mustern an. Wir müssen langsam das Vertrauen entwickeln, dass das Loslassen etwas Befreiendes ist.

Wenn der Weg steinig wird

Über Dich darin, niemandem zu schaden – weder Dir selbst noch anderen – und tue jeden Tag, was Du kannst, um hilfreich zu sein. Vier Methoden des Sitzenbleibens als grundlegende Unterweisung/Hilfsmittel, wenn der Weg steinig wird: 1. Kein Ziel für den Pfeil aufstellen, 2. Kontakt zum Herzen aufnehmen, 3. Hindernisse als Lehrer ansehen, 4. Alles, was geschieht, als Traum betrachten

Der spirituelle Freund

Krieger im Prozess der Schulung brauchen jemanden, der sie führen kann, der die zu durchwandernde Landschaft gut kennt und der ihnen den Weg weisen kann. Die Liebe des Lehrers für den Schüler manifestiert sich als Mitgefühl. Die Liebe des Schülers für den Lehrer ist Hingabe. Diese gegenseitige Wärme, diese Herzensverbindung macht eine Begegnung von Geist zu Geist möglich. Die Beziehung zu unserem spirituellen Freund inspiriert uns dazu, furchtlos loszumarschieren und zu beginnen, die phänomenale Welt zu erforschen.

Der Zwischenzustand

Es braucht einige Zeit der Schulung, bis völliges Loslassen = Wohlbefinden. „Nichts an dem man festhalten könnte“ ist die Wurzel des Glücks. Wir haben ein Gefühl der Freiheit, wenn wir akzeptieren, dass wir nicht die Kontrolle besitzen. Das mag zu einer „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“ Empfindung führen, dem Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Angst, Traurigkeit, Zartheit sind Kennzeichen dieses Zwischenzustands, in dem wir unsere alten Annehmlichkeiten nicht mehr von außen bekommen, aber auch noch nicht in einem beständigen Gefühl des Gleichmuts und der Wärme Zuhause sind – Fähigkeit, im Paradox zu bleiben

von: Jenny Tilling, Absolventin der Yogalehrerausbildung bei Openlotus

Yogapraxis

Die geheime Geschichte des Yoga

In diesem Radiobeitrag wird dargelegt, dass unsere heutige Yogapraxis mitnichten uralt sei, sondern erst im frühen 19. Jahrhundert entstand. Die Idee, Yoga sei eine alte indische Tradition, eine zeitlose Disziplin, die über lange Zeit vom Lehrer zum Schüler weitergegeben wurde, wird in Frage gestellt.

Kommentar zu einem Beitrag (englisch) bei BBC Radio 4 · Link

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Bodhichitta – das völlig offene Bewusstsein – wie kann man dieses kennen lernen?

Buch: In jedem Moment unseres Lebens haben wir die Wahl: Unsere Lebensumstände können uns verhärten, uns ängstlich und abweisend machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden. Doch unsere gewohnten Strategien mit Ängsten, Leiden und Schwierigkeiten umzugehen, sind wenig geeignet, diese zu überwinden - stattdessen zementieren sie diese letztlich nur. Aus dem riesigen Fundus buddhistischer Geistesübungen schöpfend, macht die erfahrene Meditationsmeisterin hier deutlich, wie wir unsere Ängste nutzen können, um in einer schwierigen Welt und in schweren Zeiten zu Furchtlosigkeit finden und authentisch leben zu können.

Arbor-Verlag / Best-Nr.: 9783936855678

Bodhichitta, das völlig offene Bewußtsein, der erleuchtete Geist, das offene Herz, unsere empfindlichste, verletzlichste, zarteste, traurigste Stelle

Wie man mit dieser arbeiten kann erklärt Pema Chödrön in ihrem Werk:
GEH AN DIE ORTE DIE DU FÜRCHTEST

Bodhichitta

Bereits als kleines Mädchen erhielt Pema Chödrön den Rat, sich nicht durch die Widrigkeiten des Lebens härter werden zu lassen oder sich zu verschließen, sondern sich von unangenehmen Umständen weicher und sanfter werden zu lassen, um offener zu werden für das, was wir fürchten. „Wir haben stets diese Wahl.“

Bodhichitta, das völlig offene Bewußtsein, der erleuchtete Geist, das offene Herz, unsere empfindlichste, verletzlichste, zarteste, traurigste Stelle lehrt uns Mitgefühl. Bodhichitta macht uns demütig und freundlich. Pema Chödrön schlußfolgert: „Bodhichitta wird uns inspirieren und tragen, in guten wie in schlechten Zeiten.“

Pema Chödrön rät dazu, furchtlos das eigene Verhalten einer mitfühlenden Untersuchung zu unterziehen, um Taktiken zu entlarven, mit denen wir versuchen uns dem Leben, wie es ist, zu entziehen. Wenn wir uns sowohl der Ungesichertheit als auch der Langeweile des Alltags nicht entziehen, sondern einfach allem mit Offenheit und Flexibilität begegnen, wenn wir das, was geschieht, einfach wohlwollend wahrnehmen, ohne es zu beurteilen, dann können wir mit Bodhichitta in Verbindung treten. Mit jener empfindsamen Stelle, der Pema Chödrön transformierende Wirkung einräumt.

Pema Chödrön erklärt, daß wir, wenn wir uns darin schulen Bodhichitta zu erwecken, die Anpassungsfähigkeit unseres Geistes vergrößern. Das ist eine große Hilfe dabei uns den drei buddhistischen Grundcharakteristika der menschlichen Existenz zu stellen: Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden. Wir können aufgeben, vergeblich Sicherheit in der Beständigkeit zu suchen und den steten Wandel als Quelle der Freiheit zu nutzen. Wir können unser Leben dazu nutzen, unsere Annahmen und Überzeugungen aufzulösen. Und wir können unser Leiden überwinden, wenn wir die ewige Wahrheit von Vergänglichkeit und Tod akzeptieren lernen.

Meditation

Die Grundlage für Bodhichitta ist das Verweilen in unserer Verwundbarkeit beim Sitzen in der Meditation. Dabei braucht es eine bedingungslose Freundlichkeit gegenüber uns selbst, um allen Gedanken und Emotionen näher zu kommen. Indem wir den Seiten von uns, die wir für abstoßend und Angst einflößend halten, mit Wärme und Mitgefühl begegnen, schaffen wir die Voraussetzung dafür uns selbst zu transformieren. „Wir treten aus einer Phantasiewelt heraus und entdecken die simple Wahrheit.“

Bei der Meditation bleiben wir aufmerksam und gewahrsam bei dem, was wir sind. Sobald sich unser Geist zerstreut, nehmen wir das ohne Beurteilung zur Kenntnis und kehren mit sanfter Standhaftigkeit zu uns zurück. Durch regelmäßige Übung werden wir ehrlicher mit uns selbst und beginnen klarer zu sehen. Alle auftauchenden Emotionen lassen wir auf uns einwirken, wir erfahren sie, ohne sie zu bewerten, ohne nachzudenken.

Geistesschulung

Pema Chödrön stellt fest, daß wir im alltäglichen Leben gewöhnlich von der Schwungkraft unserer Gewohnheiten überrannt werden, ohne daran zu denken unsere Verhaltensmuster zu ändern. Die Übung besteht nun darin, das Aufkommen eines gewohnten Musters zu erkennen, die auslösende Emotion zur Kenntnis nehmen und dann völlig vom gewohnten Verhalten abzuweichen. So können wir daran arbeiten unsere Gewohnheitsmuster zu durchbrechen.

Eine machtvolle Bodhichitta-Übung unsere gewohnten Abneigungen und Sehnsüchte zu überwinden ist die Übung der Vier grenzenlosen Eigenschaften – Liebende Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Diese Eigenschaften habe die Macht unsere Gewohnheiten zu lockern.

Bei der Übung zur Entwicklung Liebender Güte beginnen wir damit aufrichtig, liebevoll und mitfühlend mit uns selbst zu sein. Dann dehnen wir die Liebende Güte auf uns nahestehende Personen aus, dann auf Freunde, dann auf neutrale Personen,  dann auf Menschen, die wir nicht mögen, dann auf alle bisher genannten als Gruppe und schließlich rufen wir Liebende Güte für alle Wesen in Raum und Zeit hervor.

Entscheidend bei dieser Übung ist aufrichtiges Wohlwollen zu empfinden, wenn wir unsere Wünsche nach Glück und Zufriedenheit aussenden. Mit dieser Übung trainieren wir sozusagen unser Herz und die vier grenzenlosen Eigenschaften nehmen von selbst zu. Und wir freunden uns mit uns selbst an, mit unseren Ängsten, unseren Blockaden und unseren Abneigungen.

Mitgefühl kann auf gleiche Weise wie zuvor beschrieben mit einem siebenstufigen Wunschgebet entwickelt werden. Bei dieser Übung wünschen wir frei zu sein vom Leiden und von der Wurzel des Leidens. Pema Chödrön findet es besonders hilfreich die Übung des Mitgefühls mit auf die Straße zu nehmen und im Alltag zu praktizieren. Wir lernen unsere Vorurteile wahrzunehmen und unsere Furcht vor dem Schmerz zu überwinden.

Das Zutrauen in uns selbst, die Fähigkeit mit jeder Situation umgehen zu können, unser grundlegendes Gutsein und unsere Achtsamkeit und Präsenz in jedem Augenblick schenkt uns Freude. Auch die Fähigkeit zur Freude läßt sich mit einem siebenstufigen Wunschgebet üben. Uns mit anderen zu freuen bringt uns in Kontakt mit unseren Emotionen und hilft uns unser Herz offen zu halten.  Pema Chödrön’s Rat: „Wenn das Leben schön ist – denke an andere. Wenn das Leben schwer ist – denke an andere.“

Gleichmut bedeutet ohne Hoffnung das zu bekommen, was wir wünschen, und ohne Furcht zu verlieren, was wir haben, das anzunehmen, was uns das Leben beschert, und uns auf das einzulassen, was sich uns bietet. Wir lernen alles unabhängig von Zuneigung oder Ablehnung willkommen zu heißen.


Feinde der Vier grenzenlosen Eigenschaften:

  • Liebende Güte: Anhaften – Haß
  • Mitgefühl: Mitleid – Grausamkeit
  • Freude: Übermut – Neid
  • Gleichmut: Gleichgültigkeit – Voreingenommenheit

Tonglen

Eine weitere Bodhichitta-Übung ist Tonglen, „sich selbst an die Stelle eines anderen versetzen“. Wir nehmen unser Leiden und unsere Schmerzen auf, ebenso das Leid und die Schmerzen der anderen und senden Glück an uns selbst und an alle anderen aus. Aus einem Zustand völliger Offenheit, einem Gefühl allumfassender Weite atmen wir das Unerwünschte ein und atmen das Gewünschte aus. Beim Einatmen öffnen  wir uns und akzeptieren Leid und Schmerz und beim Ausatmen lassen wir los.

Ganz ähnlich läßt sich auch die Bodhichitta-Übung zur Vergebung praktizieren. Wir nehmen Kontakt zu unseren Schuldgefühlen und unserer Scham auf, öffnen ihnen unser Herz, senden Vergebung an uns selbst und an andere, und beginnen dann neu.

Sechs Paramitas

Großzügigkeit, Disziplin, Geduld, Begeisterung, Meditation und bedingungslose Weisheit. Diese Aktivitäten helfen uns Herz und Geist offen zu halten, unsere Gewohnheitsmuster zu durchbrechen und unsere Vermeidungshaltung aufzugeben. Allen aufkommenden Gedanken und Gefühlen, Schmerz und Freude, Furcht und Angst begegnen wir mit Mitgefühl, ohne uns einer Situation zu entziehen oder uns zurückzuziehen. Alles unterziehen wir einer mitfühlenden Untersuchung.

Durch vollkommene Hingabe und totale Offenheit für alle Situationen und Gefühle entwickeln wir eine Sicherheit, die keinen festen Boden, keinen Halt, kein Festhalten mehr braucht.

Vier Methoden des Sitzenbleibens

  • In Zeiten des Zorns vermeiden wir ein Ziel für eine Reaktion aufzustellen.
  • Wir nehmen Kontakt zu unserem Herzen auf.
  • Schwierigkeiten und Hindernisse sehen wir als Lehrer an.
  • Wir stellen uns alles als Traum vor.

Zwischenzustand

„Nichts, an dem man festhalten könnte.“ Wir nehmen Ungewißheit und Unsicherheit wahr, nehmen die aufkommenden Gefühle zur Kenntnis, spüren die damit verbundene Energie und verweilen in unserer Mitte. Das bereitet  uns auf das Unbekannte vor, so können wir uns unserem Leben und unserem Tod furchtlos stellen. Jetzt ist die einzige Zeit, die wir haben.

Von MICHAEL SCHULTE – Teilnehmer der Yogalehrerausbildung 2014/2015

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Shunryu Suzuki: Zen-Geist – Anfänger-Geist

Das Buch „Zen-Geist – Anfänger-Geist“ von Suzuki liefert eine eindrucksvolle und verständliche Unterweisung in die Praxis des Zen. Es beschreibt die innere Einstellung bzw. Einsicht, welche die Zen-Praxis und letztendlich die Verwirklichung des eigenen „Zen-Geistes“ ermöglichen; in Meditation wie auch im alltäglichen Leben, denn es gibt keinen Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen.

Der beschriebene „Zen-Geist“ ist zugleich „Anfänger-Geist“. „Anfänger-Geist“ ist unsere wahre Natur – alle Menschen kommen mit „Anfänger-Geist“ in diese Welt, die meisten verlieren ihn aber im  Laufe des Lebens wieder.

„Anfänger-Geist“ ist vielleicht am Besten zu verstehen in der Abgrenzung zum „Experten-Geist“, welcher sich bei den meisten Menschen ganz automatisch aufgrund der im Verlauf des Lebens gesammelten Erfahrungen etabliert und dadurch den „Anfänger-Geist“ verdrängt. Im Grunde genommen ist der „Experten-Geist“ zu einem gewissen Grad sogar notwendige Voraussetzung für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das Leben wird durch die in seinem Verlauf aufgrund von Erfahrungen erstellten „Schubladen“ strukturierter, teils leichter und unter Umständen auch sicherer. Anders ausgedrückt: „Durch Erfahrung wird man klug“.

Das, was nach dieser Auffassung für Klugheit gehalten wird, nämlich der Glaube, aus Erfahrungswerten (immer) ableiten zu können, wie sich eine Situation entwickeln wird, nimmt einem aber tatsächlich meistens die Offenheit, neuen Situationen unvoreingenommen zu begegnen, also mit „Anfänger-Geist“.

Der dem „Experten-Geist“ gegenüberstehende „Anfänger-Geist“ meint die Offenheit, jeder Situation die Möglichkeit zu geben, sich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln.

„Zen-Geist“ oder „Anfänger-Geist“ ist auch ein vollkommen freier Geist. Frei, sich in jedem Augenblick neue Pfade zu erschließen gleich einem Fluss, der sich bei Hochwasser nicht mehr im Flussbett bewegt, sondern über die Ufer des etablierten Pfades tritt und sich dadurch in alle Richtungen neues Territorium erschließen kann. Das dauerhafte, eingefahrene und damit eingeschränkte Selbst ist eine Illusion – jede Existenz ist in ständigem Wandel begriffen.

Durch Annahme dieser Tatsache kann sich auch das Leiden verringern, welches entstehen kann, wenn man an aus alten Erfahrungen gewonnenen Erwartungen festhält und sich dadurch in sich immer wiederholenden (negativen) Strukturen bewegt oder diese Erwartungen nicht erfüllt werden.

Die aus solchen Gedankenstrukturen entstehenden Erwartungen an das Resultat einer Situation oder einer Handlung bedeuten nicht nur ein Unfreisein in der Zukunft, sondern auch eine Missachtung des jetzigen Augenblicks. Solange die Gedanken in der Zukunft (oder auch der Vergangenheit) weilen, läuft man Gefahr, die Schönheit und Möglichkeiten des gegenwärtigen Moments nicht wahrnehmen zu können. Der sich immer wieder überraschen lassende „Anfänger-Geist“ ist eng verbunden mit dem Leben im Hier und Jetzt, vielleicht sogar dessen Voraussetzung. Nur wenn man Anhaftungen der Vergangenheit loslässt, vollkommen offen ist für kommende Erfahrungen und Eindrücke, kann man sich im Hier und Jetzt bewegen und den Augenblick als das schätzen, was er ist. Das Leben in der Wirklichkeit der Gegenwart, frei von Anhaftungen und Erwartungen, ist gekennzeichnet durch einen gelassenen, annehmenden, wachen, achtsamen und die ursprüngliche Natur der Dinge erkennenden Geist.

„Anfänger-Geist“ ist leer. Und wird dadurch aufnehmend – und in gleichem Maße wieder abgebend, um Raum zu schaffen für neue Eindrücke. Wie der Atem, der einen durchströmt. Nur durch vollständige Ausatmung kann man wieder Platz schaffen und neue, unverbrauchte Atemluft in sich aufnehmen. Ein ständiger Austausch.

Die Ausführungen Suzukis zur Zen Praxis, z.B. über die Qualitäten des „Anfänger-Geistes“ und der Bedeutung des Hier und Jetzt sind auch für die Yoga-Praxis von großer Bedeutung.

Nicht selten geht die anfänglich vielleicht bestehende Einstellung von Offenheit einem Asana gegenüber, welches man noch nicht praktiziert hat, durch Wiederholung verloren. Aber wenn man es schafft, beim Üben von Asanas den „Anfänger-Geist“ zu bewahren, öffnet man sich viele Türen zu neuen Erfahrungen. Wenn man keine Erwartungen an ein Asana stellt – wie es aussehen soll, wie es sich anfühlen soll – dann ist man in seiner Praxis viel freier und aufmerksamer, und kann jedes Asana immer wieder neu für sich entdecken und sich überraschen lassen. Das ständige Üben als Anfänger versetzt den Übenden erst in die Lage, wahrhaftig zu lernen. Dann kann man auch frei von jedem körperlichen oder mentalen Ehrgeiz üben, und bei der Praxis ganz bei sich sein. Im Innern, bei sich, mit Körper und Geist im Hier und Jetzt. Man praktiziert nicht, um etwas zu erreichen, sondern um das jeweilige Asana – und sich selbst im Asana – zu entdecken. Es ist nicht notwendig, vollkommen zu vergessen, wie die letzte Praxis war, aber man soll nicht daran bzw. an einem einmal erzielten Fortschritt festhalten und erwarten, beim nächsten Mal an genau diesem Punkt zu beginnen. Stattdessen beginnt man jedes Mal neu.

Denn sobald man glaubt, etwas genau zu kennen, wird man unaufmerksam und läuft Gefahr, seine Aufmerksamkeit zwischen der Praxis und anderen Dingen aufzuteilen. Man ist nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern opfert vielmehr seine jetzige Praxis für ein Ideal in der Zukunft.

Wie viel schöner ist es nicht auch, jede Form, die ein Asana einnimmt, willkommen heißen und wertschätzen zu können, als Ausdruck des Selbst und gleichzeitig als Lehrer für das Selbst. Dies ist nicht nur wahr für die Asanapraxis, sondern für alle Aspekte des Lebens.

Was man vorher vielleicht als Einschränkung empfunden hat, begrenzt einen ohne Erwartungshaltung auch nicht mehr. Dualismus löst sich auf. Man übt nicht mehr ein Asana, man ist das Asana, in Körper und Geist, in voller Hingabe durch Aufgabe des Selbst in non-dualistischem Verständnis des Seins: „Wenn ihr etwas tut, wenn ihr euren Geist mit einigem Vertrauen fest auf die Aktivität richtet, ist die Beschaffenheit eures Geisteszustands die Aktivität selbst.“

Das rechte Bemühen, d.h., Yogapraxis ohne die besondere Anstrengung, etwas zu erreichen, bringt Geist und Körper als zwei Seiten einer Münze wieder zusammen. Wenn man in diesem rechten Bemühen übt, ist es tatsächlich unerheblich, wie gut man eine bestimmte Haltung erreichen kann. Es gibt kein gutes Asana, kein schlechtes Asana.

Dieses Nichtausrichten der Praxis auf ein bestimmtes Ziel und das Bewahren des „Anfänger-Geistes“ bewirkt auch, dass die Praxis im täglichen Leben nach- und fortwirkt und nicht mit dem Verlassen der Yogamatte endet.

Buchreport von Daniela Meier – Absolventin der Yogalehrer Ausbildung bei Openlotus – die Yogaschule in Köln

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„Geh an die Ort, die du fürchtest“


Buch: In jedem Moment unseres Lebens haben wir die Wahl: Unsere Lebensumstände können uns verhärten, uns ängstlich und abweisend machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden. Doch unsere gewohnten Strategien mit Ängsten, Leiden und Schwierigkeiten umzugehen, sind wenig geeignet, diese zu überwinden - stattdessen zementieren sie diese letztlich nur. Aus dem riesigen Fundus buddhistischer Geistesübungen schöpfend, macht die erfahrene Meditationsmeisterin hier deutlich, wie wir unsere Ängste nutzen können, um in einer schwierigen Welt und in schweren Zeiten zu Furchtlosigkeit finden und authentisch leben zu können.Das Buch von Pema Chödrön „Geh an die Orte, die du fürchtest“ , ist wie ein kleiner Wegweise, der uns Methoden zeigt und Werkzeuge an die Hand gibt, wie wir uns auf dem Weg machen können, in uns das völlig offene Herz zu wecken und zu einem mitfühlenden Krieger zu werden. „Wir können zulassen, dass die Lebensumstände uns verhärten, uns ängstlicher und abweisender machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden und offener für das, wovor wir unsfürchten. Wir haben die Wahl.“ Auf dieser Unterweisung basiert das Buch.

„Bodhichitta“ („völlig offenes Herz”, „wunder Punkt“) wird auch mit der Fähigkeit „zu lieben“ und mit Mitgefühl gleichgesetzt. Liebe und Mitgefühl  machen uns Angst, weil wir uns durch diese öffnen. Da wir uns ständig davor fürchten, verletzt  zu werden, errichten wir Schutzmauern aus Meinungen und Vorurteilen, die wir durch verschiedene Emotionen verstärken. Wir müssen lernen, dass  unter den errichteten Mauern das Herz liegt, das uns Mitgefühl lehren kann. Wir können lernen, dass auch in den schwersten Zeiten, mitten in unserem Leiden, Zugang zu Bodhichitta möglich ist.

Ein Bodhisattva (mitfühlender Krieger), stellt sich den herausfordernden Situationen, um Leiden zu lindern indem er sich darin schult, das bedingungslose Bodhichitta zu wecken.

Wenn wir uns auf dem Weg des Kriegers machen, brauchen wir Mut, Offenheit und Mitgefühl, um unsere eigenen Ängste anzunehmen und uns in dem wunden Punk, unserem Schmerz, aufzuhalten. Offenheit hilft uns, unsere Ängste besser zu verstehen. Wenn wir offen und empfänglich bleiben für alles was passiert, wird Bodhichitta zum Vorschein kommen.

Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden belehren uns, nicht länger gegen die Natur der Wirklichkeit anzukämpfen.  Wenn wie die Vergänglichkeit akzeptieren, die Prinzipien der Ichlosigkeit und die Gründe unseres Leidens verstehen, können wir damit aufhören, dem Wechsel von Freude und Schmerz entfliehen zu wollen. Wir können lernen, uns zu entspannen und einfach in jedem Augenblick unseres Lebens voll gegenwärtig sein.

Die Bodhichitta Schulung

Die zentrale Praxis für einen werdenden Bodhisattva ist das Kultivieren von Maitri (bedingungslose Liebe). Die Übungen der vier grenzenlosen Eigenschaften: Meditation, Liebenden Güte, Mitgefühls, Freude und Gleichmuts sind Werkzeuge, die uns darin schulen können, den wunden Punkt von Bodhichitta freizulegen.

Im Sitzen, in Meditation, können wir an unseren Gedanken und Emotionen näher herankommen und uns mit unserem Körper verbinden. In der Meditation akzeptieren wir uns so, wie wir sind, mit unserer Verblendung und unserer geistigen Gesundheit (MAITRI). Erst wenn wir beginnen, uns mit uns selbst anzufreunden, wird die Meditation zu einem transformierenden Prozess in dem wir vier Qualitäten von Maitri entwickeln:

  • Standhaftigkeit (einfach in unserem Körper zu sein, zur Kenntnis nehmen, was darin vorgeht )
  • Klares Sehen (Ehrlichkeit gegenüber uns selbst, die Barrieren sehen, die wir errichten)
  • unsere emotionale Not annehmen, ohne unsere Erfahrung zu verdammen oder zu rechtfertigen
  • völlig „da zu sein“, Augenblick für Augenblick

Diese vier Eigenschaften sind auch für alle Bodhichitta Übungen und für den Umgang mit schwierigen Situationen in unserem Alltag von Bedeutung.

1.) Die Übung „Liebende Güte“ schult uns, Aufrichtigkeit, Liebe und Mitgefühl uns selbst gegenüber zu entwickeln und unsere Engstirnigkeit zu erkennen. Wir lernen, unser Herz und unseren Geist auch unter schwierigeren Umständen zu öffnen und zu erkennen, wann wir Barrieren zwischen uns und anderen errichten. Ziel ist, die liebende Güte erst für uns selbst zu entwickeln und diese dann Schritt für Schritt auf einen immer größeren Kreis auszudehnen. Jede Stufe gibt uns die Möglichkeit, unser Herz ein Stück weiter zu öffnen und unser Fähigkeit, ohne Voreingenommenheit zu lieben, zum Vorschein zu bringen.

2.) Um Mitgefühl zu üben, brauchen wir die Bereitschaft, Schmerz zu empfinden, wir üben uns in Tapferkeit, uns dem Schmerz zu stellen. Wir wünschen, dass alle Wesen – einschließlich wir selbst, und auch diejenigen, die wir nicht mögen – vom Leiden und vor der Wurzel des Leidens frei sein mögen. Mit dem Wunschgebet können wir unser Herz sanfter werden lassen und gleichzeitig – in Hinsicht auf die Momente, in denen wir uns öffnen oder abschotten –, ehrlicher und nachsichtiger mit uns selbst werden. Durch diese Übung gewinnen wir ein immer tieferes Verständnis für die Wurzel des Leidens.

In der Übung des Tonglens wird unser Mitgefühl auf all jene ausgedehnt, die in derselben misslichen Lage sind, wie wir. Wir sind bereit, unser eigenes Leiden und Schmerz, sowie den von anderen aufzunehmen, und das Glück zu uns selbst und allen anderen auszusenden. Mit der Praxis des Tonglen schulen wir uns darin, uns nicht mehr so sehr an unser Ich zu klammern und uns um andere zu kümmern.

3.) In dem Wunschgebet zum Erwecken von Wertschätzung und Freude üben wir uns darin, uns auch über die geringste Wohltat zu freuen und Dinge wertzuschätzen, die das Leben für uns bereithält. Der Schlüssel ist, in jedem Augenblick ganz präsent zu sein. Die Kombination von Achtsamkeit und Wertschätzung bringt uns in vollen Kontakt mit der Wirklichkeit und schenkt uns Freude. Wir lernen, uns zu freuen, wenn wir an einen geliebten Menschen denken und sein oder ihr Glück würdigen. Dann üben wir mit Menschen, die uns weniger eng verbunden sind. In den einzelnen Schritten lernen wir, unser Herz für andere zu öffnen und uns mit anderen zu verbinden.

4.) Gleichmut zu kultivieren bedeutet, dass wir alles, was im Leben kommt (Krankheit, Gesundheit, Armut, Reichtum) annehmen können. Egal „was“ es ist, wir heißen es willkommen und lernen es kennen.

Die Übungen der vier  grenzenlosen Eigenschaften sind Wege, um Bodhichitta zu erwecken. Mit diesen Übungen drücken wir unsere Bereitschaft aus, unser Herz zu öffnen und näher an unsere Ängste heranzukommen. Sie helfen uns, unsere Fähigkeit auszubauen, standhaft bei unseren Erfahrung zu bleiben und den Unterschied zwischen einem verschlossenem und einem offenem Geist kennenzulernen. Wir entwickeln die Bewusstheit und die Freundlichkeit, die wir brauchen, um anderen helfen zu können.

Die nahen und entfernten Feinde der vier grenzenlosen Eigenschaften: Anhaften, Hass, Mitleid, Überwältigt-Sein, Grausamkeit, Übermut, Gleichgültigkeit und Voreingenommenheit – sind unsere Lehrer, die uns zeigen, dass wir uns und andern mit allen Schwächen akzeptieren können.

Auch Vergebung ist ein wichtiger Bestandteil der Bodhichitta-Praxis. Durch Vergebung lernen wir, von der Vergangenheit abzulassen und einen Neuanfang zu machen. Vergebung kann man nicht erzwingen, sie ist ein natürlicher Ausdruck des offenen Herzens, unseres grundlegendem Gutseins.

Text: Eva Bales, Teilnehmerin der Yogalehrerausbildung

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