Bestellung Anusara Handbücher

Blog

Die Tantrische Traditionslinie in der modernen Welt: eine einfache und kurze Zusammenfassung

11. Juni 2019

Die tantrischen Traditionen die im Süden Indiens ihre Blütezeit hatten, erlitten einen enormen Niedergang im Zuge der muslimischen Eroberung (ca. 1.2000 n.Chr.), der tantrische Buddhismus wurde wenig später in Indien ausgelöscht. Nach der Eroberung verfielen die überlieferten Traditionen weiter, ebenso wie unter der Britischen Herrschaft, so dass sie in vielen Regionen endgültig aufgegeben wurden, etwa um die Zeit der Unabhängigkeit (1940er Jahre). Wer als Reisender durch Indien das Vertrauen der Landbevölkerung gewinnen kann, erfährt, dass die letzten tantrischen Priester vor ca. 50 Jahren verstorben sind. Dies ist zum Teil den Indern zu verdanken, die sich mehr an der Moderne orientieren wollten, sie dachten es sei an der Zeit, in eine neue Ära einzutreten. Zum anderen fand sich niemand mehr, der die erforderlichen sādhana (spirituelle Praktiken) ausüben wollte um die Weihen (abhishek) zu erhalten und ein āchārya (spiritueller Lehrer) zu werden. Dennoch ist dieser Verlust relativ gering, denn diese lokalen Traditionslinien waren bereits im Lauf des 20sten Jahrhunderts zerfallen. Tantrische Rituale wurden oft ohne tieferes Verständnis der Philosophie von Yoga ausgeübt.

Diese Aussagen sind jedoch nicht allgemeingültig. Shrīvidyā bekam institutionelle Unterstützung durch den Mainstream-Hinduismus im Süden (z.B. Kāñchī und Shringeri), und hat sich so bis zum heutigen Tag bewahrt, dasselbe gilt für Shaiva Siddhānta (allerdings ohne Yoga) auch im Süden.

Was den Norden der Region angeht, so hat sich die Trika-Linie ununterbrochen in Kaschmir gehalten, bis hin zum Tod von Swami Lakshman Joo (1991). Diesem folgte 1992 ein Exodus der letzten Pandit-Familien. Und auch hier war die Linie bereits erheblich geschrumpft, das meist esoterische yogische Wissen war über die Jahrhunderte unter muslimischer Vorherrschaft verloren gegangen (s. auch den brillanten Artikel von Sanderson: „The Place of Swami Lakshman Joo in the Kashmirian tradition“).

Im Westen (Rājasthān) überlebte tantrischer Yoga durch eine königliche Schirmherrschaft sogar die Kolonialzeit. Es scheint aber, als wäre er am Vorabend der Moderne verschwunden. Im Osten (dies gilt gesichert für Assam und Bengalen), haben einige Erblinien bis zum heutigen Tag Fortbestand. Dort wurden häufig Praktiken von übergriffigem Fehlverhalten mit übernommen, während die dazugehörige, einst erhabene Philosophie verloren ging. In Nepal konnten einige Linien fortbestehen, und möglicherweise laufen auch heute noch einige Kramāchāryas irgendwo durch die Gegend. Auch diese Linien haben unter einer erheblichen Ausdünnung des einstigen Wissens gelitten.

Keine der Traditionen, die die Zeit überlebt haben, hat die gesamte Vielfalt von Ritualen, Yoga und Philosophie in ihrem ursprünglichen Zusammenhang bewahrt. Jede für sich hat ganz substanzielle Teile der Tradition auf dem Weg verloren. Sie wurden auf vielfältige Weise stark geschwächt, so dass nirgendwo alle Puzzleteile des großen Ganzen zusammengehalten werden konnten, oftmals nur einzelne Bruchstücke.

Wie einige andere engagiere auch ich mich dafür, diese Puzzlestücke zusammenzutragen und so etwas wie ein Tantrisches Revival in Gang zu setzen. Die Einzelteile sind bereits vorhanden, aber in alle vier Himmelsrichtungen verstreut.

Vereinfacht gesagt hat die Philosophie überwiegend im Norden überlebt, der Yoga im Westen, die Rituale im Süden und die übergriffigen Praktiken zumeist im Osten. Natürlich sind die Zusammenhänge weitaus komplexer, so haben zum Beispiel höchst authentische und detaillierte tantrische Rituale in Nepal Bestand.

Es werden sicher weitere 50 Jahre nötig sein, um dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen. Aber was für ein wunderbares Unterfangen, wenn man bedenkt, dass wir auf alle mögliche Art und Weise versuchen, das wieder zusammenzusetzen, was auf seinem Höhepunkt die anspruchsvollste spirituelle Tradition der Welt war. Sie bot zu ihrer Zeit eine unglaublich große Palette an Werkzeugen, Praktiken und Einsichten auf dem spirituellen Pfad an, und das für eine große Vielfalt an Persönlichkeits-Typen.

~ Hareesh


© Christopher D. Wallis (Hareesh), 03.07.2018, fb Blog Post

TANTRIK LINEAGE IN THE MODERN WORLD: a brief and simplified summary

Übersetzung (2019): Brigitte Heinz,  Lektorat: Eva Ananya

weiterlesen ...

Die wahre Geschichte der Chakren

3. Juni 2019

Die sechs wichtigsten Dinge, die Du noch nicht über die Chakren wusstest

© Christopher D. Wallis (Hareesh) · 5.2.2016

hareesh.org / blog / The real story on the Chakras · Übersetzung (2019): Cornelius Woelke,  Lektorat: Marion Inderst und Brigitte Heinz

In den letzten hundert Jahren hat das Konzept der Chakren oder feinstofflichen Energiezentren im Körper, die westliche Vorstellungskraft mehr als jede andere Lehre aus der Yoga-Tradition gepackt. Wie bei den meisten anderen, aus Sanskrit-Quellen stammenden Vorstellungen hat der Westen (abgesehen von einer Handvoll Gelehrter) kaum verstanden, was der Chakra-Begriff in seinem ursprünglichen Kontext bedeutet und wie man mit ihnen üben soll. Dieser Artikel versucht, diese Situation einigermaßen zu korrigieren. Wenn Du nur wenig Zeit hast, kannst Du die kontextuellen Kommentare überspringen und direkt zur Liste der sechs grundlegenden Fakten über die Chakren gehen, die moderne Yogis nicht kennen.

Zunächst einmal, wie definieren wir „Chakra“? In den tantrischen Traditionen, aus denen das Konzept abgeleitet ist, sind Chakren (Skt. Cakra) Fokussierungspunkte für Meditationen im menschlichen Körper, die als Strukturen von Energie dargestellt werden. Sie ähneln Scheiben oder Blumen, und zwar an den Stellen, an denen eine Reihe von Nāḍīs (Kanäle oder Meridiane) zusammenlaufen. Es sind begriffliche Strukturen, die jedoch phänomenologisch begründet sind, da sie tendenziell dort liegen, wo Menschen emotionale und/oder spirituelle Energie erfahren, und die vorgestellte Form die visionären Erfahrungen von Meditierenden widerspiegelt.

(Ich habe oben gesagt, dass der Westen Chakren bisher nicht verstanden hat. Ich möchte klarstellen, dass mit „der Westen“ nicht nur die euroamerikanische Kultur gemeint ist, sondern auch die Aspekte der modernen indischen Kultur, die von der euroamerikanischen Kulturmatrix beeinflusst werden. Da es an diesem Punkt fast unmöglich ist, eine Form von Yoga in Indien zu finden die nicht von euroamerikanischen Vorstellungen beeinflusst wird, schließe ich auch die meisten Lehren über Yoga in Indien ein, die heute in Indien in englischer Sprache existieren, wenn ich den Begriff „westlich“ verwende.)

Okay, ich sage es ganz direkt: Im Großen und Ganzen versteht das westliche Yoga fast nichts von den Chakren, die für die ursprüngliche Tradition wichtig waren. Zum Beispiel, wenn du ein Buch wie Anodea Judiths berühmtes Lebensräder oder dergleichen liest, ist es wichtig zu erkennen, dass du nicht ein Werk der Yoga-Philosophie liest, sondern des westlichen Okkultismus, das auf drei Hauptquellen basiert: 1) frühere Werke des westlichen Okkultismus die Sanskrit-Begriffe ausleihen und anpassen, ohne sie wirklich zu verstehen (wie „Die Chakras“ von Theosophist C. W. Leadbeater, 1927); 2) John Woodroffe’s fehlerhafte Übersetzung aus dem Jahr 1918 eines Textes über die Chakren der 1577 in Sanskrit geschrieben wurde (siehe dazu weiter unten); und 3) Bücher indischer Yoga-Gurus aus dem 20. Jahrhundert, die zumeist auf den Quellen 1) und 2) basieren. Bücher über Chakren, die auf einem soliden Verständnis der ursprünglichen Sanskrit-Quellen basieren, existieren bisher nur in der akademischen Welt.

„Aber ist das wichtig?“, fragen mich Yogis. „Ich habe so viel von Anodea Judiths Buch profitiert und viele mögen es, nimm mir das nicht weg!“ Das  werde ich nicht und kann ich nicht. Welchen Nutzen Du auch immer erhalten hast, egal aus welcher Quelle – er ist real wenn Du sagst, dass es so ist. Ich bin nur hier, um Dir zwei Dinge zu sagen: Zum einen, wenn moderne westliche Autoren über Chakren behaupten, dass sie alte Lehren präsentieren, täuschen sie Dich – aber sie wissen nicht, dass sie es tun, weil sie die Gültigkeit ihrer eigenen Ausgangsmaterialien nicht beurteilen können (da sie kein Sanskrit lesen). Zum anderen, bin ich hier für diejenigen, die interessiert sind, sich darüber zu informieren, was yogische Begriffe in ihrem ursprünglichen Kontext bedeuten (weil ich ein Sanskrit-Gelehrter und ein Praktizierender bin, der die traditionellen Formen bevorzugt). Nur Du kannst beurteilen, ob das für Dich von Nutzen ist. Ich behaupte nicht, dass älter an sich besser ist. Ich versuche nicht zu unterstellen, dass der westliche Okkultismus keinen spirituellen Wert hat. Ich nähere mich nur der historischen Wahrheit in einfachen [[deutschen]] Worten, so gut ich kann. Also werde ich jetzt fortfahren mit: die sechs grundlegenden Fakten über die Chakren, die moderne Yogis nicht kennen.


1. Es gibt nicht nur ein Chakrasystem in der ursprünglichen Tradition, es gibt viele.

So viele! Die Theorie des subtilen Körpers und seiner Energiezentren, genannt cakras (oder padmas = Lotusse), ādhāras, lakṣyas (Fokussierungspunkte), etc.), geht auf die Tradition des tantrischen Yoga zurück, der von 600-1300 n.u.Z. blühte und bis heute lebendig ist. Im vollentwickelten tantrischen Yoga (etwa dem Jahr 900) artikulierte jeder der vielen Zweige der Tradition ein anderes Chakra-System, und einige Zweige formulierten mehr als einen. Fünf-Chakra-Systeme, sechs-Chakra-Systeme, sieben, neun, zehn, zwölf, zwölf, einundzwanzig und mehr Chakren werden unterrichtet, je nachdem, welchen Text und welche Linie du betrachtest. Das sieben (oder technisch gesehen 6 + 1) Chakrasystem, das westliche Yogis kennen, ist nur eines von vielen, und es wurde um das 15. Jahrhundert herum dominant (siehe Punkt #4 unten).

Nun, ich weiß, was du denkst: ‚Aber welches System ist das richtige? Wie viele Chakren gibt es wirklich?‘ Und das bringt uns zu unserem ersten großen Missverständnis. Die Chakren sind nicht wie Organe im physischen Körper; sie sind keine festen Fakten, die wir studieren können, wie Ärzte die Nervenknoten (mit denen die Chakren im 19. Jahrhundert verwechselt wurden). Der Energiekörper (sūkshma-sharīra) ist eine außerordentlich fließende Realität, so wie wir es von allem Nicht-Physischen und Übersinnlichen erwarten sollten. Der Energiekörper kann sich erfahrungsgemäß mit einer beliebigen Anzahl von Energiezentren präsentieren, abhängig von der Person und der yogischen Praxis, die sie ausführen.

Allerdings gibt es einige wenige Zentren, die in allen Systemen zu finden sind: speziell im Unterbauch oder Sexualzentrum, im Herzen und in oder in der Nähe des Scheitelpunkts, da dies drei Orte im Körper sind, an denen Menschen auf der ganzen Welt sowohl emotionale als auch spirituelle Phänomene erleben. Aber abgesehen von diesen drei finden wir in der Originalliteratur eine große Vielfalt an Chakrasystemen. Das eine ist nicht „richtiger“ als ein anderes, außer in Bezug auf eine bestimmte Praxis. Wenn du zum Beispiel eine Fünf-Elemente-Übung machst, benutzt du ein Fünf-Chakra-System (siehe Punkt #6 unten). Wenn Du die Energie von sechs verschiedenen Gottheiten verinnerlichst, benutzt du ein Sechs-Chakra-System. Puuuh, nicht wahr? Aber dieses entscheidende Stück Information hat den westlichen Yoga noch nicht erreicht.

Wir haben gerade erst den Kaninchenbau betreten, Alice. Möchtest Du mehr erfahren?

2. Die Chakrasysteme sind vorschreibend, nicht beschreibend.

Das könnte der wichtigste Punkt sein. Englische [[Westliche]] Quellen neigen dazu, das Chakra-System als existenzielle Tatsache darzustellen, indem sie beschreibende Sprache verwenden (wie „das mūlādhāra Chakra befindet sich an der Basis der Wirbelsäule und ist rot“ und so weiter). Aber in den meisten der ursprünglichen Sanskrit-Quellen wird uns nicht gelehrt wie die Dinge sind, sondern wir erhalten eine spezifische yogische Praxis: Wir sollen ein subtiles Objekt aus farbigem Licht, das wie ein Lotus oder ein Spinnrad geformt ist, an einem bestimmten Punkt im Körper visualisieren und dann mantrische Silben darin für einen bestimmten Zweckaktivieren. Wenn du dies verstehst, macht Punkt #1 oben mehr Sinn. Die Texte sind vorschreibend – sie sagen, was man tun muss, um ein bestimmtes Ziel mit mystischen Mitteln zu erreichen. Wenn das wörtliche Sanskrit in seiner elliptischen/umschreibendenForm den „vierblütigen roten Lotus an der Basis des Körpers“ beschreibt, sollen wir verstehen: „Der yogī sollte einen vierblütigen Lotus visualisieren….“. Siehe Punkt #5 unten für weitere Informationen dazu.

3. Die mit den Chakren verbundenen psychologischen Zustände sind völlig modern und westlich.

Auf unzähligen Websites und in unzähligen Büchern lesen wir, dass das mūlādhāraChakra mit Überleben und Sicherheit verbunden ist, dass das maṇipūraChakra mit Willenskraft und Selbstwertgefühl verbunden ist, und so weiter. Der gebildete Yogi sollte wissen, dass alle Assoziationen der Chakren mit psychologischen Zuständen eine moderne westliche Innovation sind, die mit Carl Jung begann. Vielleicht repräsentieren solche Assoziationen für manche Menschen Erfahrungswirklichkeiten (wenn auch meist nicht ohne Vorkenntnisse), aber wir finden sie sicherlich nicht in den Sanskritquellen. Es gibt nur eine Ausnahme, die mir bekannt ist, und das ist das 10-Chakra-System für Yogi-Musiker, über das ich einen Blogbeitrag geschrieben habe. Aber in diesem System des 13. Jahrhunderts finden wir nicht, dass jedes Chakra mit einem bestimmten Gefühl oder einem bestimmten psychologischen Zustand verbunden ist; vielmehr ist jedes Blütenblatt eines jeden  Lotus-Chakras mit einem bestimmten Gefühl oder einem bestimmten psychologischen Zustand verbunden, und es scheint kein Muster zu geben, mit dem wir ein Kennzeichen für das Chakra als Ganzes schaffen könnten.

Aber das ist noch nicht alles. Fast alle der vielen Assoziationen, die in Anodea Judith’s „Lebensräder“ zu finden sind, haben keine Grundlage in den indischen Quellen. Jedes Chakra, sagt uns Judith, ist mit einer bestimmten Körperdrüse, bestimmten körperlichen Fehlfunktionen, bestimmten Lebensmitteln, einem bestimmten Metall, einem Mineral, einer Kraut, einem Planeten, einem Yogaweg, einer Farbe des Tarots, einer Sephira der jüdischen Mystik und einem Erzengel des Christentums verbunden! Keine dieser Assoziationen findet man in den ursprünglichen Quellen. Judith oder ihre Lehrer schufen sie auf der Grundlage wahrgenommener Ähnlichkeiten. Das gilt auch für die ätherischen Öle und Kristalle, von denen andere Bücher und Websites behaupten, sie würden jedem Chakra entsprechen. (Ich sollte anmerken, dass Judith einige Informationen aus einer originalen Sanskrit-Quelle vorstellt  [d.h. das Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa, siehe unten] unter dem Namen: ‚Lotossymbole‘ für jedes Chakra.)

Dies ist nicht so zu verstehen, dass es  Dir nicht besser gehen kann, wenn Du dir bei Problemen mit dem Selbstwertgefühl eine bestimmte Art von Kristall auf den Bauch legst und dir vorstellst, es reinigt dein maṇipūra Chakra. Vielleicht wird es das, je nach Person. Diese Praxis ist sicherlich nicht traditionell ist und sie wurde nicht über Generationen hinweg  getestet (was der eigentliche Sinn einer Tradition ist); aber, es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als mein rationalistisches Gehirn zu träumen vermag. Meiner Meinung nach sollten die Menschen aber wissen, wenn der Stammbaum einer Praxis einige Jahrzehnte beträgt, und nicht Jahrhunderte. Wenn eine Praxis einen Wert hat, dann muss man ihre Herkunft nicht verfälschen, oder?

4. Das heute populäre Sieben-Chakra-System stammt nicht aus einer alten Schrift, sondern aus einer 1577 verfassten Abhandlung.

Das Chakra-System dem westliche Yogis folgen, wurde in einem Sanskrit-Text von einem Mann namens Pūrṇānanda Yati gefunden. Er stellte seinen Text (das Ṣaṭ-Chakra-nirūpaṇa oder „Erklärung der sechs Chakren“, das eigentlich Kapitel sechs eines größeren Werks ist) im Jahr 1577 fertig, und er wurde vor genau 101 Jahren, 1918, ins Englische übersetzt.

In einer früheren Version dieses Beitrags nannte ich dieses Sieben-Chakra-System „spät und etwas untypisch“. Aber nach ein paar Tagen wurde mir klar, dass ich mich geirrt hatte – eine einfachere Version desselben Sieben-Chakra-Systems findet sich in einem postscripturalen Text aus dem dreizehnten Jahrhundert namens Śāradā-tilaka, auch wenn dieser Text die Existenz mehrerer Chakra-Systeme (wie Systeme mit 12 oder 16 Chakren) eindeutig anerkennt. Eine umfangreichere Version desselben Systems finden wir auch im vierzehnten oder fünfzehnten Jahrhundert in der Śiva-samhitā. Die meisten Yogis (sowohl Inder als auch Westler) kennen das Sieben-Chakra-System jedoch durch das Werk von Pūrṇānanda aus dem 16. Jahrhundert, oder besser gesagt durch die etwas zusammenhanglose und verwirrende Übersetzung von John Woodroffe aus dem Jahre 1918. Dennoch ist es wahr, dass dieses Sieben-Chakra-System seit vier oder fünf Jahrhunderten dominiert. Aber es ist auch wahr, dass das verwestlichte Sieben-Chakra-System, das du kennst, auf der Interpretation einer fehlerhaften Übersetzung einer nichtscripturalen Quelle durch Okkultisten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts basiert. Dies entkräftet sie keineswegs, sondern problematisiert lediglich ihre Überlegenheit.

Beachte bitte, dass der tantrische Buddhismus (z.B. in Tibet) oft ältere Formen bewahrt hat, und in der Tat ist das Fünf-Chakra-System in dieser Tradition dominant (ebenso wie das grundlegendere Drei-Bindu-System). Für ein typisches Fünf-Chakra-System, wie es im klassischen Tantra zu finden ist, siehe Seite 387 in meinem Buch Tantra Illuminated.

5. Der Hauptzweck eines Chakra-Systems ist es, als Vorlage für nyāsa zu dienen – Installation von Mantras und Gottheiten.

Für die ursprünglichen Autoren war der Hauptzweck eines jeden Chakra-Systems die Funktion als Vorlage für nyāsa, d.h. Mantras und Gottheits-Energien an bestimmten Stellen des subtilen Körpers einzurichten. Obwohl Millionen von Menschen heute von den Chakren fasziniert sind, verwendet fast niemand sie für ihren Zweck. Das ist in Ordnung. Nochmals, ich bin nicht hier, um jemanden schlecht zu machen, sondern dazu, interessierte Menschen zu informieren.

Die herausragendsten Merkmale der Chakrasysteme in den ursprünglichen Quellen sind diese drei: 1) dass die mystischen Klänge des Sanskrit-Alphabets über die „Blütenblätter“ aller Chakren im System verteilt sind, 2) dass jedes Chakra einem bestimmten Großen Element (Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum) zugeordnet ist und 3) dass jedes Chakra einer bestimmten hinduistischen Gottheit oder Gottheiten zugeordnet ist. Denn, wie gesagt, ist das Chakra-System in erster Linie eine Vorlage für nyāsa. In nyāsa (lit., ‚Platzieren‘) visualisierst Du eine bestimmte mantrische Silbe an einer bestimmten Stelle in einem bestimmten Chakra in deinem Energiekörper, während du dessen Klang leise intonierst.

Offensichtlich ist diese Praxis in einen kulturspezifischen Kontext eingebettet, in dem die Klänge der Sanskrit-Sprache als einzigartig kraftvolle Schwingungen angesehen werden, die den eigentlichen Teil einer mystischen Praxis bilden können und so spirituelle Befreiung oder weltlichen Nutzen durch magische Mittel bewirkt. Das Bild und die Energie einer bestimmten Gottheit in ein bestimmtes Chakra einzubringen ist auch kulturspezifisch, aber wenn westliche Yogis verstehen, wofür diese Gottheiten stehen, könnte die Praxis möglicherweise auch für sie von Bedeutung sein. Auch wenn sie für jene  wahrscheinlich nie so bedeutungsvoll sein werden wie für jemanden, der mit diesen Gottheiten als beispielhafte Ikonen aufgewachsen ist, die in ihrem Unterbewusstsein verhaftet sind und auftauchen.

Die sogenannten Ursachen-Gottheiten (karana-devatās) finden sich weitgehend in jedem Chakra-System. Diese Gottheiten bilden eine feste Abfolge: vom untersten bis zum höchsten Chakra sind sie Ganesh, Brahmā, Vishnu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva und Bhairava, wobei die erste und letzte von ihnen je nach Anzahl der Chakren oft nicht erscheint. Die letzte Gottheit in der Liste der Ursachen-Gottheiten ist nie die ultimative Gottheit des gegebenen Systems, denn diese Gottheit (wer auch immer es ist) thront im sahasrāra oder tausendblütigen Lotus auf der Krone des Kopfes (was technisch gesehen kein Chakra ist, da Chakren per Definition von Kuṇḍalinī in ihrem Auf- oder Abstieg durchbohrt werden, während das sahasrāra ihr endgültiges Ziel und ihre Heimat ist). Daher ist Bhairava (die esoterischste Form von Shiva) nur dann in der Liste der Ursachen-Gottheiten enthalten, wenn er von der Göttin transzendiert wird, die in vielen dieser Systeme die ultimative Gottheit ist.

6. Die Saat-Mantras, von denen du denkst, dass sie zu den Chakren gehören, passen tatsächlich zu den Elementen, die gerade in diesen Chakren eingerichtet sind.

Das ist einfacher, als es klingt. Dir wurde gesagt, dass das Wurzel-Mantra (bīja) des mūlādhāra Chakras LAM ist. Nun, das ist es nicht. Nicht in einer einzigen Sanskrit-Quelle, noch nicht einmal in Pūrṇānandas etwas verstümmelten synkretistischen Darstellung. Und das Mantra von svādhiṣṭhāna Chakra ist nicht VAM. Moment mal, wie bitte?

Es ist ganz einfach: LAM (klingt wie „lang“) ist das Wurzelmantra des Erdelements, das in den meisten Chakra-Visualisierungspraktiken in mūlādhāra installiert ist. VAM ist das Wurzelmantra des Wasserelements, das in svādhiṣṭhāna installiert ist (zumindest in dem Dir bekannten Sieben-Chakren-System). Und so weiter: RAM ist die Silbe für Feuer, YAM für Wind und HAM für Raum. (All diese bījas reimen sich auf lang; obwohl ich anmerken sollte, dass im esoterischen tantrischen Yoga die Elemente-bījas verschiedene Vokallaute haben, die als viel mächtiger angesehen werden.)

Der Hauptpunkt ist also, dass die grundlegenden Mantras, die mit den ersten fünf Chakren verbunden sind (so behaupten zumindest die Webseiten die man mit Google findet), nicht zu diesen Chakren selbst gehören, sondern zu den fünf darin installierten Elementen. Dies ist wichtig zu wissen, wenn du jemals eines dieser Elemente an einem anderen Ort installieren möchtest. “ Waaas?! Das kann ich tun?“ Auf jeden Fall. In der Tat finden wir die Elemente in verschiedenen Tantrik-Linien an sehr unterschiedlichen Orten. Zum Beispiel installierten die Saiddhāntika die Erde im Herzchakra. Was könnte deiner Meinung nach ein Effekt auf deine Beziehungen sein, wenn du das Windelement immer im Herzzentrum installierst? (Bedenke, YAM ist das Mantra von Luft/Wind, nicht von anāhata, dessen innewohnendes Mantra ist OM). Hast du jemals bemerkt, dass moderne amerikanische Yogis instabile Beziehungen haben? Könnte das möglicherweise damit zusammenhängen, dass man den Wind auf der Ebene des Herzens wiederholt hervorruft? Nahhhh…… (Ich kann jetzt scherzen, weil nur ein kleiner Prozentsatz meiner Leser es bis hierhin geschafft hat.) Vielleicht möchtest du also irgendwann einmal Erde im Herzen installieren, denn Erdung ist gut für dein Herz. In diesem Fall ist es irgendwie praktisch zu wissen, dass LAM das Mantra des Erdelements ist, nicht das mūlādhāra-Chakra-Mantra.

Darüber hinaus gehören auch die meisten geometrischen Figuren, die heute mit den Chakren verbunden sind, in Wirklichkeit zu den Elementen. Die Erde wird traditionell durch ein (gelbes) Quadrat, Wasser durch einen (silbrigen) Halbmond, Feuer durch ein nach unten gerichtetes (rotes) Dreieck, Wind durch ein Hexagramm oder einen sechszackigen Stern und Raum durch einen Kreis dargestellt. Wenn Du also die Figuren siehst, die in den Illustrationen der Chakren eingeschrieben sind, weißt Du jetzt, dass es sich tatsächlich um Darstellungen der jeweiligen Elemente handelt, nicht um eine Geometrie, die dem Chakra selbst innewohnt.

Damit komme ich zu meinem letzten Punkt: Selbst eine Sanskrit-Quelle kann fehlgeleitet sein. So sind beispielsweise im Text von Pūrṇānanda aus dem 16. Jahrhundert, der die Grundlage für das populäre moderne Chakrensystem bildet, die fünf Elemente in den ersten fünf Chakren eines Sieben-Chakrasystems angeordnet. Aber das funktioniert nicht wirklich, denn in allen klassischen Systemen ist das Raumelement an der Kopfkrone installiert, denn dort erlebt der yogī eine weitreichende Öffnung in unendliche Weiten. Der Raum ist das Element, das in das Unendliche übergeht, also muss er sich an oder in der Nähe der Krone befinden. Ich würde spekulieren, dass Pūrṇānanda den Raum am Hals-Chakra platzierte, weil er in einer Zeit lebte, in der die empfangene Tradition ohne kritische Reflexion zunehmend dogmatischen befolgt wurde (ein Trend, der sich leider fortgesetzt hat). Seine Tradition war eine Kaula-Tradition, in der die klassischen Ursachen-Gottheiten nach unten geschoben wurden, um Platz für spätere, höhere Gottheiten (insbesondere Bhairava und die Göttin) zu schaffen, und die Elemente kritiklos mit den Gottheiten und Chakren verschmolzen wurden, mit denen sie zuvor verbunden waren. (Es ist allerdings nicht offensichtlich dass Pūrṇānanda sich auf Kaula-Quellen stützte, denn anstatt dass die Göttin auf sahasrāra thront, wie wir es in einem Kaula-Sieben-Chakra-System erwarten würden, finden wir dort Paramaśiva, möglicherweise durch den Einfluss von Vedānta. 

Wir haben die Oberfläche dieses Themas kaum angekratzt. Nein, ich mache keine Witze. Es ist wirklich komplex wenn man wissenschaftliche Literatur betrachtet, wie z.B. die Arbeiten von Dory Heilijgers-Seelen oder von Gudrun Bühnemann. Es braucht ungewöhnliche Geduld und Konzentration, um ein solches Werk überhaupt zu lesen, geschweige denn zu produzieren. Nun,  ich hoffe, das Ergebnis dieses Beitrags wird etwas mehr Demut sein. Ein geringererAnspruch auf Autorität, wenn es um wirklich esoterische Themen geht. Vielleicht ein paar Yogalehrer weniger, die versuchen, ihren Schülern zu sagen, worum es in den Chakren geht. Ich bin echt demütig wenn ich die Komplexität der ursprünglichen Quellen sehe, und das mit vierzehn Jahren Sanskrit auf dem Rücken.

Dies alles ist noch weitgehend Neuland. Wenn es also um die Chakren geht, behaupte nicht, dass Du dich damit auskennst. Sag deinen Yogaschülern, dass jedes Buch über die Chakren nur ein mögliches Modell darstellt. Praktisch nichts, was in westlichen Sprachen geschrieben ist, ist für Yoga-Praktizierende wirklich maßgeblich. Warum also nicht vorsichtig mit den Überzeugungen umgehen, die du über Yoga erworben hast, gerade wenn du ständig dazu lernst? Es ist zugegebenermaßen noch nicht ganz klar, dass wir diese alten Yogapraktiken verstehen; und anstatt zu versuchen, eine Autorität für eine über-vereinfachte Version von ihnen zu sein, kannst Du dich und deine Schüler einladen, klarer, ehrlicher, genauer und unvoreingenommener auf ihre eigene innere Erfahrung zu schauen.

Schließlich ist auch alles, was je ein Yogameister erlebt hat, in dir.

~ ~ ~

PS: Dieser Beitrag erhält eine größere Verbreitung als ich es gewohnt bin, und einige Leute, die mich nicht kennen, interpretieren meinen leicht schrägen Ton als Arroganz oder Sarkasmus. Tatsächlich bin ich im Grunde genommen ein echter Softie. Bitte lies meine Biografie, damit Du meine Qualifikationen beurteilen kannst, um die Aussagen zu machen, die ich mache.

weiterlesen ...

Egal welchem Gott du huldigst, in Wahrheit ehrst du das Bewusstsein selbst

25. Mai 2019

© Christopher Hareesh Wallis · 29. Juli 2018

genehmigte Übersetzung aus dem englischen 05.2019 von: Brigitte Heinz · Lektorat: Eva Ananya · Meme: Brigitte Heinz

Link zum Originaltext: https://hareesh.org/blog/2018/4/17/whatever-god-you-worship-youre-really-worshipping-awareness-ta-1-contd

(Abhinavagupta: Tantraloka, Kap 1, Fortsetzung folgt)

Der vorliegende Beitrag führt meine Übersetzung der Tantrāloka von Abhinavagupta fort. Dieser Text beinhaltet eine enzyklopädische Übersicht über alle Aspekte des Tantra, verfasst vor etwa tausend Jahren am Höhepunkt der tantrischen Tradition. In diesem Abschnitt erklärt Abhinava die tiefere Bedeutung, die jedem Akt von Anbetung zugrunde liegt und wie es sein kann, dass egal welche Gottheit man anbetet, nichts anderes als das Gewahrsein (Awareness) selbst verehrt wird. Dieses Argument ist außerordentlich faszinierend, denn es offenbart, dass Abhinava, obwohl er äußerst fromm war, genau genommen Atheist war (zumindest aus westlicher Perspektive betrachtet).

Abhinava baut seine Argumentation auf beeindruckende Weise durch Zitate aus der Bhagavad-gītā auf. Dieser Text hatte stets (und hat bis heute) eine hohe Verbreitung und Akzeptanz in der indischen Gesellschaft, so wurde sie z.B. auch von den meisten sampradāyas* anerkannt.

Der Guru lehrte [in der Bhagavad-gītā„Auch die, die anderen Göttern huldigen, [wenn] sie dies mit Glauben und Vertrauen tun, [tatsächlich] verehren sie allein Mich.“ (BG 9.23)

[Wir könnten es so übersetzen:] Wenn jemand glaubt, dass die spezifische [Gottheit] die er oder sie anbetet, etwas anderes als Gewahrsein ist, wenn derjenige das Objekt seines Gewahrseins [und seiner Hingabe] genauestens betrachtet, wird er realisieren, dass er/sie/es [in der Realität] nichts anderes ist, als Gewahrsein (bodha)|| Tantrāloka 1.124-5b

Mit anderen Worten sagt Abhinava: jeder, der seine Gottheit verehrt – unabhängig davon, ob es Krishna oder Shiva oder Allah oder Jahwe ist – und der glaubt, dass es sich dabei um irgendetwas anderes als das reine Bewusstsein handelt, der muss sich lediglich immer mehr dem verehrten und angebeteten hingeben und nähern. Dann wird er mit der Zeit realisieren (sofern er wahrhaftig nach der Wahrheit sucht), dass das, worauf er sein Bewusstsein und seine Anbetung richtet, nichts anderes ist, als eine Form des eigenen Gewahrseins. Diese kann gerade deshalb einen göttlichen Archetypus erhalten, ein solches mysterium tremendum [gr.-lat. „Geheimnis, das Furcht und Zittern auslöst“], weil Gewahrsein selbst göttlich ist, das bedeutet, vollkommen unbegrenzt in seiner wahren Natur. 

Abhinava’s Kommentator Jayaratha stärkt dieses Argument mit einem wunderschönen und verblüffenden Vers aus einer inzwischen für uns verloren gegangenen Quelle: 

Verstehe, dass alles was zu Wissen möglich ist auf einen Modus des Wissens reduziert werden kann; und Wissen ist ein Aspekt von Gewahrsein/Bewusstsein. Du bist Gewahrsein; wenn dies wahr ist, dann besteht diese Welt [bestehend aus dem was man wissen kann] aus nichts anderem als aus dir. ||

Anders ausgedrückt, jedes erfahrbare Objekt kann nur dadurch erkannt werden wie es sich im Bewusstsein manifestiert und somit als eine Form von Gewahrsein. Weil Gewahrsein die treffendste Analogie zu etwas wie dem Selbst ist und weil die erkennbare Welt aus Objekten des Gewahrseins besteht, deshalb ist es absolut korrekt zu behaupten, dass die Welt aus nichts anderem besteht als aus dir. Diese Aussage ist nicht in einem solipsistischen Sinne zu verstehen (die Welt ist eine Projektion deines Geistes), da du nicht dein Geist bist, sondern vielmehr ein Feld von Gewahrsein welches beides umfasst und bereitstellt, den Geist und das was der Geist erkennt. Abhinava fährt fort:

Da dies [Bewusstsein] selbst-offenbarend ist und weil es die Manifestation eines „Ich-Seins“ ist, welches aus Gewahrsein besteht und intrinsisch unteilbar ist [weder durch Zeit, Ort, Form o.ä.], kann diesem keine rituelle Regel vorausgehen, [denn jegliche Regel bzw. Formen von Ritual oder Kult] sind ihrerseits Schöpfungen [des Bewusstseins]. || 125

Im Gegensatz zur Meinung von vedischen Ritualisten kann das „Ich“ (das in Wahrheit nichts anderes ist als die Kraft des Bewusstseins) nicht an Regeln gebunden werden, die vorschreiben wo und zu welcher Zeit welcher Ritus ausgeführt werden soll, denn das Gewahrsein-Selbst ist diesen übergeordnet und unteilbar durch Ort, Zeit und Form. Das bedeutet, das Bewusstsein kann solche Unterscheidungen wahrnehmen, ist aber intrinsisch nicht durch diese limitiert oder definiert (was sich durch unsere Fähigkeit zeigt, bewusste Erfahrungen von Zeit- und Formlosigkeit zu erleben). Doch nun wird Abhinava noch radikaler: 

Sogar Gottheiten selbst sind Projektionen [von Gewahrsein], denn auch diese sind erfahrbare Entitäten die einer Ursache entstammen, nämlich der Kraft (power[von Gewahrsein, citi-śakti]. Dieses Bewusstsein (samvittiist ganz einfach das [grundlegende, nicht-konzeptionelle, wortlose] ‘Ich-Gefühl’, allgegenwärtig und selbst-offenbarend. || 126

Anders ausgedrückt, die Gottheit die du verehrst ist nichts anderes als du selbst. Dies ist auf verschiedenen Ebenen wahr: zum Beispiel die Art und Weise wie du dir die Gottheit vorstellst ist durch deine kulturelle Konditionierung und psychologischen Bedürfnisse geprägt. Auch auf einer noch fundamentaleren Ebene, selbst wenn du eine direkte Gott-Erfahrung erlebst, ist dieses Erlebnis schlichtweg ein Ausdruck innewohnenden Potenzials des Bewusstseins selbst. Welche Qualitäten auch immer diese mystische Erfahrung mit sich bringt, sie sind Ausdruck des Potenzials welches dem Gewahrsein innewohnt. Und dieses Gewahrsein ist allgegenwärtig als der unmittelbare Sinn deines eigenen Seins.

Was sind nun die Auswirkungen solch einer Argumentation für eine Kultur, in der Rituale so tief verwurzelt waren (und bis heute noch sind), wie in der indischen Gesellschaft?

Rituelle Regeln sind Vollmachten, deren drei Aspekte [wie durch vedische Exegeten analysiert] erschaffen wurden [durch Gewahrsein in seinem kontrahierten und konditionierten Zustand] um [religiöse Aktivität] zu erzwingen. Diesen [vedischen] Göttern, Indra und so weiter, [durch Anerkennung der o.a. Exegeten] sind [vedische] Anordnungen vorausgegangen [auf welche Weise ihnen zu huldigen sei][und ihre Existenz] wurde ausschließlich durch diese [Regeln] etabliert. || 127

Hier nutzt Abhinava sehr gewitzt die eigenen Argumente vedischer Exegeten** um sie zu widerlegen. Diese behaupten, dass die Veden chronologisch und ontologisch*** der Schöpfung der bekannten Welt einschließlich all ihrer Götter vorausgegangen seien.

Er fährt fort: 

Aber ‘Ich-Gewahrsein (aham-bodhaist nicht wie dies [denn es ist die Voraussetzung für jede Erkenntnis und jede Handlung]. Diejenigen, die fortfahren lediglich die spürbaren Aspekte [von Gewahrsein] als primär anzusehen [realisieren nicht, dass] obwohl sie Es spüren daran scheitern, Es zu wissen. [Aus diesem Grunde sagte der Guru] „Sie erkennen Mich nicht so wie ich wirklich bin; und deshalb sind sie verwirrt und gehen verloren.“ (BG 9.24) || Nun, „verloren gehen“ bedeutet, einen begrenzten & trennenden Zustand zu erlangen. Also lehrte er: „Diejenigen die Götter anbeten, gehen zu den Göttern, diejenigen die mich verehren, kommen zu Mir.“ (BG 7.23) || 128-130

Mit anderen Worten, die meisten Menschen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht: obwohl sie niemals etwas anderes sehen als eine Form ihres eigenen Gewahrseins, objektivieren sie diese Formen. Sie nehmen an, diese Formen seien von ihnen getrennte und unabhängige Wesenheiten. Um dieses Argument zu unterstreichen, zitiert Abhinava die Worte Krishnas, als die Stimme des fundamentalen Gewahrseins selbst. Der wahre Grund der Verwirrung im Leben, dem Gefühl verloren, begrenzt, allein zu sein, besteht darin, dass wir unsere wahre Natur nicht erkennen („sie erkennen Mich nicht wie Ich wirklich bin“). Krishna impliziert sogar (im zweiten Zitat oben) dass er kein Gott ist, sondern etwas anderes, nämlich Gewahrsein selbst. Nun kommen wir zum entscheidenden Argument:

Diejenigen aber, die die [trügerische] Natur von Objektivität erkennen, wissen um die Realität von Bewusstsein, [sogar] im Kontext [von offensichtlich eigenständiger Gottheit][und daher] „kommen sie zu Mir“ [bedeutet, das wahre ‘Ich’ zu erlangen], auch wenn sie diese [Gottheiten] verehrenÜberall in dieser [Schrift] bedeuten die Worte ‘Ich’ oder ‘Mich’ nichts anderes als Gewahrsein. || 131-132a

Mit einem brillanten hermeneutischen Schachzug lädt uns Abhinava ein, die Gītā auf eine grundlegend andere Art zu lesen, was einer Umdeutung des gesamten Textes gleich kommt. Überall dort wo Krishna von ‘Ich’ oder ‘Mir’ spricht (was häufig vorkommt), können wir dies aus einer Perspektive der Ich-Form betrachten. Denn ‘Ich’ ist das Personal-Pronomen der ersten Person, also sollten wir es genauso lesen! Krishna spricht als die Stimme unseres eigenen Gewahrseins, unserer Wesensnatur, unseres fundamentalen Seins. Was wäre wenn wir andere religiöse Texte auf die gleiche Art lesen würden? Zum Beispiel könnten wir das erste Personal-Pronomen auf das überlieferte Wort Jesu anwenden in dem er sagt: „Niemand kommt zum Vater denn durch Mich“?

Abhinava argumentiert, dass diejenigen die die Vorstellung überwinden, dass ihr Gott ein Objekt des Bewusstseins getrennt von ihnen selbst ist, plötzlich erkennen, dass ihr Gott ein Spiegel, ein Bild ihrer eigenen Wesensnatur ist. Abhinava stellt heraus dass Krishna genau dies annimmt:

Zum Beispiel, mit den Worten ‘[Ich bin] der Wahrnehmende’ und ‘[Ich bin] der Herr’ (in BG 9.24) zeigt er an, dass der Opfernde wie auch der zu dessen Ehren geopfert wird [beide Aspekte eines einzigen Bewusstseins sind]. || 132b

Weil, so sagt Krishna, ‘Ich’ bezeichnet beides, den Verehrenden ebenso wie den Verehrten, daher ist jegliche Form der Verehrung schlichtweg ein sich selbst verehren des Einen. 

Was [wahrhaft] gesagt wird [hier in der Gītāist, dass das Gewahrsein des Verehrenden selbst nichts anderes ist, als das Gewahrsein dessen der/die verehrt wird. Es gibt keinerlei wie auch immer geartete [göttliche] Form, die etwas anderes ist als [Gewahrsein], weil [wenn es das gäbe] könnte man es nicht eine ‘Gottheit’ nennen [gemäß der o.a. Definition]|| 133

Wenn du innehälst und darüber nachdenkst, wie kannst du tatsächlich an eine Gottheit glauben, die außerhalb deines eigenen Gewahrseins existiert? Solch eine Gottheit wäre kaum mehr als eine mentale Abstraktion. Und auch diese Abstraktion wäre nichts anderes als ein Aspekt deines Gewahrseins. Es spielt keine Rolle, wie erhaben oder pathetisch deine Vorstellung oder auch deine Wahrnehmung des Göttlichen ist, es kann nichts anderes sein, als eine Manifestation deines eigenen Gewahrseins. Du kannst nicht außerhalb deines Gewahrseins sein. Allerdings ist es hier ganz entscheidend, Geist (mind) und Gewahrsein (awareness) nicht miteinander zu verwechseln. Diese Auffassung behauptet keineswegs, dass alles ein Hirngespinst der eigenen Vorstellungskraft sei. Das göttliche Gewahrsein, das alles im Universum hervorbringt – Bäume, Berge, Galaxien, Insekten – ist auch der Urgrund deiner Vorstellungskraft. Geist (mind)/Vorstellungskraft ist eine von vielen Manifestationen des Bewusstseins, nicht ihre Quelle.

Deine Vorstellungskraft, deine Gedanken und alles was du ‘objektiv’ wahrnimmst, ist alles gleichermaßen eine Manifestation des Einen. Und die tiefe Wahrheit ist: du bist das Eine.

Du bist nicht irgendein Konzept des Einen. Du bist nicht deine Idee des Einen. Du bist das Eine, aus dem Konzepte, Ideen und Erfahrungen heraus strömen.

* spirituelle Tradition
** Fachleute zur Auslegung der Schriften
*** die Lehre des Seins betreffend

weiterlesen ...

Balance – STIRA und SUKHA

8. Mai 2019

Die Mitte finden – Die Balance zwischen Kraft und Sanftheit 

von Nicole Konrad

stira sukham asanam
Asanas sollen gleichermaßen die Qualitäten Stabilität und Leichtigkeit aufweisen.

Yogasutra 2.46

Stabilität und Leichtigkeit, scheinbar ein Widerspruch. Laut dem Yogasutra soll ein Asana beide Qualitäten aufweisen: zum einen Festigkeit, Fokus und Bestimmtheit, und zum anderen Sanftheit, Freiheit und Offenheit.

Die Vereinbarkeit scheint schwierig, da beide Qualitäten sich vermeintlich  gegensätzlich gegenüber stehen. Wie ist es möglich einen Ausgleich zu finden? Wie kann man dieses Gleichgewicht, den Tanz von Expansion und Kontraktion bewusst gestalten und eine Praxis schaffen, die Balance schafft? 

Eine Lektion zu diesem Thema war für mich Eka Pada Koundiyanasana I. Diese Position wollte nie gelingen, je mehr ich mich anstrengte und bemühte, desto instabiler und schlechter wurde das Ergebnis. Ich dachte, es liegt daran, dass die Kraft nicht reicht, Festigkeit und Stabilität in der Position fehlten. Jedoch war es das genaue Gegenteil. Sanftheit und Loslassen waren die Qualitäten, die fehlten und die mir verwehrten, zu schweben. Mein Körper war so angespannt, so fokussiert, dass ich nicht „fliegen“ konnte. Zufällig sah ich in einem Video, dass John Friend (Anusara Yoga), in dieser Position sagte: „melt your heart, let go“. Darin lag der Schlüssel. Sobald ich entspannte, meinen Oberkörper sanft werden ließ, war die Position möglich.
Durch dieses Asana verstand ich, dass für Anmut und Harmonie Balance erforderlich ist. Fokus ist ebenso notwendig wie Hingabe, Expansion ebenso wie Kontraktion, Bestimmtheit ebenso wie Akzeptanz. 

Die Natur ist voller Beispiele vom natürlichen Bestreben nach Balance. Alle Kräfte streben den Zustand von Ausgewogenheit an, eine chemische und physikalische Gesetzmäßigkeit. Auch die Atmung ist ein Beispiel dafür. Die Einatmung öffnet den Körper, der Brustkorb weitet sich, der Körper nimmt Prana (Lebensenergie) auf. Die Atmung strömt in den Körper, erdet, bringt Lebendigkeit, Raum, Weite und Kraft.
Mit der Ausatmung entspannen die für die Atmung zuständigen Muskeln, der Körper lässt los, wird sanft und ist in dem Moment der Leere – kurz bevor der neue Atemzug beginnt – in Stille. Es ist ein beständiger Tanz, ein Wechsel zwischen aktiv und passiv, zwischen Anspannung und Entspannung. 

In jedem Asana können ebenfalls beide Qualitäten gefunden werden. 
Um ein Asana zu entfalten, muss zuerst eine stabile Basis geschaffen werden. Das Körperteil, das den Boden berührt, muss sich kraftvoll verwurzeln, breit und stabil Richtung Boden ziehen. Die Muskeln müssen aktiviert werden, um die Position von Grund auf zu stabilisieren und zu festigen. Der Rest des Körpers wird in gleicher Weise über der bestehenden Basis ausgerichtet, ebenso kraftvoll und sorgsam. 
STIRA bedeutet, das Fundament zu schaffen, mit Absicht und Bestimmtheit die Position aufzubauen, aufmerksam zu beobachten, Mut und Unerschütterlichkeit, Zuversicht und Kraft zu etablieren. Es ist ein Gefühl von kraftvoller Mitte, Verwurzelung und Stärke.

Gleichzeitig ist Yoga Expansion, Weite und Raum. Aus der starken Mitte kann Energie nach außen zur Peripherie des Körpers fließen. Auch wenn der Körper kraftvoll ist und man „hart“ in dem jeweiligen Asana arbeitet, bedarf es ebenso der Gefühle Freiheit, Raum, Sanftmut und Hingabe: SUKHA. Es bedeutet zu akzeptieren, zufrieden zu sein mit dem was ist, mit mir, meinem Körper, der Position und dem Moment. Es ist ein Gefühl, sich in alle Richtungen zu strecken, zu öffnen, Barrieren und Blockaden gehen zu lassen. Dies bedeutet Leichtigkeit zu finden, die eigene Kreativität, den eigenen individuellen Ausdruck in dem jeweiligen Moment zu leben. 

Jede Situation in unserem Leben erfordert Balance. 
Fokus, Beständigkeit, Mut und Ausdauer sind erforderlich, damit sich Dinge bewegen und verwirklichen lassen. Ohne eine Absicht, einem Ziel, würde man nichts wagen, keine Herausforderung annehmen. Ohne Ausdauer würde man nach kurzer Zeit aufgeben. Ohne das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten würde man nicht die Kraft und Zuversicht finden, auch bei Hürden auf dem Weg mutig weiter zu gehen. 
Nichtsdestotrotz bedarf es gleichermaßen der Qualitäten Kraft und Stabilität. Man kann nur sein Bestes geben, das Ergebnis haben wir meist nicht in den Händen. Ohne Vertrauen bekommen wir Angst, ohne Zufriedenheit Selbstzweifel, ohne Hingabe gelingt es nicht, anzunehmen. 

Jeder Atemzug ist für mich die Erinnerung, dass das Leben, jede Situation, jedes Asana beide Qualitäten erfordert. Die Kunst ist es, das Gleichgewicht zu finden, dieses Prinzip in das alltägliche Leben zu integrieren und zu leben. Zu spüren, wann es an der Zeit ist Mut zu haben und wann es an der Zeit ist loszulassen. 

Buddha soll einmal gesagt haben: „spannst du die Saite zu stramm, so wird sie reißen, ist sie zu locker, kannst du nicht darauf spielen“. 

Yoga ist wie das Saitenspiel, wie Musik, um schön zu klingen, bedarf es der Balance.

weiterlesen ...

Was ist Tantra? Eine längst überfällige Richtigstellung

17. April 2019

© Christopher D. Wallis (Hareesh) · What is Tantra?: Setting the records straight  02.08.2015

genehmigte Übersetzung von: Brigitte Heinz · Lektorat: Marion Inderst, Eva Ananya

„Tantra“ ist heute nach wie vor ein Modewort in der modernen westlichen Welt. Es begegnet uns auf den Titelseiten von Magazinen und Büchern, zumeist mit schlüpfrigen Andeutungen von sexuellen Erfahrungen der Superlative. Und obwohl inzwischen fast jeder dieses Wort kennt, weiß kaum jemand – auch diejenigen nicht, die vorgeben Tantra zu lehren – Genaueres über die historische Entwicklung der indischen spirituellen Tradition, die Sanskrit-Gelehrte und Studierende als Tantra bezeichnen. Akademische Studien zu Tantra haben wenig bis gar keine Ähnlichkeit mit dem, was unter dem gleichen Namen in Workshops der westlichen alternativen Spiritualität gelehrt wird.

Den Rahmen dieses Beitrages würde es sprengen hier zu erklären, warum diese Kluft so tief ist – sie entstand aus einer komplexen Aneinanderreihung seltsamer Mißverständnisse sowie kultureller Fehl-Interpretationen. Mein Buch Tantra Illuminated bietet hingegen einen gut nachvollziehbaren Überblick über die ursprüngliche indische spirituelle Tradition, die in den Sanskrit-Schriften namens tantras (woher der Name stammt) beschrieben wurde. 

Warum sollte uns das heute interessieren?

Es gibt einen ganz entscheidenden Grund: Millionen Menschen aus dem Westen praktizieren heute etwas, das Yoga genannt wird. Eine Praxis, die zwar in Form und Kontext stark verändert ist, aber in vielerlei Hinsicht auf die klassische tantrische Tradition zurückgeführt werden kann.

Yoga ist eine lebendige Tradition, die ganz grundlegend vom Tantra beeinflusst wurde, aber viel von seiner eigenen Geschichte vergessen hat. Seit einiger Zeit haben es sich mehrere Gelehrte, die auch Yoga praktizieren, zum Ziel gesetzt, Vergessenes wieder zu entdecken und neu zu integrieren, die Herkunft vieler Ideen und Praktiken aufzuklären, und die reiche und vielfältige Landschaft indischer spiritueller Denkweisen aufzuzeigen. Dies mit besonderem Blick darauf,  inwieweit solche Erkenntnisse unser heutiges Leben bereichern können. Fest steht, dass die meisten Lehren und Texte des 20. Jahrhunderts über die indische Denkweise, entweder unterhaltsam und fesselnd waren, jedoch gleichzeitig weitgehend aus dem Zusammenhang gerissen, inkohärent und unbegründet (Kontext der praxisnahen Herangehensweise). Oder aber solche Texte waren systematisch und dabei leider auch trocken und langweilig (Kontext der akademischen Herangehensweise). Es ist an der Zeit dies richtigzustellen. Keine andere indische Tradition wurde und wird derart missverstanden wie Tantra, vor allem vor dem Hintergrund seiner tiefgreifenden Einflüsse auf die gesamte globale Spiritualität.

Der Begriff „klassisches Tantra“ bezieht sich auf die Blütezeit der tantrischen Bewegung (800-1100 n. Chr.). Diese Periode unterscheidet sich sehr von dem späteren Hindu-Tantra und den Hatha-Yoga-Traditionen (beide 1100-1800 n. Chr.), und besonders von der modernen amerikanischen Neo-Tantra-Bewegung (ca. 1905 von Pierre Bernard begründet). Der klassische Tantra, den ich in meinem Buch beschreibe, ist eng verbunden mit einer spezifischen religiösen Tradition, der Religion von Shiva & Shakti, die allgemein bekannt ist als Shivaismus. Shivaismus wurde überall dort praktiziert wo heute Indien ist, sowie in Nepal, Pakistan, Südost-Asien und Indonesien. Er war die dominierende Religion des mittelalterlichen Indiens (600-1200 n. Chr.). Weiterhin gibt es die wichtige Kategorie des buddhistischen Tantra. Viele der dortigen Praktiken wurden direkt aus dem klassischen Śaiva-Tantra übernommen (wie Sanderson in „The Śaiva Age“ belegt hat). Darüber hinaus sind viele der spirituellen Lehren des buddhistischen Tantra (besonders die von Dzogchen und Mahāmudrā) kaum von den non-dualen Lehren des Śaiva-Tantra zu unterscheiden. (In einem weiteren Beitrag gebe ich  eine exakte Definition von non-dualem Śaiva-Tantra.)

Tantrische Schriften sind Grundlage für viele Strömungen

Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Publikation beginnt mit folgenden Worten: „Tantrische Schriften bilden die Grundlage für fast alle theistischen und rituellen Strömungen im post-vedischen Indien, ebenso wie für einen Großteil des Buddhismus (Vajrayāna). Unter diesen Schulen verbreiteten sich besonders diejenigen, die sich auf die hinduistischen Gottheiten Śiva und Viṣṇu konzentrierten; weit über den indischen Subkontinent hinaus bis hin zum Kambuja-Königreich (Kambodscha/Laos/Thailand), Champa (Vietnam) und Indonesien, während der buddhistische Tantrismus rasch pan-asiatisch wurde.” (Goodall, Sanderson und Isaacson, EFEO/IFP)

In meinem Buch (Tantra Illuminated) kommt die Tatsache ein wenig zu kurz, dass bis heute eine gut sichtbare Form des ursprünglichen Tantra existiert, und das ist der tibetische Buddhismus. Da dies für die meisten Menschen die einzige Berührung mit Tantra ist, erkennen sie nicht, dass viele seiner markantesten Merkmale (mantras, maṇḍalas, mudrās, Initiation, Götter-Yoga, Guru-Yoga, u.v.m.) eigentlich nicht spezifisch für den Buddhismus sind. Sie waren vielmehr Teil der pan-indischen tantrischen Bewegung, die alle Religionen ihrer Zeit beeinflusst hat (Shivaismus, Buddhismus, Vaishnavismus, Jainismus, Saurismus, etc.).

Obwohl Tantra eine äußerst einflussreiche Wirkung auf spirituelle, religiöse und ästhetische Bewegungen hatte, überschätzen einige „Tantra-Triumphalisten“, wie Ramesh Bjonnes (er schreibt  bemerkenswerte Beiträge für das Elephant Journal) seine Bedeutung und behaupten, Tantra hätte alle Formen des Yoga beeinflusst. Kein professioneller Sanskrit-Gelehrter würde diese Behauptung stützen. Nicht alle Formen des Yoga haben ihre Wurzeln im Tantra (es gibt viele vor-tantrische Yogas, z.B. im Yoga-sūtra und in der Mahābhārata). Tatsache ist, dass die meisten heute praktizierten Yoga-Formen auf Tantra zurückgeführt werden können, zumeist über Haṭha-Yoga als Bindeglied, dessen Texte gelegentlich zweifelsfrei auf Tantra hinweisen.

Was ist die Essenz von Tantra?

Tantra ist also eine spirituelle Bewegung, die die Entwicklung der meisten asiatischen Religionen beeinflusst hat. Aber was ist nun die eigentliche Essenz von Tantra? Woran erkenne ich, dass es Tantra ist? Wissenschaftler haben diese Frage diskutiert und statt einer einzelnen Eigenschaft eine ganze Liste von Merkmalen erstellt (s. Tantra Illuminated Seite 33). Ein ganz wichtiges Element unterscheidet Tantra von allen anderen Yoga-Pfaden: Tantra ist ganz grundsätzlich lebens-bejahend statt lebens-verneinend. Der Fokus liegt auf dem Immanenten, nicht auf dem Transzendenten. Es geht darum, Yoga in den Alltag zu integrieren und nicht darum, der Welt zu entsagen. Alle anderen Formen von Yoga sind transzendentalistisch und entsagend, sie vertreten einen Welt-ablehnenden, abwertenden Charakter – außer, sie sind von Tantra beeinflusst. „Transzendentalisten“ gehen davon aus, dass das Göttliche außerhalb von unserer Reichweite ist, jenseits dessen was wir mit unseren Sinnen erfassen können. Daher wird das Leben geleugnet, „höhere Bewusstseinszustände“ müssen erreicht werden, um sich mit der göttlichen Essenz zu vereinen. Im Gegensatz dazu lehrt nonduales Tantra, dass – obwohl das Göttliche mehr ist, als das was das Auge wahrnimmt – das Göttliche auch in allem ist, was das Auge wahrnehmen kann (oder das Ohr hören kann, usw.). Daher streben wir nicht nach „höheren“ Bewusstseinszuständen, sondern nach einem vollständigeren Gewahrsein der Ganzheit des Seins, im Hier und Jetzt. Der tiefere Sinn des Wunders des Lebens offenbart sich in jeder Form, in jeder Wahrnehmung, jedem Gefühl  und in jeder Kreatur. Tantra sagt, dass sich dieser tiefere Sinn durch spezifische Praktiken des Bewusstseins und der Verkörperung offenbart und nicht durch die bloße Absicht. Der Weg zur Erleuchtung führt nicht über das Denken, sondern er erfordert einzigartige, ermächtigende und transformative Praktiken und aktive Übungen.

Um mehr zu erfahren, lies mein Buch (Tantra Illuminated)!  Es enthält die erste umfassende Einführung in die Philosophie und Geschichte des klassischen Tantra, die für ein allgemeines Publikum geschrieben wurde. *

~ ~ ~* Ich werde diese Behauptung unter Bezugnahme auf die drei Bücher begründen, die sich mit demselben Thema befassen. Erstens – Tantra: The Path of Exstasy von Georg Feuerstein bietet einen Überblick, nicht über das einzigartige philosophische System des klassischen Tantra, sondern vielmehr über die Elemente des Tantra, die in den Mainstream-Hinduismus eingeflossen sind. Somit kann sein Buch als gute Einführung in die nach-klassische Zeit des Hindu-Tantra des 13. Jahrhunderts ff. verstanden werden. Zur klassischen Tantra-Philosophie in meinem Buch Tantra Illuminated bestehen einige Verbindungen, aber auch ganz beträchtliche Unterschiede. Das zweite Buch ist von Kamalakar Mishra, Kashmir Shaivism: The Central Philosophy of Tantrism. Dieses deckt vieles über die klassische tantrische Philosophie ab, berücksichtigt jedoch nicht den sozialen Kontext der Religion, die sie hervorgebracht hat. Mishra führt das inzwischen fast hundertjährige Mißverständnis fort, nachdem diese Tradition ein begrenztes Phänomen der Region von Kaschmir war, wohingegen es tatsächlich eine pan-indische (vielleicht sogar pan-asiatische) spirituelle Bewegung war. Drittens gibt es von Lama Yeshe eine klassische Introduction to Tantra. Dieses wunderbare kleine Buch vermittelt dem Leser einen guten Einblick in die Werte, Weltsicht und Ästhetik der tantrischen Bewegung. Allerdings hält es nicht viel von Genauigkeit, weder in Bezug auf die historische Entwicklung, noch über die Details der Praxis.

Einen weiteren Text zu Tantra von Hareesh, Christopher D. Wallis findest Du hier hier!

–> zurück zur Blog-Übersicht hier!

weiterlesen ...

Die fünf Koshas und die fünf Schichten des Selbst – Ein Vergleich

13. April 2019

Übersetzung eines Textes von Hareesh, Christopher Wallis (hareesh.org)

Das hier abgebildete Poster (copyright 2003, Integrative Yoga 1), welches  ich in verschiedenen Yoga-Studios gesehen habe, spiegelt die Verwirrung in der modernen Yoga-Welt in Bezug auf die 5 Koshas (kośa) bzw. Schichten (sheaths) wider, die dort auch als 5 Körper oder 5  Hüllen des menschlichen Seins beschrieben werden.

Die vedantische Version dieser Lehre beruht auf einer kurzen Passage aus den Taittirīya Upanishaden, siehe Textende. Die tantrische Auffassung wird detailliert in meinem Buch (Tantra Illuminated) dargelegt.

Die Interpretation in der Abbildung stellt prāna-maya-kosha als ‚Energie-Körper‘ der cakras und nādīs dar, der sich von mano-maya-kosha, dem ‚Emotional-Körper‘ unterscheidet. Dies ist von einem traditionellen Standpunkt aus vollkommen falsch, denn im traditionellen yogischen Verständnis ist der  Energie-Körper (sūkṣma-śarīraoder puryaṣṭaka) und der mentale/emotionale Körper EIN-UND-DASSELBE.

Daher sind die im Bild angegebenen „Energie-Blockaden“, die dem Prāna-Körper zugeschrieben werden, und das dem Mental/Emotional-Körper zugeordnete „fehlende Gewahrsein von (gewohnheitsmäßigen) Gedankenmustern und emotionalen Reaktionen“ ein-und-dasselbe, sie werden lediglich auf unterschiedliche Weise beschrieben! Dies zu verstehen ist ganz entscheidend!

In einem Punkt möchte ich den Erschaffer dieses Posters loben, denn er zeigt richtigerweise auf, dass Gedanken und Emotionen Bestandteil derselben Schicht oder Hülle sind; dies gilt für alle Yoga-Systeme gleichermaßen.

Die Bewegungen des Prāna-Körpers beziehen sich lediglich auf die ungestörten Funktionen der fünf Aspekte von prāna (Lebens-Kraft) – wie z.B.  rülpsen, furzen, verdauen, hungrig werden wenn der Körper Nahrung braucht; das alles erfolgt durch die Bewegungen von prāna. Der Prāna-Körper ist demnach einerseits mit dem physischen Körper (anna-maya-kośa) und andererseits mit dem mental-emotionalen Körper (mano-maya-kośa) eng verwoben. Daher wird die Prāna-Hülle im vedantischen Modell zwischen den beiden positioniert. (Beachte dabei, dass wenn der mental-emotionale Körper im Ungleichgewicht ist, dies prāṇa beeinflusstwas sich wiederum auf den physischen Körper auswirkt. Ein extremes Beispiel hierfür wäre Anorexie.)

Im Gegensatz dazu verortet das tantrische Modell die Prāna-Hülle zwischen der mental-emotionalen Schicht und der Leere (void) (siehe Diagramm weiter unten). Tantra ordnet die Schichten des Selbstseins (selfhood) aufeinander aufbauend zu: in der Reihenfolge von grob hin zu fein, von vergänglich zu beständig, von weniger essentiell zu fundamental und Prana oder Lebenskraft ist sowohl subtiler als auch fundamentaler als der Geist (mind).

In KEINEM der beiden Modelle ist die Prāna-Hülle gleichzusetzen mit dem Energiekörper von nādīs, cakras und bindus, denn wie bereits erwähnt sind der Energiekörper und der mental-emotionale Körper identisch (auch wenn die Bewegungen von Prana den Energie-Körper beeinflussen). Nebenbei gesagt ist dies auch eher im Einklang mit einem modernen psychologischen Verständnis. Der Energiekörper ist also ein Modell zum Verständnis der subtilen Aspekte unseres mental-emotionalen Seins und gibt uns Aufschluss darüber auf welche Weise es die Gewebe des physikalischen Körpers vollkommen durchdringt.

Welches sind nun die weiteren Unterschiede zwischen diesen beiden parallelen Modellen? Im Vedānta-Modell korrespondiert anna-maya-kośa exakt mit der Körper-Schicht (deha) des Tantra-Modells, aber darüber hinaus weichen die beiden Systeme voneinander ab. Wie zuvor erwähnt, ordnet das Vedānta-Modell die Prāṇa-Schicht an einer anderen Position  ein, als das Tantra-Modell. Desweiteren spaltet das vedantische Modell den Geist (mind) in zwei Schichten, eine denkend-fühlende Schicht (mano-maya-kośa) und eine unterscheidungsfähige, wahrnehmende Schicht (vijñāna-maya-kośa). Das tantrische Modell hingegen sieht beide als Teil der Herz-Geist-Hülle (heart-mind, citta), die identisch mit der Energiekörperschicht (puryaṣṭaka) ist und die „dickste“ – aber nicht die dichteste – Schicht darstellt.

Zudem fehlt im vedantischen Modell die Leere (śūnya)-Schicht, die für das tantrische Modell so wichtig ist. Teilweise deshalb, weil die ursprüngliche Form von Vedānta die Meditation im Vergleich zum Tantra nicht besonders betont. Die sogenannte Leere bezieht sich schlichtweg auf die  Erfahrung von Stille und Ruhe tief im Inneren, einem „Ort“ der Ruhe in einfacher weiter Offenheit, ohne Energie oder Aktivität. Daher empfehle ich Yogis, deren Schwerpunkt auf Meditation liegt, eher das tantrische Modell als das vedantische.


Dieses Diagramm des tantrischen Modells vom fünfschichtigen Selbst habe ich für mein Buch entworfen.

Entspricht ānanda-maya-kośa, die Glückseligkeits-Hülle (Bliss Body) des vedantischen Modells cit oder saṃvit (awareness, Gewahrsein), dem innersten Kern des tantrischen Modells? Man kann sicherlich so argumentieren, aber in der originalen Textpassage (s.u.), auf der das vedantische Modell beruht, wird Gewahrsein als integrales Element von Menschsein nicht einmal erwähnt, weder im Geist-Körper (Mind-Body), noch im Wahrnehmungs-Körper (Perception-Body) oder im Glückseligkeits-Körper (Bliss-Body). Auch denen die entgegenstellen, dass die vijñāna-maya-Schicht mit Bewusstsein (consciousness) gleichzusetzen sei, empfehle ich, die ursprüngliche Textpassage anzuschauen. Dort besteht diese Schicht aus Glauben, Wahrheit, Yoga, etc.. Wenn überhaupt, liegt ein frühes Konzept von buddhi nahenicht aber cit/samvit.

Im tantrischen Modell hingegen ist das Kern-Bewusstsein ausdrücklich formuliert und wird detailliert diskutiert. Diesem dynamischen Kern-Gewahrsein (im Gegensatz zur statischen, unbeweglichen Vorstellung von Bewusstsein im Vedānta) wohnen die fünf Kräfte inne (powers) – beschrieben auf S. 101 von Tantra Illuminated, natürlich auch ānanda. In der vedantischen Vorstellung besitzt das Selbst die Kräfte von Willen, Wissen und Aktion nicht. Hier ist es ein absolut passiver Zeuge.

Die Pfeile in meinem o.a. Diagramm weisen auf die Dynamik des Gewahrseins hin, und darauf, dass jede Schicht die darüberliegenden durchdringt. In beiden, dem Tantra- und Vedānta-Modell durchdringen alle Körper / Hüllen / Schichten, die innen liegen und essentieller sind, die äußeren Schichten. Sucht man bei google nach entsprechenden Bildern der Koshas, so versagen sie meist in Bezug auf  diese Schlüssel-Lehre.

Das folgende Diagramm (durch Bildsuche gefunden) ist akkurater als das oben gezeigte Poster– zumindest was den Prozess der sukzessiven Verinnerlichung durch spirituelle Praxis anbelangt. Aber es ist immer noch unzulänglich in Bezug auf die Darstellung der Schlüssellehre, in der jede äußere Schicht durch die jeweils innenliegenden Schichten durchdrungen wird.


Nach diesem Kurzüberblick ist es an der Zeit, die Original-Passage aus den Upanishaden anzuschauen, die die vedantische Version der Lehre inspiriert hat. Hierbei ist zu beachten, dass das Original in Verbindung mit einer sehr alten vedischen Ritual-Kultur zu sehen ist, die vom reifen Vedanta tausend Jahre später komplett über Bord geworfen wurde. Daher ist anzunehmen, dass die Bedeutung dieser Passage im Sinne des Autors wahrscheinlich ziemlich weit von der späteren Interpretation im Vedānta abweicht. Dies gilt umso mehr für die Auslegung durch die heutige moderne Mischform des Vedānta (die tatsächlich von Tantra beeinflusst wurde).

Auszug aus den Taittirīya Upaniṣad’s, zweites Kapitel (brahma-vallī), ca. 500-400 v.Chr.:

„Jetzt, ein Mensch ist hier aus der Essenz von Nahrung gebildet. Dies hier ist sein Kopf; dies seine rechte Seite;  dies seine linke Seite; dies ist sein Rumpf; und dies der Grund auf dem er ruht.

Unterschiedlich von und in diesem Menschen liegend, geformt aus der Essenz von Nahrung ist das Selbst, bestehend aus dem Lebens-Atem (prāna), das diesen Menschen vollständig durchdringt/erfüllt/durchflutet.

Von diesem Selbst ist der Aus-Atem (prāna)  der Kopf; der Zwischen-Atem (vyāna) ist die rechte Seite; der Ein-Atem (apāna) ist die linke Seite; das Raum-Element (space) ist der Torso/Kern; und das Erd-Element ist der Grund auf dem es ruht.

Unterschiedlich von und in diesem Selbst liegend, bestehend aus Atem, ist das Selbst bestehend aus Geist (mind), welches dieses andere Selbst vollständig durchdringt. Von diesem Selbst ist der Kopf schlicht die Yajus Mantras; die rechte Seite sind die Ṛg Mantras; die linke Seite sind die Saman Chants; die Lehren (upadeśa) sind der Torso/Kern, und der Grund auf dem es ruht sind die Atharva-Āngiras.

Unterschiedlich von und in diesem Selbst liegend, bestehend aus Geist (mind), ist das Selbst bestehend aus Wahrnehmung/Weisheit (vijñāna), welches dieses andere Selbst vollständig durchdringt. Von diesem Selbst ist Glauben der Kopf; Wahrheit die rechte Seite; das Wirkliche die linke Seite; Yoga (wörtlich: effektive Methode) ist der Torso, und Feier (celebration) ist der Grund auf dem es ruht. 

Unterschiedlich von und in diesem Selbst liegend, bestehend aus Wahrnehmung (perception) ist das Selbst, bestehend aus Glückseligkeit (bliss), welches dieses andere Selbst vollständig durchdringt. 

Von diesem Selbst ist der Kopf einfach Freude/Wohlgefallen (pleasure), die rechte Seite ist Entzücken (delight), die linke Seite ist Spannung/Begeisterung (thrill), der Rumpf ist Glückseligkeit (bliss); und der Grund auf dem es ruht ist Brahman.“

Basierend auf einer Übersetzung von Patrick Olivelle, bzw. leicht modifiziert von Hareesh Wallis, aus dem Englischen


Eine genehmigte Übersetzung von Hareesh, Christopher Wallis.
© Christopher D. Wallis (Hareesh), englisches Original: 23.11.2015 bzw. Überarbeitung 2016, siehe www.hareesh.org

Übersetzung: Brigitte Heinz, Marion Inderst Lektorat: Daniela Meixner

weiterlesen ...

Einzigartig und doch so gleich

2. Januar 2019

1885 begann Wilson Bentley, ein US-amerikanischer Farmer, Schneekristalle unter dem Mikroskop zu fotografieren. Mehrere tausend Fotos später wird klar: jede Schneeflocke ist einzigartig, keine gleicht der anderen in jedem Detail.

Wenn schon die kleinsten Teilchen eines großen Schneesturms so verschieden sind, wenn die unbelebte Natur eine solche Vielfalt darstellt, um wie viel einzigartiger sind wir selbst. Jeder Tag, jeder Augenblick ist neu und ganz besonders – wenn ich genau hinschaue. Alles ist im Fluss, in Veränderung (panta rhei). Die einzige Konstante im Leben und auf dieser Welt ist die Veränderung.

(mehr …)

weiterlesen ...

Definition von „Tantra“

10. Dezember 2018

Wenn wir einen Begriff aus dem Sanskrit übersetzen unterscheiden wir drei Definitionsebenen:

1. Wortgetreue Bedeutung (entsprechend einem Lexikon),

2. Etymologische Bedeutung (Herleitung aus dem Wortstamm), und

3. Nirukta bzw. „interpretierende Etymologie“, eine traditionell indische hermeneutische Interpretationsweise. Hier geht es darum zu erklären, warum ein bestimmtes Wort angemessen ist für das, was es bezeichnen soll.

(mehr …)

weiterlesen ...

Negative Energie – gibt es die?

2. Oktober 2017

Negative Energie, Negative MenschenMir ist schon häufiger der Begriff „ Negative Energie “ begegnet. Oft auch in Zusammenhang mit Eigenschaften, die manche Menschen angeblich haben. Jemand sei negativ, raube jemand anderem seine Energien … Und dann gibt es noch die Vorstellung, man möge sich auf seinem spirituellen Pfad von solchen Menschen fernhalten, da sie einen in der eigenen Entwicklung aufhalten könnten.

Arrogant! Selbstgerecht! Vermessen! Meiner Ansicht nach auch völlig fehlgeleitet und gefährlicher Ausgangspunkt für sehr viel Übel und Leid.

CW sagt hierzu: Was ist eigentlich Energie? Die Antwort der Physik wie auch der spirituellen Forschungen besagt: „Energie ist die Kraft, etwas zu bewirken oder zu transformieren. In diesem Sinne kann es keine Negative Energie geben!“

Die philosophische tantrische Idee, die hinter Anusara Yoga steht besagt: See the good first! Schau zuerst auf das Gute. Alles in der Welt ist eine Verkörperung des höchsten Bewusstseins. Die Welt ist keinesfalls verführerische Illusion (Maya), sondern es geht darum, die Herausforderungen, die mir das Leben stellt, willkommen zu heißen. Freiheit wird durch die Ausrichtung mit dem Fluss der Schöpfungskraft erlangt. Es geht nicht um Dominanz, Beherrschung, Unterdrückung, Kontrolle oder Ausbeutung der Natur – weder der eigenen, noch der anderer Menschen oder meiner Umgebung. Was natürlich auch bedeutet, dass ich mich nicht willentlich in schwierige Situationen begebe oder mich in anderer Leute Angelegenheiten einmische.

Können Menschen negative Energie haben?

Vor diesem Hintergrund kann es keine Menschen mit negative Energie geben, die mir die Kraft rauben und mich auslaugen. Was einen auslaugt ist die Tatsache, dass man selbst nicht die angemessenen und gesunden Grenzen gezogen hat. Anstatt andere zu beschuldigen, gilt es selbst die Verantwortung für das eigene Empfinden aufzunehmen. Jeder entscheidet selbst, wie viel Raum und Zeit man jemand anderem oder einer Sache widmet, ich bestimme die Grenzen. Und genau das ist meine und deine Aufgabe, du ehrst weder dich selbst noch jemand anderes, wenn du hier nicht ehrlich bist (Satya).

Vielmehr stellt sich mir die Frage, was bewirke ich mit meinen Energien? Wie treffe ich die bestmögliche Entscheidung für mich selbst und für mein Umfeld (Viveka)? Wie gehe ich mit den Menschen und Situationen um, die mir begegnen?

Habe ich die Verantwortung für ein Kind, einen behinderten oder alten Menschen übernommen, ist die Aufgabe klar. Ich muss für mich und den anderen einstehen, eingreifen, meine Energien einsetzen und mich einbringen. Hier geht es eher darum, mich nicht vollständig zu verausgaben, damit sowohl für mich selbst, wie auch für meinen „Schutz-Befohlenen“ ausreichend Energie für Handlungsfähigkeit, Lebendigkeit und Freude verfügbar ist.

Für alle anderen Menschen und Situationen gilt es, genau und ganz bewusst abzuwägen, ob meine Aktionen neutral sind, oder geprägt von eigener Bedürftigkeit, Geltungssucht oder getrieben von alten Verletzungen. Helfe ich anderen indem ich mich einbringe, oder möchte ich ihnen meine Überzeugungen aufdrücken? Nehme ich anteil oder schleudere ich meine eigenen emotionalen Energien achtlos und unbedacht umher und erschaffe dadurch neue Dramen und damit neues Karma. Kämpfe ich weil es „richtig“ ist, oder weil ich „recht“ haben will?

Es geht darum, mich ganz bewusst für die Aktion zu entscheiden, die für mich und für andere die beste ist (Brahmacharya), die Entwicklung und Freude (oder zumindest möglichst wenig Leid) nach sich zieht (Ahimsa).

Selbstüberprüfung

Guru Rattana empfiehlt hier eine regelmäßige Innenschau:

  1. Wie und warum lasse ich mich auf Menschen, Geschichten und Ereignisse im Außen ein, mache ich mir ihre Aufgaben zu eigen?
  2. Wie und warum flüchte ich in erdachte Geschichten, halte ich an meinen eigenen Dramen fest?
  3. Wie und warum vermeide ich es, mir selbst und meinen Gefühlen zu begegnen?

Wir haben uns über viele Jahre hinweg unsere emotionalen Reaktionen und Gewohnheiten antrainiert und in unserem Unbewusstsein verankert. Wollen wir uns und anderen nicht dienliche Strategien ändern, ist dies viel Arbeit. Wir müssen viele Male bewusste Entscheidungen treffen, unsere Energien bewahren, nützlich einbringen und transformieren. Indem ich mich als Opfer von äußerer Negativität definiere, trete ich meine eigene Macht und Verantwortung ab. Befreiung setzt aber Selbstermächtigung voraus, die Fähigkeit, die eigene Kraft bewusst und aktiv einzusetzen, sich nicht durch andere oder äußere Einflüsse von der schöpferischen, universellen Wahrheit abbringen zu lassen – die ich hoffentlich daran erkenne, dass sie mir und anderen dient. Siehe auch Blogbeitrag: Bodhichitta.

(inspiriert durch die Facebook Posts von Christopher D. Wallis (Hareesh) „Die nahen Feinde der Wahrheit #4 – Negative Energie “; sowie durch Guru Rattana: „Die Gabe Frau zu sein“)

Brigitte Heinz, Yogaübersetzung und Yogalehrerin Openlotus
Yoga Allianz + Anusara Elements zertifiziert

weiterlesen ...

Bodhichitta – Geist der Erleuchtung

2. April 2017

Die Vortrefflichkeit von Bodhichitta

Buchzusammenfassung von: Geh an die Orte, die du fürchtest – Pema Chödrön

Kernunterweisung: Wir können zulassen, dass die Umstände unseres Lebens uns hart machen, so dass wir immer verärgerter und furchtsamer werden, oder wir können uns von ihnen weicher, sanfter machen lassen, so dass wir freundlicher werden und offener für das, wovor wir uns fürchten. Wir haben stets die Wahl.

Was ist Bodhichitta: Chitta heißt „Geist, Bewusstsein“ , aber auch „ Herz oder „Einstellung“, Bodhi heißt „erwacht“, „erleuchtet“ oder „völlig offen“ – Geist der Erleuchtung

Manchmal werden das völlig offene Herz und der völlig offene Geist von Bodhichitta der wunde Punkt genannt. Jeder Mensch hat diesen wunden Punkt, es ist die uns angeborene Fähigkeit zu lieben und uns um andere zu kümmern. Bodhichitta wird auch mit unserer Fähigkeit zu lieben gleichgesetzt, in Teilen auch mit Mitgefühl.

Bodhichitta ist immer verfügbar, egal ob in Schmerz oder Freude, jeder gewöhnliche Mensch hat den Geist der Erleuchtung. Aus Angst, Zorn, Begehren, Gleichgültigkeit, Arroganz und Stolz  errichten wir Mauern, um uns zu schützen (vor dem Leiden der Anderen). Bodhichitta ist die Öffnung in diesen Mauern. Die Offenheit und Wärme von Bodhichitta ist unsere wahre Natur, auch wenn dies oft durch Mauern und Wolken nicht durchscheint.
Bodhichitta ist das Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit Allen.

Zwei Ebenen von Bodhichitta:
bedingungsloses B: etwas so grundlegend Gutes, die Gewissheit, dass es nichts zu verlieren gibt
relatives B: die Fähigkeit, unser Herz und unseren Geist empfänglich zu halten für das Leiden anderer
– wer sich mit ganzem Einsatz schult, beide Ebenen von Bodhichitta zu wecken, den nennt man Bodhisattva oder einen Krieger, allerdings Krieger ohne Aggressivität, Männer und Frauen, die sich mitten im Feuer schulen

Die Schulung eines Bodhisattva funktioniert nicht auf die bequeme Tour. Die zentrale Frage in der Schulung zum Krieger ist, wie wir mit unangenehmen Zuständen umgehen können. Mut und Liebe, erwachsenwerden und sich dem Leben stellen, anstatt aus Furcht in einer unerfüllten Situation zu verharren

Die Quelle anzapfen

Sich mit Bodhichitta zu verbinden, Zugang zu dem wunden Punkt zu gewinnen, hat eine transformierende Wirkung. Sich in diesem Punkt aufzuhalten, mag sich unsicher und bedrohlich anfühlen, aber es ist auch etwas ungemein Befreiendes. Mitfühlend genug zu sein, unsere eigenen Ängste anzunehmen, verlangt Mut – aber daraus, dass wir unsere Ängste besser verstehen, entsteht Offenheit.
Drei Herren des Materialismus, die uns Boden unter den Füßen liefern sollen (Illusion der Sicherheit, sich dem Leben wie es ist entziehen): Herr der Form (Äußerlichkeiten), Herr der Rede (Überzeugungen, Glaubenssätze), Herr des Geistes (besondere Bewusstseinszustände, durch z.B. Drogen, Sport, neu verlieben)

Die Tatsachen des Lebens

Buddha lehrt drei Grundcharakteristika der menschlichen Existenz: Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden oder Ungenügen. Der Mensch sucht nach Sicherheit. Sofern es uns jedoch gelingt, die drei Charakteristika zu akzeptieren und uns zu befreien, können wir in jedem Augenblick des Lebens gegenwärtig sein.

Bei sich bleiben

Das Sitzen in Meditation ist das Fundament für die Bodhichitta-Schulung. Indem wir einfach hierbleiben, entspannen wir uns immer mehr in die offene Dimension unseres Seins hinein. „Warum meditieren wir?“ erst wenn wir beginnen, uns mit uns selbst anzufreunden (Maitrî), wird die Meditation zu einem transformierenden Prozess.  Beim Meditieren entwickeln wir vier Qualitäten von Maitrî: Standhaftigkeit, Klares Sehen, die Erfahrung unserer emotionalen Not und Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Augenblick.

Losungen für den Krieger

Lojong-Unterweisungen zeigen uns, wie wir Schwierigkeiten in den Pfad der Erleuchtung umwandeln, statt uns von Gewohnheiten mitreißen zu lassen. „Schule Dich in den drei Schwierigkeiten“ 1. Unsere Neurose als Neurose anerkennen (anerkennen, dass wir durcheinander sind, feststecken), 2. Etwas anderes tun (lähmende Gewohnheiten durchbrechen, bei der Energie der Emotionen bleiben), 3. Sich vornehmen, weiterhin auf diese Weise zu üben (unsere zerstörerischen Gewohnheiten durchbrechen, ist eine lebenslange Aufgabe)

Vier grenzenlose Eigenschaften

Besonders machtvolle Übung, um die Saat unseres Wohlergehens zu säen. Wahrnehmen, wo wir Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut  fühlen und wünschen können, dies tun. Ausweiten auf Menschen, bei denen es uns nicht so leicht fällt. Es muss nichts Großartiges sein. Wir zwingen uns nicht dazu gut zu sein, die Übung bringt unsere Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut in Fluss, hilft uns, ihr grenzenloses Potenzial zu entfalten.

Liebende Güte (Maitrî)

Entscheidung für die Kultivierung von Liebe statt Zorn. Unwissenheit als Wurzel von Aggression und Leiden: Schulung zum Krieger-Bodhisattva – Wissen um Verbundenheit mit anderen: Wir schaden uns selbst, wenn wir anderen schaden. Wir schulen uns darin, aufrichtig, liebevoll und mitfühlend zu uns selbst zu sein. Kontakt mit dem wunden Punkt von Bodhichitta, erkennen, wann Schutzmauern gebaut werden. Ausweiten in 7 Stufen, bis ins Universum, es geht darum, unsere Fähigkeit unvoreingenommen zu lieben zum Vorschein zu bringen.

Mitgefühl

Mitgefühl ist emotional eine größere Herausforderung als Liebende Güte, weil es die Bereitschaft einschließt Schmerz zu empfinden. Denke an gequälte Wesen, spüre ihren Schmerz, um Mitleid zu erzeugen. Zulassen, dass die Angst uns weicher macht. Siebenstufige Übung der Wunschgebete: Alle Wesen mögen frei sein vom Leiden und der Wurzel des Leidens. „Wenn Du dauerndes Glück suchst, dann ist der einzige Weg, es zu finden, aus deinem Kokon herauszukommen“ – Der beste Weg uns selbst zu dienen, ist Liebe und Fürsorge für andere.

Tonglen = Sich selbst an die Stelle eines anderen versetzen

Tonglen bedeutet wörtlich „geben und nehmen“. Wenn wir bereit sind, auch nur für einen Moment bei der unangenehmen Energie zu verweilen, dann lernen wir langsam, sie nicht mehr zu fürchten à Leiden einatmen, Erleichterung des Schmerz/Leiden ausatmen. Übung hat 4 Abschnitte: 1) kurzer Moment der Stille und Offenheit (Moment des bedingungslosen Bodhichitta), 2) Visualisiere die Beschaffenheit von Enge und Weite und arbeite damit 3) das Unerwünschte einatmen, Gefühl der Erleichterung ausatmen, 4) Mitgefühl weiter ausdehnen

Fähig sein, sich zu freuen

Während wir uns mit den Bodhichitta-Übungen schulen, erleben wir allmählich immer mehr Freude, die Freude, die aus einer wachsenden Würdigung unseres grundlegenden Gutseins erwächst (und der Fähigkeit, sich mit der inneren Stärke des Gutseins zu verbinden). Das Zutrauen in unsere frische, unvoreingenommene Natur bringt uns grenzenlose Freude. Wir üben uns darin, gegenwärtig zu bleiben, auch auf die Details des gewöhnlichen Lebens zu achten (Alltagsglück). Am Anfang ist die Freude einfach das Glück, dass wir mit unserer eigenen Situation umgehen können. Wir hören auf, uns nach einem Ort umzusehen, der uns angemessener für unser Leben vorkommt. Siebenstufige Praxis der Wunschgebete kann helfen, Wertschätzung und Freude zu erwecken.

Die Schulung zur Freude vertiefen

Vier  grenzenlose Eigenschaften zusammengefasst: „ein gütiges Herz“ – Unser Herz für andere zu öffnen ist eine einfache Übung, die wir jederzeit und unter allen Umständen anwenden können. Erinnert an Verbundenheit und hilft uns, uns zu freuen. Denke an andere, wenn das Leben schön ist und wenn es schwer ist.

Die Vogelperspektive

Indem wir Liebende Güte, Mitgefühl, und Mitfreude praktizieren, kultivieren wir den unvoreingenommenen Zustand des Gleichmuts. Ohne diese vierte Eigenschaft bleiben die anderen drei durch unsere Gewohnheiten des Mögens/Nichtmögens, des Annehmens/Zurückweisens beschränkt. Zur Kenntnis zu nehmen, wo wir uns öffnen, wo wir uns verschließen – ohne Lob und Tadel – ist Grundlage unserer Praxis. Grenzenloser Gleichmut ‡ absolute Harmonie. Sich völlig auf alles einlassen zu können, was an unsere Tür klopft = total lebendig sein.

Ein Neuanfang

Vergebung ist ein wesentlicher Bestandteil der Bodhichitta-Praxis. Sie erlaubt uns, von der Vergangenheit abzulassen und einen Neuanfang zu machen. Vergebung als natürlicher Ausdruck des offenen Herzens.

Stärke

Fünf Methoden, mit denen ein Krieger zunehmend Zuversicht und Inspiration gewinnt: Fester Entschluss (erzeugt Stärke), Vertrautheit mit den Bodhichitta-Lehren und – Übungen, der Same des Gutseins, der sich in jedem Lebewesen findet, die Praxis des Tadelns (das Ego, wen wir in gewohnten schädlichen Mustern sind) und die Macht des Wunschgebets.

Drei Arten der Faulheit

Hängen an Bequemlichkeit: basiert auf unserer Neigung, Unangenehmes zu vermeiden àkann zu Aggressivität führen, wir werden wütend über Unannehmlichkeiten, macht unzufrieden
den Mut verlieren: Gefühl von Hoffnungslosigkeit „ich Armer“ – Wir fühlen uns nicht in der Lage, es mit der Welt aufzunehmen à Lassen den Lebensmut sinken, verharren beim Fernsehn, rauchen, essen, trinken…
„Scheißegal!“: Geprägt von Ablehnung à schwelgen in dem Gefühl, verraten und verkauft zu sein, die andern sind schuld à kann leicht zu einer Depression werden

Es gibt 3 gewohnte Methoden (unnütze Strategien), wie Menschen mit Faulheit (oder jeder störenden Emotion umgehen): Angreifen, Schwelgen, Ignorieren – Die Geistesschulung für Krieger schlägt vierte Strategie vor, erleuchtete Strategie: die 3 Arten der Faulheit erforschen

Das Wirken des Bodhisattva

Der Bodhisattva-Krieger gelobt, nicht nur für sich selbst zu erwachen, sondern zum Wohle aller Lebewesen.
Der Bodhisattva schult sich der Tradition nach in sechs Weisen (sechs Pâramitâs = „ans andere Ufer gegangen“) eines mitfühlenden Lebens: Großzügigkeit (Gebefreudigkeit), Disziplin (Sittlichkeit), Geduld, Begeisterung (Energie), Meditation und bedingungslose Weisheit.

Bodenlosigkeit

Jede Schlussfolgerung zu der wir kommen, müssen wir loslassen. „Form ist Leere, und Leere ist auch Form„ Erst wischen wir alle Voreingenommenheit beiseite, dann müssen wir auch noch unseren Glauben loslassen, dass wir die Dinge ohne Voreingenommenheit ansehen sollten. Wir ziehen uns selbst den Teppich unter den Füßen weg. In dem Ausmaß, in dem wir aufhören, gegen Ungesichertheit und Ungewißheit zu anzukämpfen, in dem Ausmaß löst sich unsere Furcht auf. Das Synonym für totale Furchtlosigkeit ist Erleuchtung – eine rückhaltlose, vollkommen offene Wechselbeziehung mit der Welt. Erleuchtung ist nicht irgendein Endpunkt.

Die Verstärkung der Neurose

Geschieht einfach. Auf dem Weg des Erwachens verlieren wir den Halt/Boden unter den Füßen. Man mag das Befreiung nennen, aber lange Zeit fühlt es sich nur nach Ungesichertheit an, wir bekommen Angst, haften an alten Mustern an. Wir müssen langsam das Vertrauen entwickeln, dass das Loslassen etwas Befreiendes ist.

Wenn der Weg steinig wird

Über Dich darin, niemandem zu schaden – weder Dir selbst noch anderen – und tue jeden Tag, was Du kannst, um hilfreich zu sein. Vier Methoden des Sitzenbleibens als grundlegende Unterweisung/Hilfsmittel, wenn der Weg steinig wird: 1. Kein Ziel für den Pfeil aufstellen, 2. Kontakt zum Herzen aufnehmen, 3. Hindernisse als Lehrer ansehen, 4. Alles, was geschieht, als Traum betrachten

Der spirituelle Freund

Krieger im Prozess der Schulung brauchen jemanden, der sie führen kann, der die zu durchwandernde Landschaft gut kennt und der ihnen den Weg weisen kann. Die Liebe des Lehrers für den Schüler manifestiert sich als Mitgefühl. Die Liebe des Schülers für den Lehrer ist Hingabe. Diese gegenseitige Wärme, diese Herzensverbindung macht eine Begegnung von Geist zu Geist möglich. Die Beziehung zu unserem spirituellen Freund inspiriert uns dazu, furchtlos loszumarschieren und zu beginnen, die phänomenale Welt zu erforschen.

Der Zwischenzustand

Es braucht einige Zeit der Schulung, bis völliges Loslassen = Wohlbefinden. „Nichts an dem man festhalten könnte“ ist die Wurzel des Glücks. Wir haben ein Gefühl der Freiheit, wenn wir akzeptieren, dass wir nicht die Kontrolle besitzen. Das mag zu einer „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“ Empfindung führen, dem Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Angst, Traurigkeit, Zartheit sind Kennzeichen dieses Zwischenzustands, in dem wir unsere alten Annehmlichkeiten nicht mehr von außen bekommen, aber auch noch nicht in einem beständigen Gefühl des Gleichmuts und der Wärme Zuhause sind – Fähigkeit, im Paradox zu bleiben

von: Jenny Tilling, Absolventin der Yogalehrerausbildung bei Openlotus

weiterlesen ...

Yogapraxis

26. August 2016

Die geheime Geschichte des Yoga

In diesem Radiobeitrag wird dargelegt, dass unsere heutige Yogapraxis mitnichten uralt sei, sondern erst im frühen 19. Jahrhundert entstand. Die Idee, Yoga sei eine alte indische Tradition, eine zeitlose Disziplin, die über lange Zeit vom Lehrer zum Schüler weitergegeben wurde, wird in Frage gestellt.

Kommentar zu einem Beitrag bei BBC Radio 4:

http://www.bbc.co.uk/programmes/b07flbst

(mehr …)

weiterlesen ...

Die Aura – oder: Koshas – die „Schichten“ des Körpers

7. April 2016

Malerei Mensch in SchichtenWas ist eigentlich eine Aura?

Wir im Westen würden vielleicht sagen, das ist die Ausstrahlung eines Menschen. Manchmal begegne ich jemandem, der/die ohne etwas zu sagen meine Aufmerksamkeit fesselt. Er/sie wirkt einfach durch seine Präsenz, weniger durch seine Optik oder seine Worte. Wenn die Worte dann zu meinem Eindruck passen, umso besser.

(mehr …)

weiterlesen ...

Hindernisse und Ganesha – was haben die miteinander zu tun?

10. Februar 2016

ElefantenstatueGanesha – der Elefantengott – wofür er steht

Ganesha ist in der indischen Mythologie hoch geschätzt, da er für die Kraft zur Bewältigung von Hindernissen steht.

Interessanterweise hilft er jedoch nicht nur dabei, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Es kann vorkommen, dass er sie auch ganz absichtlich in unseren Weg platziert. Warum sollte er das tun?

Schwierigkeiten in unserem Leben helfen uns oft dabei, mehr Klarheit darüber zu erlangen, was wir wollen. Zeigen sich Hindernisse, müssen wir innehalten, der Aufgabe begegnen, und lernen, wie wir diese überwinden. Dazu müssen wir vielleicht neue Fähigkeiten entwickeln, die es uns ermöglichen, weiter zu gehen.

Auch werden wir gefragt, ob wir auch „wirklich wollen“, oder schon bei kleinen Problemen die Flinte ins Korn werfen.

Unsere Absicht, Willensstärke, Geduld und Standfestigkeit wird gefordert – Qualitäten, die ein Elefant symbolisiert.

Wir wissen aus Erfahrung, dass es am Wichtigsten ist, den Glauben an die Möglichkeit der Entfaltung zu bewahren. Wir wissen auch, dass so manche Schwierigkeit in unserem Leben die besten „Lehrmeister“ waren und wir Dinge verstanden haben, die für unsere Entwicklung wichtig waren. Auch zeigt uns das Überwinden von Hindernissen wie stark wir sind, was wir können, und was in uns steckt.

Dafür steht Ganesha! Es ist nicht Boshaftigkeit, weswegen „er“ die Schwierigkeit kreiert. Es geschieht in bester Absicht: um uns an unsere Fähigkeiten zu erinnern, um uns zu helfen, reflektiert und in Klarheit unseren Weg zu gehen und auch, um uns zu bremsen, so dass wir erst einmal die Fähigkeiten erlernen, derer es bedarf, auf dem Weg vor uns weiter zu gehen.

Mögen wir uns an unsere Elefanten-Kraft erinnern!

weiterlesen ...

Was hat Yoga für Dich verändert?

2. Juli 2015

Was hat Yoga für Dich verändert?

Diese Frage stellte mir kürzlich eine liebe Freundin. Hmm, eine schwere Frage irgendwie, wo fange ich da an?
Ein Aspekt, den Yoga bei mir vollkommen umgekrempelt hat, ist meine Beziehung zu mir selbst. Ab der Pubertät begegnete ich mir und meinem Körper im besten Fall neutral bis hin zu feindselig. Jeden Sport, den ich machte, unterwarf ich Leistungsgedanken und dem Wunsch, einfach nur besser zu werden. Körperliche Herausforderungen waren ein pures Ankämpfen gegen mich und meine Grenzen, getragen von dem Wunsch nach „mehr, schneller und weiter“. (mehr …)

weiterlesen ...

Bodhichitta – das völlig offene Bewusstsein – wie kann man dieses kennen lernen?

2. Januar 2015

Buch: In jedem Moment unseres Lebens haben wir die Wahl: Unsere Lebensumstände können uns verhärten, uns ängstlich und abweisend machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden. Doch unsere gewohnten Strategien mit Ängsten, Leiden und Schwierigkeiten umzugehen, sind wenig geeignet, diese zu überwinden - stattdessen zementieren sie diese letztlich nur. Aus dem riesigen Fundus buddhistischer Geistesübungen schöpfend, macht die erfahrene Meditationsmeisterin hier deutlich, wie wir unsere Ängste nutzen können, um in einer schwierigen Welt und in schweren Zeiten zu Furchtlosigkeit finden und authentisch leben zu können.

Arbor-Verlag / Best-Nr.: 9783936855678

Bodhichitta, das völlig offene Bewußtsein, der erleuchtete Geist, das offene Herz, unsere empfindlichste, verletzlichste, zarteste, traurigste Stelle

Wie man mit dieser arbeiten kann erklärt Pema Chödrön in ihrem Werk:
GEH AN DIE ORTE DIE DU FÜRCHTEST

Bodhichitta

Bereits als kleines Mädchen erhielt Pema Chödrön den Rat, sich nicht durch die Widrigkeiten des Lebens härter werden zu lassen oder sich zu verschließen, sondern sich von unangenehmen Umständen weicher und sanfter werden zu lassen, um offener zu werden für das, was wir fürchten. „Wir haben stets diese Wahl.“

Bodhichitta, das völlig offene Bewußtsein, der erleuchtete Geist, das offene Herz, unsere empfindlichste, verletzlichste, zarteste, traurigste Stelle lehrt uns Mitgefühl. Bodhichitta macht uns demütig und freundlich. Pema Chödrön schlußfolgert: „Bodhichitta wird uns inspirieren und tragen, in guten wie in schlechten Zeiten.“

Pema Chödrön rät dazu, furchtlos das eigene Verhalten einer mitfühlenden Untersuchung zu unterziehen, um Taktiken zu entlarven, mit denen wir versuchen uns dem Leben, wie es ist, zu entziehen. Wenn wir uns sowohl der Ungesichertheit als auch der Langeweile des Alltags nicht entziehen, sondern einfach allem mit Offenheit und Flexibilität begegnen, wenn wir das, was geschieht, einfach wohlwollend wahrnehmen, ohne es zu beurteilen, dann können wir mit Bodhichitta in Verbindung treten. Mit jener empfindsamen Stelle, der Pema Chödrön transformierende Wirkung einräumt.

Pema Chödrön erklärt, daß wir, wenn wir uns darin schulen Bodhichitta zu erwecken, die Anpassungsfähigkeit unseres Geistes vergrößern. Das ist eine große Hilfe dabei uns den drei buddhistischen Grundcharakteristika der menschlichen Existenz zu stellen: Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden. Wir können aufgeben, vergeblich Sicherheit in der Beständigkeit zu suchen und den steten Wandel als Quelle der Freiheit zu nutzen. Wir können unser Leben dazu nutzen, unsere Annahmen und Überzeugungen aufzulösen. Und wir können unser Leiden überwinden, wenn wir die ewige Wahrheit von Vergänglichkeit und Tod akzeptieren lernen.

Meditation

Die Grundlage für Bodhichitta ist das Verweilen in unserer Verwundbarkeit beim Sitzen in der Meditation. Dabei braucht es eine bedingungslose Freundlichkeit gegenüber uns selbst, um allen Gedanken und Emotionen näher zu kommen. Indem wir den Seiten von uns, die wir für abstoßend und Angst einflößend halten, mit Wärme und Mitgefühl begegnen, schaffen wir die Voraussetzung dafür uns selbst zu transformieren. „Wir treten aus einer Phantasiewelt heraus und entdecken die simple Wahrheit.“

Bei der Meditation bleiben wir aufmerksam und gewahrsam bei dem, was wir sind. Sobald sich unser Geist zerstreut, nehmen wir das ohne Beurteilung zur Kenntnis und kehren mit sanfter Standhaftigkeit zu uns zurück. Durch regelmäßige Übung werden wir ehrlicher mit uns selbst und beginnen klarer zu sehen. Alle auftauchenden Emotionen lassen wir auf uns einwirken, wir erfahren sie, ohne sie zu bewerten, ohne nachzudenken.

Geistesschulung

Pema Chödrön stellt fest, daß wir im alltäglichen Leben gewöhnlich von der Schwungkraft unserer Gewohnheiten überrannt werden, ohne daran zu denken unsere Verhaltensmuster zu ändern. Die Übung besteht nun darin, das Aufkommen eines gewohnten Musters zu erkennen, die auslösende Emotion zur Kenntnis nehmen und dann völlig vom gewohnten Verhalten abzuweichen. So können wir daran arbeiten unsere Gewohnheitsmuster zu durchbrechen.

Eine machtvolle Bodhichitta-Übung unsere gewohnten Abneigungen und Sehnsüchte zu überwinden ist die Übung der Vier grenzenlosen Eigenschaften – Liebende Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Diese Eigenschaften habe die Macht unsere Gewohnheiten zu lockern.

Bei der Übung zur Entwicklung Liebender Güte beginnen wir damit aufrichtig, liebevoll und mitfühlend mit uns selbst zu sein. Dann dehnen wir die Liebende Güte auf uns nahestehende Personen aus, dann auf Freunde, dann auf neutrale Personen,  dann auf Menschen, die wir nicht mögen, dann auf alle bisher genannten als Gruppe und schließlich rufen wir Liebende Güte für alle Wesen in Raum und Zeit hervor.

Entscheidend bei dieser Übung ist aufrichtiges Wohlwollen zu empfinden, wenn wir unsere Wünsche nach Glück und Zufriedenheit aussenden. Mit dieser Übung trainieren wir sozusagen unser Herz und die vier grenzenlosen Eigenschaften nehmen von selbst zu. Und wir freunden uns mit uns selbst an, mit unseren Ängsten, unseren Blockaden und unseren Abneigungen.

Mitgefühl kann auf gleiche Weise wie zuvor beschrieben mit einem siebenstufigen Wunschgebet entwickelt werden. Bei dieser Übung wünschen wir frei zu sein vom Leiden und von der Wurzel des Leidens. Pema Chödrön findet es besonders hilfreich die Übung des Mitgefühls mit auf die Straße zu nehmen und im Alltag zu praktizieren. Wir lernen unsere Vorurteile wahrzunehmen und unsere Furcht vor dem Schmerz zu überwinden.

Das Zutrauen in uns selbst, die Fähigkeit mit jeder Situation umgehen zu können, unser grundlegendes Gutsein und unsere Achtsamkeit und Präsenz in jedem Augenblick schenkt uns Freude. Auch die Fähigkeit zur Freude läßt sich mit einem siebenstufigen Wunschgebet üben. Uns mit anderen zu freuen bringt uns in Kontakt mit unseren Emotionen und hilft uns unser Herz offen zu halten.  Pema Chödrön’s Rat: „Wenn das Leben schön ist – denke an andere. Wenn das Leben schwer ist – denke an andere.“

Gleichmut bedeutet ohne Hoffnung das zu bekommen, was wir wünschen, und ohne Furcht zu verlieren, was wir haben, das anzunehmen, was uns das Leben beschert, und uns auf das einzulassen, was sich uns bietet. Wir lernen alles unabhängig von Zuneigung oder Ablehnung willkommen zu heißen.


Feinde der Vier grenzenlosen Eigenschaften:

  • Liebende Güte: Anhaften – Haß
  • Mitgefühl: Mitleid – Grausamkeit
  • Freude: Übermut – Neid
  • Gleichmut: Gleichgültigkeit – Voreingenommenheit

Tonglen

Eine weitere Bodhichitta-Übung ist Tonglen, „sich selbst an die Stelle eines anderen versetzen“. Wir nehmen unser Leiden und unsere Schmerzen auf, ebenso das Leid und die Schmerzen der anderen und senden Glück an uns selbst und an alle anderen aus. Aus einem Zustand völliger Offenheit, einem Gefühl allumfassender Weite atmen wir das Unerwünschte ein und atmen das Gewünschte aus. Beim Einatmen öffnen  wir uns und akzeptieren Leid und Schmerz und beim Ausatmen lassen wir los.

Ganz ähnlich läßt sich auch die Bodhichitta-Übung zur Vergebung praktizieren. Wir nehmen Kontakt zu unseren Schuldgefühlen und unserer Scham auf, öffnen ihnen unser Herz, senden Vergebung an uns selbst und an andere, und beginnen dann neu.

Sechs Paramitas

Großzügigkeit, Disziplin, Geduld, Begeisterung, Meditation und bedingungslose Weisheit. Diese Aktivitäten helfen uns Herz und Geist offen zu halten, unsere Gewohnheitsmuster zu durchbrechen und unsere Vermeidungshaltung aufzugeben. Allen aufkommenden Gedanken und Gefühlen, Schmerz und Freude, Furcht und Angst begegnen wir mit Mitgefühl, ohne uns einer Situation zu entziehen oder uns zurückzuziehen. Alles unterziehen wir einer mitfühlenden Untersuchung.

Durch vollkommene Hingabe und totale Offenheit für alle Situationen und Gefühle entwickeln wir eine Sicherheit, die keinen festen Boden, keinen Halt, kein Festhalten mehr braucht.

Vier Methoden des Sitzenbleibens

  • In Zeiten des Zorns vermeiden wir ein Ziel für eine Reaktion aufzustellen.
  • Wir nehmen Kontakt zu unserem Herzen auf.
  • Schwierigkeiten und Hindernisse sehen wir als Lehrer an.
  • Wir stellen uns alles als Traum vor.

Zwischenzustand

„Nichts, an dem man festhalten könnte.“ Wir nehmen Ungewißheit und Unsicherheit wahr, nehmen die aufkommenden Gefühle zur Kenntnis, spüren die damit verbundene Energie und verweilen in unserer Mitte. Das bereitet  uns auf das Unbekannte vor, so können wir uns unserem Leben und unserem Tod furchtlos stellen. Jetzt ist die einzige Zeit, die wir haben.

Von MICHAEL SCHULTE – Teilnehmer der Yogalehrerausbildung 2014/2015

weiterlesen ...

Shunryu Suzuki: Zen-Geist – Anfänger-Geist

10. Dezember 2014

Das Buch „Zen-Geist – Anfänger-Geist“ von Suzuki liefert eine eindrucksvolle und verständliche Unterweisung in die Praxis des Zen. Es beschreibt die innere Einstellung bzw. Einsicht, welche die Zen-Praxis und letztendlich die Verwirklichung des eigenen „Zen-Geistes“ ermöglichen; in Meditation wie auch im alltäglichen Leben, denn es gibt keinen Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen.

Der beschriebene „Zen-Geist“ ist zugleich „Anfänger-Geist“. „Anfänger-Geist“ ist unsere wahre Natur – alle Menschen kommen mit „Anfänger-Geist“ in diese Welt, die meisten verlieren ihn aber im  Laufe des Lebens wieder.

„Anfänger-Geist“ ist vielleicht am Besten zu verstehen in der Abgrenzung zum „Experten-Geist“, welcher sich bei den meisten Menschen ganz automatisch aufgrund der im Verlauf des Lebens gesammelten Erfahrungen etabliert und dadurch den „Anfänger-Geist“ verdrängt. Im Grunde genommen ist der „Experten-Geist“ zu einem gewissen Grad sogar notwendige Voraussetzung für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das Leben wird durch die in seinem Verlauf aufgrund von Erfahrungen erstellten „Schubladen“ strukturierter, teils leichter und unter Umständen auch sicherer. Anders ausgedrückt: „Durch Erfahrung wird man klug“.

Das, was nach dieser Auffassung für Klugheit gehalten wird, nämlich der Glaube, aus Erfahrungswerten (immer) ableiten zu können, wie sich eine Situation entwickeln wird, nimmt einem aber tatsächlich meistens die Offenheit, neuen Situationen unvoreingenommen zu begegnen, also mit „Anfänger-Geist“.

Der dem „Experten-Geist“ gegenüberstehende „Anfänger-Geist“ meint die Offenheit, jeder Situation die Möglichkeit zu geben, sich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln.

„Zen-Geist“ oder „Anfänger-Geist“ ist auch ein vollkommen freier Geist. Frei, sich in jedem Augenblick neue Pfade zu erschließen gleich einem Fluss, der sich bei Hochwasser nicht mehr im Flussbett bewegt, sondern über die Ufer des etablierten Pfades tritt und sich dadurch in alle Richtungen neues Territorium erschließen kann. Das dauerhafte, eingefahrene und damit eingeschränkte Selbst ist eine Illusion – jede Existenz ist in ständigem Wandel begriffen.

Durch Annahme dieser Tatsache kann sich auch das Leiden verringern, welches entstehen kann, wenn man an aus alten Erfahrungen gewonnenen Erwartungen festhält und sich dadurch in sich immer wiederholenden (negativen) Strukturen bewegt oder diese Erwartungen nicht erfüllt werden.

Die aus solchen Gedankenstrukturen entstehenden Erwartungen an das Resultat einer Situation oder einer Handlung bedeuten nicht nur ein Unfreisein in der Zukunft, sondern auch eine Missachtung des jetzigen Augenblicks. Solange die Gedanken in der Zukunft (oder auch der Vergangenheit) weilen, läuft man Gefahr, die Schönheit und Möglichkeiten des gegenwärtigen Moments nicht wahrnehmen zu können. Der sich immer wieder überraschen lassende „Anfänger-Geist“ ist eng verbunden mit dem Leben im Hier und Jetzt, vielleicht sogar dessen Voraussetzung. Nur wenn man Anhaftungen der Vergangenheit loslässt, vollkommen offen ist für kommende Erfahrungen und Eindrücke, kann man sich im Hier und Jetzt bewegen und den Augenblick als das schätzen, was er ist. Das Leben in der Wirklichkeit der Gegenwart, frei von Anhaftungen und Erwartungen, ist gekennzeichnet durch einen gelassenen, annehmenden, wachen, achtsamen und die ursprüngliche Natur der Dinge erkennenden Geist.

„Anfänger-Geist“ ist leer. Und wird dadurch aufnehmend – und in gleichem Maße wieder abgebend, um Raum zu schaffen für neue Eindrücke. Wie der Atem, der einen durchströmt. Nur durch vollständige Ausatmung kann man wieder Platz schaffen und neue, unverbrauchte Atemluft in sich aufnehmen. Ein ständiger Austausch.

Die Ausführungen Suzukis zur Zen Praxis, z.B. über die Qualitäten des „Anfänger-Geistes“ und der Bedeutung des Hier und Jetzt sind auch für die Yoga-Praxis von großer Bedeutung.

Nicht selten geht die anfänglich vielleicht bestehende Einstellung von Offenheit einem Asana gegenüber, welches man noch nicht praktiziert hat, durch Wiederholung verloren. Aber wenn man es schafft, beim Üben von Asanas den „Anfänger-Geist“ zu bewahren, öffnet man sich viele Türen zu neuen Erfahrungen. Wenn man keine Erwartungen an ein Asana stellt – wie es aussehen soll, wie es sich anfühlen soll – dann ist man in seiner Praxis viel freier und aufmerksamer, und kann jedes Asana immer wieder neu für sich entdecken und sich überraschen lassen. Das ständige Üben als Anfänger versetzt den Übenden erst in die Lage, wahrhaftig zu lernen. Dann kann man auch frei von jedem körperlichen oder mentalen Ehrgeiz üben, und bei der Praxis ganz bei sich sein. Im Innern, bei sich, mit Körper und Geist im Hier und Jetzt. Man praktiziert nicht, um etwas zu erreichen, sondern um das jeweilige Asana – und sich selbst im Asana – zu entdecken. Es ist nicht notwendig, vollkommen zu vergessen, wie die letzte Praxis war, aber man soll nicht daran bzw. an einem einmal erzielten Fortschritt festhalten und erwarten, beim nächsten Mal an genau diesem Punkt zu beginnen. Stattdessen beginnt man jedes Mal neu.

Denn sobald man glaubt, etwas genau zu kennen, wird man unaufmerksam und läuft Gefahr, seine Aufmerksamkeit zwischen der Praxis und anderen Dingen aufzuteilen. Man ist nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern opfert vielmehr seine jetzige Praxis für ein Ideal in der Zukunft.

Wie viel schöner ist es nicht auch, jede Form, die ein Asana einnimmt, willkommen heißen und wertschätzen zu können, als Ausdruck des Selbst und gleichzeitig als Lehrer für das Selbst. Dies ist nicht nur wahr für die Asanapraxis, sondern für alle Aspekte des Lebens.

Was man vorher vielleicht als Einschränkung empfunden hat, begrenzt einen ohne Erwartungshaltung auch nicht mehr. Dualismus löst sich auf. Man übt nicht mehr ein Asana, man ist das Asana, in Körper und Geist, in voller Hingabe durch Aufgabe des Selbst in non-dualistischem Verständnis des Seins: „Wenn ihr etwas tut, wenn ihr euren Geist mit einigem Vertrauen fest auf die Aktivität richtet, ist die Beschaffenheit eures Geisteszustands die Aktivität selbst.“

Das rechte Bemühen, d.h., Yogapraxis ohne die besondere Anstrengung, etwas zu erreichen, bringt Geist und Körper als zwei Seiten einer Münze wieder zusammen. Wenn man in diesem rechten Bemühen übt, ist es tatsächlich unerheblich, wie gut man eine bestimmte Haltung erreichen kann. Es gibt kein gutes Asana, kein schlechtes Asana.

Dieses Nichtausrichten der Praxis auf ein bestimmtes Ziel und das Bewahren des „Anfänger-Geistes“ bewirkt auch, dass die Praxis im täglichen Leben nach- und fortwirkt und nicht mit dem Verlassen der Yogamatte endet.

Buchreport von Daniela Meier – Absolventin der Yogalehrer Ausbildung bei Openlotus – die Yogaschule in Köln

weiterlesen ...

Ich gehe nach innen und bleibe trotzdem draußen

29. Oktober 2014

Überlegungen zur eigenen Praxis in einer überfüllten Yogastunde.

Wir klingeln um 19:15 Uhr an der Tür. Es ist Montag Abend in einem der angesagteren Stadtteile Berlins. Neben mir und meiner Freundin stehen noch drei weitere Mädels, die ihre Yogamatte unter den Arm geklemmt haben. Einen Moment lang erhalten wir keine Antwort. Ein kurzer Anflug von Panik tritt zwischen den anderen ein: Verdammt, ob es schon wieder zu voll ist und sie deshalb niemanden mehr rein lassen? Dabei beginnt die Stunde erst in 15 Minuten. Kurz darauf ertönt der Buzzer und die Tür geht auf. Puh, doch noch geschafft.

Im Treppenhaus zwei Etagen höher türmen sich die Schuhe auf und neben dem Regal. Im Raum selber sind neben der Tür alle Kleiderhaken doppelt und dreifach mit Klamotten, Taschen und Jacken belegt. Ich schaue mich um, frage mich kurz, wo wir überhaupt noch hin sollen, und nehme dann doch noch ein Plätzchen zwischen zwei anderen ein, die ein paar Zentimeter zur Seite rücken. Zwischen unseren Matten ist zwei Finger breit Platz.

Der Raum ist lang, die Decken hoch. Zum Glück gibt es direkt vor mir eine weite Fensterfront. Schräg gegenüber hat der Yogalehrer seine Matte ausgebreitet. Ein kleiner, schmächtiger Mann mit Nasenpiercing, sanfter Stimme und ausgeprägtem französischen Akzent. Ziemlich ernst sieht er aus.

Geringelte Leggings, Tattoos, Rastazöpfe, Piercings, Heavy Metal Band T-Shirts sehe ich vage im Raum verteilt. Nichts Ungewöhnliches also. Auch nicht für diese Altersgruppe oder den Stadtteil. Ich bin zum ersten Mal hier, gespannt und ein bisschen aufgeregt. Selten habe ich an einer so dicht besetzten Yogastunde teilgenommen, bei der ich weder Lehrer noch Teilnehmer kannte.

Die Vinyasa Stunde die nun folgte, war nicht anders als das, was ich in verschiedenen Studios schon mitgemacht hatte: schnell, dynamisch und fordernd. Mit einem ruhigen Anfang und Ende. Was mich jedoch die Stunde über nicht losließ war dieser Gedanke, wie schwer es doch sein kann, in einem so vollen Raum wirklich nach „innen“ zu gehen. Das, was um einen herum passiert, in den Hintergrund versinken zu lassen und die eigene Praxis und das Erlebnis davon wirklich in den Mittelpunkt zu bringen.

Und der zweite Gedanke war das Paradox, dass eigentlich jede Yogastunde mit sich bringt: die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken, obwohl man in einer Gruppe ist. Natürlich können Partnerübungen das Miteinander einer Klasse verstärken, doch liegt der Fokus hauptsächlich auf dem Introspektiven, seinen eigenen Körper und Atmung beobachten und spüren – was noch durch das Schließen der Augen verstärkt werden kann.

Um mich herum atmen, bewegen sich und schwitzen ca. 30 Menschen, Unbekannte. Unterschiedliche Leute im Raum seufzen etwas lauter und affektierter als ich es gewohnt bin. Ich verdrehe im Herabschauenden Hund reflexartig die Augen. Gleichzeitig fällt es mir schwer, nicht gucken zu wollen, nicht wissen zu wollen, wie das bei den anderen aussieht, was sie da machen, und vor allem interessiert mich eins: wieso habe ich das Gefühl, dass die Atmosphäre angespannt ist?

Natürlich liegt es auch an mir: der Teil, der als Yogalehrerin tätig ist, will wissen, wie es die Anderen unterrichten, worauf sie achten, wie sie Dynamik und Ruhe in die Klasse bringen. Und wie Yogastunden in anderen Studios, anderen Städten und Kulturkreisen funktionieren. Die Globalisierung hat eben nicht nur H&M in jede europäische Stadt gebracht, sondern auch Yogastudios.

Einige Male innerhalb der 90 Minuten vibriert ein Telefon. Nicht sehr laut, aber doch merklich. Und das funktioniert für mich als Symbol für die Stunde, ich verstehe, was mich eben verunsichert hat: Das, was normalerweise für mich während Yogastunden draußen bleiben sollte, hat sich hier mit eingeschlichen.

Gerade durch das Klischee, dass sich in meiner überzeichneten Darstellung erfüllt, werden Aspekte noch deutlicher, die mir schon vorher in anderen Yogaklassen begegnet waren. Eben weil Berlin so lebendig ist, viele neue Bewohner der Stadt so hip und jung, aber eben auch oft hyperaktiv und ruhelos sind, dient wohl dieses Bild so gut als Beispiel für meine Argumentation.

Im Alltag hat man oft das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Dinge erledigen, arbeiten, kreativ sein, innovativ und dabei auch noch attraktiv sein. Und das beschränkt sich inzwischen keineswegs auf die Arbeitswelt. Von den Menschen um uns erhoffen wir uns (zumindest ein bisschen) Anerkennung für das, was wir sind und tun. Durch die Kleidung, Freunde, Orte, die wir in der Freizeit besuchen, signalisieren wir viele unterschiedliche Dinge, auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe und/ oder Altersklasse.

All das – so dachte ich – sollte man in der Yogastunde draußen lassen können. Dabei ist mir ganz klar, dass Yoga auch elitär sein kann. Nicht jeder kann es sich leisten, sowohl zeitlich als auch finanziell, Yogastunden zu nehmen.

Trotzdem habe ich das idealisierte Bild, dass man den Raum betritt, in dem man mit anderen Menschen – Unbekannten – Yoga praktiziert, und viele Dinge für die Dauer der 90 Minuten draußen aussperrt. Darunter liegt an höchster Stelle eben diese Anspannung, die der Leistungsdruck erzeugt.

Es ist egal, wie laut mein „OM“ ist, wie tief ich mich über meine Beine vorbeugen kann, wie lange ich in einer Balance-Haltung stehen kann oder mit geschlossenen Augen reglos dasitzen. Von den so genannten Fancy-Poses ganz abgesehen. Es ist auch egal, wie groß oder klein, dick oder dünn, was für eine Leggings ich trage, ob und wie ich tätowiert bin und ob ich mich vegetarisch ernähre oder nicht. Grundsätzlich ist es auch noch gleichgültig, ob ich bei der Bank arbeite oder gerade arbeitslos bin. Das alles sollte in dem Moment unwichtig sein.

Für die Dauer der Yogapraxis bin ich Anwesenheit, bin ich Aufmerksamkeit, bin ich in einigen Momenten und an guten Tagen sogar Ruhe und Gelassenheit. Ich bewege meinen Körper, weil es mir gut tut, auch wenn nicht jede Position gleich angenehm ist. Ich gehe in einen Flow – wie es der Lehrer an dem Tag nennt – , weil die Bewegungen mir Energie geben, mich stark machen und mich herausfordern. Aber ich gehe auch mal zwischendurch in die Kindhaltung und ruhe mich aus, weil ich ganz einfach mal eine Pause brauche.

Mitten in einer großen Gruppe zu sein verleitet mich aber doch dazu, um mich zu schauen (wie sollte ich auch nicht, wenn das Knie meiner Nachbarin immer wieder auf meiner Matte landet). Die Menge zieht einen mit, man macht vielleicht doch ein Vinyasa mehr als sonst. Vielleicht geht man in der Vorbeuge doch ein bisschen tiefer. Hält eine Position ein bisschen länger. All das ist prinzipiell gut. Aber ich muss mich immer wieder fragen: Übersehe ich dabei meine eigenen Grenzen? Bin ich dazu verleitet, mich mit anderen zu messen, etwas zu repräsentieren, was ich gerne verkörpern möchte? Oder bin ich abgelenkt, weil ich besonders kritisch den Nacken meiner Nachbarin in einem Twist begutachte, der nicht sonderlich „weit und frei“ aussieht, wie unser Lehrer gerade angesagt hat?

Es ist an sich schon seltsam, die Menschen um sich herum ignorieren zu wollen: Selbst wenn mein Blick nicht in deren Richtung geht, so spüre ich doch die Präsenz derjenigen, die um mich sind. Blick, Gehör und all die anderen Sinne verbinden mich und meinen Körper mit der Außenwelt. Ich bin auf sie angewiesen, um mich im Raum zu orientieren und den Anweisungen folgen zu können. Ein stückweit kann ich sie nach innen richten, trotzdem wehren sie sich, werden beansprucht oder abgelenkt. Sie sind schließlich dafür vorgesehen, vorwiegend „nach außen“ zu gehen. Verstehe ich beispielsweise nicht, was der Lehrer sagt, so drehe ich mich zu einer meiner Nachbarinnen und imitiere sie. Wird das Ohm angekündigt, orientiere ich mich an der Stimme der anderen und schließe mich an.

Yoga besteht also vielmehr aus „nebeneinander“ als miteinander. Friedliches, rücksichtsvolles nebeneinander. Bei dem der oder die Nachbarin nicht gewertet wird. Ähnlich wie (idealerweise) in Bus und Bahn oder an anderen öffentlichen Orten, an denen ich tagtäglich fremden Menschen begegne. Ist das ein Widerspruch, wenn doch im Yoga – soweit ich das verstehe – Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Achtsamkeit gelehrt werden?

Wiederholen sich im Yoga dieselben Muster wie im Alltag, überwältigt mich das Gefühl, dass ich weniger davon habe. Auf jeden Fall habe ich dann weniger Spaß an der eigenen Praxis. Dabei möchte ich in der Yogapraxis einen Raum finden, der mich so sein lässt, wie ich Off Duty bin. Wo ich entspannen, mich im übertragenen Sinne „zurücklehnen“ kann. Ohne Angst vor fremder Wertung, ohne mich messen zu müssen. Das bedeutet jedoch auch vertrauen und loslassen zu können.

Aber vielleicht lautet die Frage anders herum: wieso trenne ich zwischen dem, was in- und außerhalb des Yogaraums geschieht? Würde diese Gelassenheit, diese Möglichkeit, sich „zurückzulehnen“ immer und überall vorhanden sein, wäre unsere Lebensqualität immer und überall auch höher. Und ich würde im Alltag vielleicht gar nicht so oft das Verlangen verspüren, mich zurück zu ziehen oder in eine Yogastunde zu gehen, um dies tun zu können.

Jetzt, am Ende von diesem Text angelangt, hinterfrage ich meine ursprünglichen Gedanken und frage zurück: soll Yoga dazu dienen, uns einen abgegrenzten Raum zu bieten, in dem wir uns entspannen können? Oder sollte es nicht vielmehr umgekehrt sein: dass wir die Gelassenheit, die wir in einer Yogastunde erleben, in all unsere Lebensgebiete übertragen?

Wenn das möglich ist, dann ist Yoga doch mehr als nur eine der Aktivitäten, die wir am Tag verrichten und von unserer To-Do-Liste streichen. Dann wird Yoga auch nicht von dem System instrumentalisiert, in dem wir die ganze Zeit nur „funktionieren“ sollen. Weil es dann eben nicht dafür da ist, Energie zu tanken, um danach direkt wieder los powern und endlos weiter machen zu können.

Während dem Yoga gehe ich „nach innen“, bin aber unvermeidbar mit den Sinnen nach außen gerichtet. Und das ist auch gut so. Ich plädiere nicht für leere Yogastunden, weite Räume ohne andere Menschen, sondern vielmehr dafür, den ganzen Rest draußen zu lassen. Taschen, Telefone, aber auch Vorurteile (wie meine eigenen), Wertungen und zu viel Ernsthaftigkeit und Anstrengung. After all, it’s just Yoga!

Text: Johanna

weiterlesen ...

Die Bhagavad Gita

3. August 2014

Die Bhagavad Gita ist eine Buch voll von Mystik und Spiritualität. Sie enthält aber auch eine Jahrtausende alte Philosophie. In der Rahmenhandlung der Bhagavad Gita erklärt Krishna, Manifestation des Göttlichen, dem jungen Krieger und Prinzen Arjuna auf dem Schlachtfeld Grundgedanken über das Leben, zeigt ihm sein göttliches Wesen und unterweist ihn in Verhaltensregeln zum Erkennen des Göttlichen.

Damit will er Arjuna, den der Kampfesmut verlassen hat, zum Weiterkämpfen bewegen. Dazu lehrt er ihn verschiedene Wege der spirituellen Praxis (Karma Yoga, Bhakti Yoga und Jnana Yoga, s.u.). Die Rahmenhandlung dient dabei als Parabel für das Leben an sich. Das Schlachtfeld wird später von Krishna „das Feld“ genannt. Man könnte auch vom Schlachtfeld des Lebens sprechen.

Krishna unterscheidet zwischen Wirklichem und Nichtwirklichem. Das Wirkliche ist Atman, das Sein selbst, das Gewahrsein, reines Bewusstsein, das unerkennbar, unmanifestiert und unzerstörbar ist. Das Nichtwirkliche ist die Welt, wie wir sie gewöhnlich wahrnehmen. Als Identifikation mit dem Körper, die durch das Ego hervorgerufen wird entsteht die Täuschung (Maya), dass die Welt wirklich ist. In allen Wesen, in allem Seienden ist Atman enthalten und damit ist alles göttlich. Atman ist in allem, aber kein Teil von ihm. Die Schwierigkeit besteht in der Unterscheidung zwischen der Welt, dem Nichtwirklichen und dem Göttlichen, dem Wirklichen. Durch die Weisheit der Unterscheidung von Wirklichem und Nichtwirklichem erlangt man Glückseligkeit.

Das niedere Selbst der Göttlichkeit ist Parikriti, das Reich der Natur. Es setzt sich zusammen aus den acht Grundelementen (später spricht Krishna von 25 Bestandteilen, s. unten) Erde, Feuer, Wasser, Luft, Geist, Intellekt und Ichbewusstsein.

Der spirituelle Teil es Göttlichen ist Purusha. Purusha ist die Lebenskraft, die Bewusstseinsquelle, Beseeler des Lebens.

Die Verbindung von Parikriti, der Natur und Purusha, dem Bewusstsein, ist das uns bekannte Leben, unsere Alltagswelt.

Das Wesen des Göttlichen ist reines Bewusstsein. Es ist der Wesenskern aller Dinge.

Die fundamentalen Eigenschaften der Natur sind die Gunas (Guna = Strang):

Sattva = das Gute, Gutheit

Rajas = leidenschaftliche Aktivität

Tamas = Trägheit

Außerdem unterliegen die Wesen der Täuschung (Maya), dass die Welt essentiell wirklich ist, was sie nicht ist, da sie sich fortwährend verändert.

Das Feld (Parikriti)

Parikriti bezeichnet Krishna auch als „das Feld“. Parikriti ist die Natur. Um sie zu begreifen, muss man etwas über das menschliche Bewusstsein wissen. Wenn man etwas erkennt oder etwas weiß, wird man sich etwas bewusst. Dieser Prozess geschieht über die Sinne. Die Sinne sind ein Teil der Natur. Das Problem dabei ist, dass das Gekannte (die Natur) nicht vom Erkenner (Bewusstsein, menschlicher Verstand) trennbar ist, da der Erkenner ein Teil der Natur ist. Der Beobachter kann sich also nicht selbst erkennen, da er ein Teil des zu Beobachtenden ist. Alles in Parikriti hat seinen Ursprung im Bewusstsein und ist somit genau wie Purusha, anfangslos. Die Kräfte des Bewusstseins sind materieller und geistig-seelischer Natur. Diese beiden Komponenten gehen unendlich viele Verbindungen ein.

Parikriti hat 25 Bestandteile, die der Reihenfolge nach auseinander hervorgehen.

1. Das Unmanifestierte (Mahat)

Damit ist latentes Denkvermögen, das erste Ichgefühl und auch die einfachste             Unterscheidungs- und Entschlussfähigkeit gemeint. Hieraus gehen der Geist (das        denkende und empfindende Bewusstsein, die Materie und die Energie hervor.

2. Der höhere Geist (Buddhi)

Dieser trägt die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Wirklichem und Nichtwirklichem in sich. Er besitzt die Fähigkeit differenziert zu urteilen.

3. Das Ichbewusstsein (Ahamkara)

Das Ich wird als gesonderte Wesenheit wahrgenommen.

4. Der niedere Geist (Manas)

Die Wahrnehmung. Er empfängt mit Hilfe der Sinne Botschaften des Parikriti und         verarbeitet sie. Daraus entstehen Begierde, Abscheu, Vergnügen, Schmerz,             Körperempfindungen, Intelligenz und das geistig-seelisches Empfinden der             körperlichen Leistungskraft.

5.-14. Die zehn Sinnesorgane
a) Die fünf Wahrnehmungsorgane (Empfänger):

Ohren, Haut (Tastsinn), Augen, Nase, Zunge/Gaumen

b) Die fünf Handlungsorgane (Sender):

Stimmbänder, Hände, Füße, Fortpflanzungsorgane, Ausscheidungsorgane

15.-19. Die fünf Sinnesobjekte (Botschaft, das Wahrgenommene):

Schall, physisches Gefühl, visuelle Erscheinungen, Geschmack, Geruch

20.-24. Die fünf Grundelemente

Erde (Feststoffe), Wasser (Flüssigkeiten), Luft (Gase), Feuer (Energie), Raum

25. Die geheimnisvolle Lebenskraft (Atman)

Atman flößt den ersten 24 Bestandteilen Leben ein.

Der Kenner des Feldes, Purusha

Purusha ist intuitives Wissen, welches nicht vom Verstand erfasst werden kann. Durch verschiedene Gaben und Einsichten kann dieses intuitive Wissen hervorgerufen werden.

  • Bescheidenheit
  • Liebenswürdigkeit, verzeihendes Wesen
  • Aufrichtigkeit
  • dem Lehrer dienen
  • reinen Geistes sein (der weltlichen Flut entfliehen)
  • Kontrolle über Körper, Geist und Sinne bewahren
  • Uneigennutz (vom Egoismus lösen)
  • Gleichmut
  • Pflichtbewusstsein
  • Gottesliebe
  • Natur des nicht anhaftenden Yogis entwickeln (gute Gesellschaft suchen und ggf. wieder davon lösen)
  • an Weisheit wachsen
  • die essentielle Natur des Göttlichen suchen

Durch das allmähliche Begreifen der Wahrheit gelingt zuerst deren Erkenntnis und später Vereinigung mit dieser. Parikriti ist die Ursache dafür, dass man einen Körper hat. Purusha ist die Ursache dafür, dass man sich als Individuum wahrnimmt, dass man sich lebendig fühlt. Dadurch, dass sich der göttliche Geist in einem Körper niederlässt, entsteht eine Einzelseele (Jiva). Diese identifiziert sich mit ihrem Körper und vergisst ihr wahres Selbst (Atman). Dadurch entsteht die Anhaftung an die Natur und die Gunas. Die Gunas sind Stränge, die sich miteinander verweben und dadurch den typische Charakter eines Menschen bilden.

Brahman ist der göttliche Geist, die Energie des Purusha, die als Atman im Körper des Individuums wohnt. Krishna schildert Brahman als Beobachter des Spiels des Lebens. Brahman überwacht dieses Spiel, leitet es, erlaubt es, genießt es, aber er weiß, dass es ein Spiel ist. Er ist Herrscher über alles Geschehen ohne vom Geschehen beeinflusst zu werden.

Durch Erkenntnis des Brahman wird man eins mit ihm und wird nicht mehr wieder geboren.

Krishna lehrt Arjuna Wege der spirituellen Praxis.

1. Dhyana Yoga, den Weg der Meditation

Auf die Meditationspraktiken geht Krishna nur sehr kurz ein. Hier geht es um die Erkenntnis des Brahman durch Aufbau der Geisteskraft durch Meditation.

2. Jnana Yoga, der Weg des Wissen.

Das Wissen meint hier die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Parikriti und Purusha.

3. Karma Yoga, den Weg des Handeln.

Dessen zentraler Punkt ist es, nach seiner Bestimmung, seiner persönlichen Pflicht gegenüber dem Atman (Svadharma) zu leben, ohne den Früchten seiner Handlungen anzuhaften. Das Handeln sollte selbstlos sein. Man sollte nach seiner inneren Wahrheit leben und nicht nach seinen Begierden.

4. Bhakti Yoga, den Weg der Gottesliebe.

Hierbei geht es darum alle Handlung in Liebe zu Gott auszuführen. Durch Liebe zu Gott und Gottvertrauen kann man die Täuschung (Maya) überwinden, da man zu dem kommt, was man verehrt. Verehrt man das reine Bewusstsein erlangt man reines Bewusstsein.

Auch das Verfolgen der ersten drei genannten Wege führt schließlich zu uneingeschränkter Liebe zu Gott.

von Dr. Ulrike Daum – Teilnehmerin der Ausbildung bei Openlotus 2014

weiterlesen ...

Lebe Yoga

3. Juli 2014

Was ist Yoga? Handelt es sich beim Yoga um das Erlernen und praktizieren von Asanas (Körperhaltungen), ein Aspekt des Hatha-Yoga. Oder geht es um das Studium der philosophischen Texte, wie zum Beispiel den Sutren des Patanjali oder der Bagavad Gita, ein Aspekt des Jana-Yoga oder bedeutet Yoga Hingabe, das Singen von Mantren und das Rezitieren von Texte, Aspekte aus dem Bhakti-Yoga? Oder ist Yoga von allem ein bisschen? (mehr …)

weiterlesen ...

ATHA – Hier und Jetzt –- inspiriert vom Yoga Sutra des Patanjali

12. Juni 2014

Das Yoga Sutra des Patanjali beginnend mit Atha. Hier und Jetzt.

buddha-header

(Der Text beginnt einleitend mit einer Vorstellung des 8-gliedrigen Pfades und endet mit POESIE – zu Ende lesen!!!)

Atha bündelt Alles. Vorstellbares, nicht Vorstellbares, Angst, Freude, Tod, Blumen, Wälder, Tiere, das Universum, Ameise, Mörder, Verdammte, Geliebte, Masse und Freiheit, die Enge, wäre Athaeine Zahl wäre es Gogol Plex Plex hoch 10 und dennochohne aufzuhören. Alles und Nichts liegt in diesem einen Moment, er ist es, der Moment, das Jetzt, der alle Möglichkeiten birgt, und dennoch auch wieder nichts denn Sein.

Wir alle sind verankert in Vergangenheit und Zukunft,

Citta= unser Geist (das Meinende, denkende Selbst, unsere Wahrnehmung, Gefühle, Gedanken, Phantasien, Erinnerungen, Konditionierungen…) sind erwachsen aus dem Erleben und vererbten.Unser Gehirn verarbeitet Alles zu „sinnvollen, lebenserhaltenden“ Strukturen.

Wir lernen zu sein, zu funktionieren.

Aber all diese erlernten, zu Fleisch gewordenen Erfahrungen und Voraussetzungenunterliegen einemallzu menschlichen, (aber) eben falschen Verständnis, und sind erwachsen aus den 5 Kleshas:

  1. Avidaya: Unwissenheit Täuschung, Verwechslung

Etwas, das die reale Gegenwart vorwegnimmt und stattdessen etwas Eigenes präsentiert, basierend auf dem Wissen der Vergangenheit.

  1. Asmita:  Identifizierung mit dem Ego, zu glauben, wir seien das was wir denken

die vollständige Identifikation mit einem momentanen Gefühl. Das „Ich bin“-Gefühl.

  1. Raga:     Wunsch, Verlangen, Begierde. Die Verhaftung in die Materielle Welt.
    1. Dvesha:  Abneigung, Angst vor Veränderung und dem Unbekannten.
    2. Abhinivesha: Angst, Panik, Existenzängste

Angst vor Zukunft, Angst vor Krankheiten, vor allem Angst vor dem Tod

So ist das Yoga Sutra mit Atha der Beginn der Yoga Praxis.

Der Begin des Prozesses um irgendwann dort anzukommen was CIT = das ganz klare, das reine, erkennende Bewusstsein ist. Cit, das sehende Selbst, es sieht die Wirklichkeit wie sie tatsächlich ist, unabhängig von Meinungen, Einbildungen, Erfahrungen und und und.

Atha, das Ankommen, nein das Seinim Jetzt birgt alle Daseins- Aspekte in sich und löst sie dennoch auf. Es führt so zu einer inneren Harmonie, nicht im Sinne von trautem harmonischen Zusammensein, sondern zu etwas, das man als Selbstverständnis verstehen kann.

Als Klarheit. „Aha. So und nicht anders.“

Verstehen im Sinne von Ankommen und Betrachten, wertfrei da sein. Gewahrsein.

Und wenn dann Jetzt Atha, das klare Bewusstsein nicht erfahrbar ist, geben die Sutren (aufgeteilt in 4 Kapitel) die Anleitungen zum Gewahr werden dessen, was der klare Geist Cit ist.

Wir können unsere Praxis nur dort beginnen, wo wir gerade stehen. Im Jetzt.

Ist unser Geist unruhig und wir sind innerlich unausgeglichen? Yoga beginnt genau hier.

Die Praxis ist immer bereit, wenn wir es sind.

Angeleitete werden wir in den Sutren durch den 8- teileigen Yoga Pfad,

1. Yama: Verhalten gegenüber anderen Menschen

Ahimsa/ Gewaltlosigkeit, Satya/Wahrhaftigkeit, Asteya/Nicht Stehlen, Brahmacarya/Enthaltsamkeit,

Aparigraha/Begierdelosigkeit

2.Nyama: Verhalten gegenüber uns Selbst

Saucha/Reinheit, Samtosha/Zufriedenheit, Tapas/Askese, Svadhyaya/Studium der Schriften, Ishvarapranidhana/Hingabe an das Göttliche

3. Asana: Körperübungen

4. Pranayama: Atemübungen

5. Pratyahara: Sinnesrückzug

und Samyama, die Versenkung welche sich aufteilen in die folgenden Schritte:

6. Dharana: Konzentration auf ein Objekt

7. Dhyana: Meditation, mit dem Objekt fließen

8. Samadhi: Ekstase, Erleuchtung, Einswerdung mit dem Objekt

Es gibt also einen Weg. Und durch die Praxis des Yoga entsteht ein Verständnis von uns selbst und wir finden immer näher zu unserem klaren Geist.

Wenn wir keine Rolle mehr spielen, nicht mehr unser Sein steuern, dann sind wir frei, rein und klar.

In reinem Gewahrsein. Nicht mehr Wahrnehmende. Sondern im Hier und Jetzt sein. Vergangenes, gewesen sein lassen, Seiendes sein, werdendes, sein lassen werden. Frei von Gefühl und Anhaftung. Körperlos. Das ist Jetzt. Das ist Atha.

 

Atha                                                                                                  

Es ist die Zeit gekommen.

Ich war da. Ich habe es gespürt. Jetzt bin ich anders. Ich kann nicht anders.

Jetzt

Atha

Nie habe ich eine tiefere Stille

Einen ruhigeren Wind

Ein stilleres Streicheln auf meiner Seele gespürt als

Damals im Jetzt

Nun ist es gewesen

Aber es war

Und es wird sein

Jetzt. Stillstand. Gewissheit. Vertrauen. Süße. Angst. Leere. Liebe. Glückseligkeit.

Ein Verständnis von Selbstverständlichkeit, das das, was jetzt ist, nicht anders sein kann.

Genau so und nur so. Unspektakulär. Alltäglich. Wunderbar. Schmerzerschreiend und Leer.

Es gab eine Begegnung mit dem Vergehen, dem Hass, der Erlösung.

Und irgendwo, ich war da, geht keine Zeit mehr vorbei,

denn alles war genau so wie es sein soll.

Ein Moment der vollkommenen Hingabe an das was geschieht.

Vergangenes. Seiendes. Und Werdendes.

Neu manifestiert inder Seele dieser sommerlichen Frühlingswiese.

Invielen Gestalten und doch in nur Einem.

Im Jetzt. Alles ist Eins. Jetzt. Atha.

Jetzt. Der alte Mann, der Hund, ein Blick, das Leiden, das Vergehen, der Schmerz, das Fenster, die Schreie, das Verlassen, die Mutter, die Bäume, das Kind, alles nektarsammelnd im Gras schwirrend. Keine Zukunft, keine Vergangenheit. Auch das Gewesene war da. Auf dieser Sommerlichen Frühlingswiese. Und das was kommen würde war auch schon da um zu sein.

Ich war da. Im Jetzt.

Jetzt sind wir wieder am Anfang.

Da wo wir anfingen, nur anders. In der Zukunft.

Verrückter.

Wilder.

Irrer.

Geliebter.

Starr. Bewegungslos. Frei.

Ich weiß nun einmal mehr, das ich nichts weiß und doch so viel.

Gesehen.

Niemals vergessen. Vergessen.

Es hat mich berührt und ich werde wieder da sein, wenn es Zeit ist im Jetzt zu sein.

Atha. Jetzt.

Wenn es sein wird.

Wenn es gewesen sein wird um zu sein.

Zeit und Raum vereint um aufzugehen im Nichts. Im Jetzt.

Die Seel ist da. Leicht. Nicht verloren. Rein und Klar.

Du.

Ich.

Wir.

Nichts. Atha.

TEXT: GABI BAYKAL, Absolventin der Yogalehrerausbildung bei Openlotus

weiterlesen ...

„Geh an die Ort, die du fürchtest“

7. Mai 2014


Buch: In jedem Moment unseres Lebens haben wir die Wahl: Unsere Lebensumstände können uns verhärten, uns ängstlich und abweisend machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden. Doch unsere gewohnten Strategien mit Ängsten, Leiden und Schwierigkeiten umzugehen, sind wenig geeignet, diese zu überwinden - stattdessen zementieren sie diese letztlich nur. Aus dem riesigen Fundus buddhistischer Geistesübungen schöpfend, macht die erfahrene Meditationsmeisterin hier deutlich, wie wir unsere Ängste nutzen können, um in einer schwierigen Welt und in schweren Zeiten zu Furchtlosigkeit finden und authentisch leben zu können.Das Buch von Pema Chödrön „Geh an die Orte, die du fürchtest“ , ist wie ein kleiner Wegweise, der uns Methoden zeigt und Werkzeuge an die Hand gibt, wie wir uns auf dem Weg machen können, in uns das völlig offene Herz zu wecken und zu einem mitfühlenden Krieger zu werden. „Wir können zulassen, dass die Lebensumstände uns verhärten, uns ängstlicher und abweisender machen, oder sie lehren uns, sanfter, mitfühlender und freundlicher zu werden und offener für das, wovor wir unsfürchten. Wir haben die Wahl.“ Auf dieser Unterweisung basiert das Buch.

„Bodhichitta“ („völlig offenes Herz”, „wunder Punkt“) wird auch mit der Fähigkeit „zu lieben“ und mit Mitgefühl gleichgesetzt. Liebe und Mitgefühl  machen uns Angst, weil wir uns durch diese öffnen. Da wir uns ständig davor fürchten, verletzt  zu werden, errichten wir Schutzmauern aus Meinungen und Vorurteilen, die wir durch verschiedene Emotionen verstärken. Wir müssen lernen, dass  unter den errichteten Mauern das Herz liegt, das uns Mitgefühl lehren kann. Wir können lernen, dass auch in den schwersten Zeiten, mitten in unserem Leiden, Zugang zu Bodhichitta möglich ist.

Ein Bodhisattva (mitfühlender Krieger), stellt sich den herausfordernden Situationen, um Leiden zu lindern indem er sich darin schult, das bedingungslose Bodhichitta zu wecken.

Wenn wir uns auf dem Weg des Kriegers machen, brauchen wir Mut, Offenheit und Mitgefühl, um unsere eigenen Ängste anzunehmen und uns in dem wunden Punk, unserem Schmerz, aufzuhalten. Offenheit hilft uns, unsere Ängste besser zu verstehen. Wenn wir offen und empfänglich bleiben für alles was passiert, wird Bodhichitta zum Vorschein kommen.

Vergänglichkeit, Ichlosigkeit und Leiden belehren uns, nicht länger gegen die Natur der Wirklichkeit anzukämpfen.  Wenn wie die Vergänglichkeit akzeptieren, die Prinzipien der Ichlosigkeit und die Gründe unseres Leidens verstehen, können wir damit aufhören, dem Wechsel von Freude und Schmerz entfliehen zu wollen. Wir können lernen, uns zu entspannen und einfach in jedem Augenblick unseres Lebens voll gegenwärtig sein.

Die Bodhichitta Schulung

Die zentrale Praxis für einen werdenden Bodhisattva ist das Kultivieren von Maitri (bedingungslose Liebe). Die Übungen der vier grenzenlosen Eigenschaften: Meditation, Liebenden Güte, Mitgefühls, Freude und Gleichmuts sind Werkzeuge, die uns darin schulen können, den wunden Punkt von Bodhichitta freizulegen.

Im Sitzen, in Meditation, können wir an unseren Gedanken und Emotionen näher herankommen und uns mit unserem Körper verbinden. In der Meditation akzeptieren wir uns so, wie wir sind, mit unserer Verblendung und unserer geistigen Gesundheit (MAITRI). Erst wenn wir beginnen, uns mit uns selbst anzufreunden, wird die Meditation zu einem transformierenden Prozess in dem wir vier Qualitäten von Maitri entwickeln:

  • Standhaftigkeit (einfach in unserem Körper zu sein, zur Kenntnis nehmen, was darin vorgeht )
  • Klares Sehen (Ehrlichkeit gegenüber uns selbst, die Barrieren sehen, die wir errichten)
  • unsere emotionale Not annehmen, ohne unsere Erfahrung zu verdammen oder zu rechtfertigen
  • völlig „da zu sein“, Augenblick für Augenblick

Diese vier Eigenschaften sind auch für alle Bodhichitta Übungen und für den Umgang mit schwierigen Situationen in unserem Alltag von Bedeutung.

1.) Die Übung „Liebende Güte“ schult uns, Aufrichtigkeit, Liebe und Mitgefühl uns selbst gegenüber zu entwickeln und unsere Engstirnigkeit zu erkennen. Wir lernen, unser Herz und unseren Geist auch unter schwierigeren Umständen zu öffnen und zu erkennen, wann wir Barrieren zwischen uns und anderen errichten. Ziel ist, die liebende Güte erst für uns selbst zu entwickeln und diese dann Schritt für Schritt auf einen immer größeren Kreis auszudehnen. Jede Stufe gibt uns die Möglichkeit, unser Herz ein Stück weiter zu öffnen und unser Fähigkeit, ohne Voreingenommenheit zu lieben, zum Vorschein zu bringen.

2.) Um Mitgefühl zu üben, brauchen wir die Bereitschaft, Schmerz zu empfinden, wir üben uns in Tapferkeit, uns dem Schmerz zu stellen. Wir wünschen, dass alle Wesen – einschließlich wir selbst, und auch diejenigen, die wir nicht mögen – vom Leiden und vor der Wurzel des Leidens frei sein mögen. Mit dem Wunschgebet können wir unser Herz sanfter werden lassen und gleichzeitig – in Hinsicht auf die Momente, in denen wir uns öffnen oder abschotten –, ehrlicher und nachsichtiger mit uns selbst werden. Durch diese Übung gewinnen wir ein immer tieferes Verständnis für die Wurzel des Leidens.

In der Übung des Tonglens wird unser Mitgefühl auf all jene ausgedehnt, die in derselben misslichen Lage sind, wie wir. Wir sind bereit, unser eigenes Leiden und Schmerz, sowie den von anderen aufzunehmen, und das Glück zu uns selbst und allen anderen auszusenden. Mit der Praxis des Tonglen schulen wir uns darin, uns nicht mehr so sehr an unser Ich zu klammern und uns um andere zu kümmern.

3.) In dem Wunschgebet zum Erwecken von Wertschätzung und Freude üben wir uns darin, uns auch über die geringste Wohltat zu freuen und Dinge wertzuschätzen, die das Leben für uns bereithält. Der Schlüssel ist, in jedem Augenblick ganz präsent zu sein. Die Kombination von Achtsamkeit und Wertschätzung bringt uns in vollen Kontakt mit der Wirklichkeit und schenkt uns Freude. Wir lernen, uns zu freuen, wenn wir an einen geliebten Menschen denken und sein oder ihr Glück würdigen. Dann üben wir mit Menschen, die uns weniger eng verbunden sind. In den einzelnen Schritten lernen wir, unser Herz für andere zu öffnen und uns mit anderen zu verbinden.

4.) Gleichmut zu kultivieren bedeutet, dass wir alles, was im Leben kommt (Krankheit, Gesundheit, Armut, Reichtum) annehmen können. Egal „was“ es ist, wir heißen es willkommen und lernen es kennen.

Die Übungen der vier  grenzenlosen Eigenschaften sind Wege, um Bodhichitta zu erwecken. Mit diesen Übungen drücken wir unsere Bereitschaft aus, unser Herz zu öffnen und näher an unsere Ängste heranzukommen. Sie helfen uns, unsere Fähigkeit auszubauen, standhaft bei unseren Erfahrung zu bleiben und den Unterschied zwischen einem verschlossenem und einem offenem Geist kennenzulernen. Wir entwickeln die Bewusstheit und die Freundlichkeit, die wir brauchen, um anderen helfen zu können.

Die nahen und entfernten Feinde der vier grenzenlosen Eigenschaften: Anhaften, Hass, Mitleid, Überwältigt-Sein, Grausamkeit, Übermut, Gleichgültigkeit und Voreingenommenheit – sind unsere Lehrer, die uns zeigen, dass wir uns und andern mit allen Schwächen akzeptieren können.

Auch Vergebung ist ein wichtiger Bestandteil der Bodhichitta-Praxis. Durch Vergebung lernen wir, von der Vergangenheit abzulassen und einen Neuanfang zu machen. Vergebung kann man nicht erzwingen, sie ist ein natürlicher Ausdruck des offenen Herzens, unseres grundlegendem Gutseins.

Text: Eva Bales, Teilnehmerin der Yogalehrerausbildung

weiterlesen ...

Zusammenfassung der Geschichte „Siddhartha“ von Hermann Hesse, Teil I

7. April 2014

Hintergrundinformationen:

Ich finde die Literatur der Jahrhundertwende unglaublich spannend. Ende des 19. Jahrhunderts öffnete sich der europäische Kulturkreis für Ansichten aus anderen Denksystemen. Nachdem Vivekananda 1893 auf dem Parlament der Weltreligionen die Philosophie des Vedanta (seine Interpretation davon) vorgestellt hatte, beschäftigten sich die geistigen Vorreiter und künstlerischen Eliten in Europa auch mit dem Buddhismus und Hinduismus. Die Geschichte „Siddhartha“ von Hermann Hesse spiegelt das östliche Gedankengut so gut wieder, dass sie in mehrere indische und asiatischen Sprachen übersetzt wurde und dort sehr erfolgreich war.

Zusammenfassung der Geschichte „Siddhartha“ von Hermann Hesse, geschrieben 1919-1922


Ein junger Bramahne mit Namen Siddhartha übt sich früh in den vedischen Künsten, ist sehr lerneifrig und wissbegierig, lernt schnell und gut und übertrifft bald seine Lehrer. Aber er ist unzufrieden und stellt fest, dass seine Lehrer ihm ihr bestes bereits gegeben haben. Er sieht, dass sie sich ihr Leben lang den Lehren widmen und doch das ersehnte Ziel der Erlösung nicht erlangen.

So verlässt er sein Elternhaus und schließt sich den wilden Samanas (Asketen) an. Sein Ziel: leer werden, leer von Durst, von Wunsch, von Traum, Freude und Leid. Das Ich zu überwinden um im innersten das große Geheimnis zu finden. Er lernt viel: den Atem zu sparen, den Herzschlag zu kontrollieren, sich in die Dinge der Welt hineinzuversetzen. Er schlüpft gedanklich und in jedes Tier von seiner Geburt bis zu seinem Tod und fühlt mit ihm, er erlebt den Kreislauf des Lebens, tötet seine eigenen Sinne, seine Erinnerungen, seinen Bedürfnisse.

Doch bald fragt er: Was ist Versenkung, Verlassen des Körpers, Fasten, Anhalten des Atems anderes als eine weitere Flucht vor dem Ich, Betäubung gegen den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens. Das kann man auch in der Kneipe oder beim Wein finden. Nähern wir uns der Erkenntnis oder gehen wir vielmehr im Kreis? Wenn das Wissen in allem ist, ist nicht das Lernen/Wissenwollen selbst der ärgste Feind der Erkenntnis?

Siddhartha verlässt die Samanas und trifft auf einen erleuchteten Weisen. Er erkennt, dass dieser das höchste Ziel erreicht hat und Erlösung vom Tod gefunden hat. Er sieht aber auch, dass dies nicht durch eine noch so klare und einleuchtende Lehre erreicht wurde, sondern nur durch eigene Suche, auf eigenem Weg, durch Gedanken, Versenkung und eigene Erkenntnis. Das Geheimnis der Erleuchtung ist nicht durch Worte mitteilbar. Also setzt Siddhartha seine Wanderschaft fort und verlässt alle Lehrer und Lehren um sein Ziel allein zu erreichen.


Kommentar: In diesem ersten Teil der Erzählung finden sich viele Aspekte wieder, die mir in der Yoga-Praxis begegnen. Der Wunsch nach Erweiterung des eigenen Horizonts, Lernen, neue Erfahrungen – das ist ein ganz grundlegender menschlicher Antrieb.

 Auch die Übungen im Yoga, die Asanas (Körperübungen) in Verbindung mit Pranayama (Atemlenkung) und Meditation haben das Ziel, die Grenzen von Körper und Geist zu erfahren und vielleicht auszudehnen und zusammen mit dem Atem Zugang zu neuen Energien zu finden.

So hilfreich es ist, eine Yoga-Richtung zu finden, die mir guttut, mich nicht verletzt sondern stärkt, so sehr bin ich auch immer auf mich selbst zurückgeworfen. Ich muss selbst meine Übungen machen und bestimme deren Intensität. Ich achte auf meinen Körper und seine Möglichkeiten und Beschränkungen. Beim Yoga lerne ich, die eigenen Grenzen zu respektieren oder vielleicht auch schwierigen Herausforderungen immer wieder zu begegnen, bis ich sie meistern kann. Wie Nicole Konrad immer wieder sagt: „Schau, wie Du Deiner Yoga-Praxis begegnest, vielleicht begegnest Du so auch dem täglichen Leben.“

 Und nun noch einmal Hesse (sinngemäß): „Suchen heißt: ein Ziel zu haben; finden heißt: frei sein, offen sein, kein Ziel zu haben. Wissen kann man kommunizieren und lernen, Weisheit nicht. Man kann Weisheit finden, sie leben, von ihr getragen werden.“

 In manchen Yoga-Stunden als Teilnehmer oder auch als Lehrer fühle ich ein wenig von dieser Idee, getragen zu sein. Dann bin ich immer wieder sehr glücklich, Yoga für mich entdeckt zu haben und vermitteln zu dürfen.

 Namaste!  (= Das Wissen/Licht in mir sieht und achtet das Wissen/Licht in Dir)!

Brigitte Heinz, Absolventin der Yogalehrerausbildung 2013 bei Openlotus

weiterlesen ...

Zusammenfassung des Buches SIDDARTHA von Hesse – Teil 2

29. April 2014

Nachdem Siddhartha die Welt der Lehre hinter sich gelassen hat, nimmt er zum ersten Mal die Welt um sich herum wirklich wahr. Sie ist, bunt, magisch und schön, und wie er selbst begierig, sich zu erfahren. Die Welt der Erscheinung ist keine Täuschung (Maya) denn Göttlichkeit liegt in allen Dingen. Siddharta möchte nun diese Welt, die er so lange verleugnet hat, kennenlernen und vor allem die Liebe erleben.

(mehr …)

weiterlesen ...

Das neue Jahr und die „guten Vorsätze“ – TAPAS

6. Januar 2014

2014 – Das neue Jahr ist noch „ganz frisch“.

Vielleicht hast Du Dir etwas für das Jahr vorgenommen … Dich mehr zu bewegen, besser zu essen, mehr zu entspannen, Dir mehr Zeit und Auszeiten zu gönnen, einen Traum zu verwirklichen, …

Die Silvesternacht ist oft der Startschuss für das neue Vorhaben. Die ersten Tage und Wochen gelingen oft gut, ist man noch euphorisch und voller Zuversicht diesmal beständig zu bleiben. Mit der Zeit wird es schwieriger, vielleicht ertappst Du Dich dabei, Dich im Geist zu fragen, ob nicht unter Berücksichtigung dieser speziellen Situation, ggf. nur dieses eine mal eine Ausnahme drin wäre. Nur das eine mal …?
Aus dem „einen mal“ werden dann schnell „zwei mal“ und mit der Zeit verwässert dei Absicht und man gibt sie auf.

Wie kann Yoga helfen? In der Yoga-Philosophie gibt es im 8-gliedrigen Pfad des Patanjali die Idee von TAPAS – was häufig mit Disziplin, Willensstärke und Disziplin übersetzt wird.
Yoga erkennt an, dass Praxis schwierig ist, es beständiger Übung und oftmals eben auch einer gewissen Strenge bedarf, damit es gelingt, alte Muster zu verändern. Tapas steht auch für Leidenschaft, Feuer, Verwandlung und Transformation. Ist es schließlich nötig, alte Dinge zu verwandeln oder aufzugeben, um Neues zu schaffen und zu etablieren.
Wir wünschen Dir, dass es Dir gelingt mit Achtsamkeit und Beständgkeit an den neuen Vorsätzen festzuhalten – in dem Bewusstsein, dass zu viel Härte und Strenge auch nicht richtig ist.
Maß halten, Mitte finden, Geduld üben, mitfühlend bleiben, aber den Weg nicht aus den Augen verlieren.

Ein GUTES 2014!

Das Openlotus-Team – Yoga in Köln

weiterlesen ...

Was macht Yoga so „anders“ – wirkungsvoll und kraftvoll?

23. Oktober 2013

Was macht Yoga so „anders“? Oder: Was Tadasana uns lehren kann

Tadasana ist die Basisposition aller Asanas – Ausgangsposition für alle anderen.
Warum könnte man meinen, schließlich ist das aufrechte Stehen keine Kunst, sondern scheinbar Alltäglichkeit.
Was unterscheidet Tadasana oder Samastiti vom einfachen Stehen oder anders ausgedrückt, was unterscheidet Yoga von jeder anderen Art der Bewegung oder Sportart?
Es ist die Intention in der Handlung, die Absicht, im Moment präsent zu sein und bestimmte Qualitäten zu etablieren: Yoga ist Meditation in Bewegung.
Fast jede Yogastunde beginnt damit, ein Thema, einen Schwerpunkt oder einen Fokus zu setzen. Bewusst nimmt man sich einen Moment Zeit und fühlt in sich hinein, wie sich der Körper anfühlt und wie ruhig oder unruhig der Geist ist. Man prüft, welche Qualitäten man in der Asanapraxis etablieren möchte oder welche Ängste, negative Gedanken oder Überzeugungen man bewusst „ gehen lassen“ möchte. Es ist ein Ritual, die Absicht, der Praxis eine Intention zu geben.
Vielleicht braucht man Stärke, Beständigkeit, Kraft und Unerschütterlichkeit. Genau die Qualitäten, die Tadasana und viele andere, vor allem stehende Positionen, repräsentieren. Ein Berg reicht tief in die Erde, ist „verwurzelt“, er ist kraftvoll und besteht über Jahrtausende. Egal wie schlimm eine Wetterfront toben mag, der Fels lässt sich davon nicht beeindrucken, er ragt weiter kraftvoll empor. Selbst wenn ich mich schwach fühle, kann ich auf der Matte ein Berg sein. Die Füße, die in Tadasana das Fundament bilden, kann man mit Bewusstsein platzieren, das Gewicht gleichmäßig verteilen und sich vorstellen, wie Wurzeln tief in den Boden reichen. Der Rest des Körpers wird ebenfalls kraftvoll über dieser Basis ausgerichtet, die gesamte Muskulatur wird aktiviert, die Wirbelsäule verlängert und der Brustkorb geweitet.
Je stärker ich mich fühle, je mehr ich innerliche wachse, meine Kraft, meine Mitte und meinen Ausdruck finde, um so kraftvoller wird meine Position und ebenso meine innere Stärke.
Es mag Tage oder Phasen im Leben geben, an denen es nicht gelingen mag, auch nur einen Hauch von dieser inneren Kraft bei sich zu entdecken. Wenn das passiert, erinnere ich mich gerne an den Satz einer Yogalehrerin: „fake it till you make it“. Damit meinte sie nicht, dass man irgendwas vertuschen sollte oder versuchen sollte, etwas zu sein, was man nicht ist, sondern vielmehr, dass man nicht aufgibt, beständig weiter übt, gibt, was man hat und sich innerlich vorstellt, dass es einem SELBST gelingen kann. Wenn man glaubt, dass man Position XY niemals schaffen kann oder irgendein Problem niemals lösen kann, dann beraubt man sich schon der Möglichkeit. Ohne den Glauben an die eigene Kraft und an das eigene Potenzial kann Veränderung nicht gelingen. Ich muss mir vorstellen, der Himalaya zu sein, nicht der kleine Hügel um die Ecke.

Zu dieser Idee gibt es ein wundervolles Zitat von Marianne Williamson, aus A Return To Love: Reflections on the Principles of A Course in Miracles

“Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. We ask ourselves, Who am I to be brilliant, gorgeous, talented, fabulous? Actually, who are you not to be? You are a child of God. Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people won’t feel insecure around you. We are all meant to shine, as children do. We were born to make manifest the glory of God that is within us. It’s not just in some of us; it’s in everyone. And as we let our own light shine, we unconsciously give other people permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others.

Herzliche Grüße von Openlotus – Die Yogaschule in Köln

weiterlesen ...

Ein ayurvedisches Herbst-Rezept: Frucht-Nuss-Kompott

7. Oktober 2013

Im Ayurveda passt man das Essen dem Rhytmus der Jahreszeiten an.
Da unsere Nahrung eine der „direktesten Wege“ der Einflussnahme auf unseren Körper und unsere Gesundheit darstellt, ist Ernährung im Ayurveda ein wesentlicher Bestandteil.

Ein Nachtisch-Rezept für den Winter, nährend, wärmend und lecker…. (mehr …)

weiterlesen ...

Anusara Yoga – ein „Kind“ des Iyengar Yoga

29. September 2013

Anusara School of Hatha YogaAuch Anusara Yoga steht in der Tradition Krishnamacharyas.

Iyengar Yoga ist bekannt durch seine Präzision in den Asanas, den Einsatz von „Hilfsmitteln“, wie zum Beispiel Klötzen und  Gurten und sein umfassendes Verständnis von Yoga Therapie.
John Friend, der Gründer des Anusara Yoga, war lange Jahre Meisterschüler in der Tradition des Iyengar Yoga.
Der erhebliche Einfluss dieser Tradtion ist daher spürbar.

Anusara Yoga ist fließender als Iyengar Yoga, es gibt immer ein „Thema“ im Unterricht und Anusara Yoga arbeitet mit sogenannten „universellen Prinzipien der Ausrichtung“, die in jedem Asana Anwendung finden.
Das Alignment – also die Ausrichtungsprinzipien in den einzelnen Asanas – ist ebenso ausgereift und präzise wie bei Iyengar. Eine gesunde und auf allen Ebenen heilsame Praxis ist mit diesem System sehr gut möglich.
Mehr zu den Inhalten und Ideen findet man unter: anusarayoga.com
Anusara Yoga wurde 2012 aufgrund von Fehlverhalten von John Friend „erschüttert“. Viele Anusara Lehrer reichten daraufhin ihre Zertifikate zurück, bis heute befindet sich die Tradition im Wandel und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

weiterlesen ...

Filme zu Yoga – Empfehlungen

21. September 2013

Wie erfolgreich und bekannt Yoga geworden ist, sieht man unter anderem daran, wie stark die Medienwelt auf Yoga reagiert. Eine Vielzahl von Filmen sind bereits erschienen, hier ein paar Empfehlungen von Openlotus – Die Yogaschule in Köln.

  • One Track Heart – The Story of Krishna Das
    Ein Film zu einem der bekanntesten Mantra-Sänger der Welt
  • Yoga unveiledEvolution and Essence of a spiritual practice
    behandelt den großen philosophischen Hintergrund des Yoga, mit vielen Interviews renomierter Philosophen und Yogis
  • Der Atmende Gott – Reise zum Ursprung des modernen Yoga
    ein Film zu allen Yogaformen in der Tradition Krishnamacharyas
  • Yoga – Die Kunst des Lebens
    Die Dokumentation begleitet eine Gruppe westlicher Pilger auf eine Reise nach Rishikesh und in einen abgelegenen Ashram im Himalaya
  • Im Kopfstand zum Glück
    Ein Film über vier Menschen, die eine Yogalehrerausbildung machen

Hast Du eine weitere Empfehlung? Dann schreibe uns gerne einen Kommentar und wir ergänzen die Liste!

weiterlesen ...

Yogastile: Die „Kinder“ des Ashtanga Yoga

15. September 2013

Im Blog von Openlotus wurde bereits die Geschichte vom „Urvater“ vieler moderner Yogastile Krishnamacharya zu seinen Schülern, u.a. seinem ersten wichtigen Schüler Pattabis Jois – dem Begründer des Ashtanga-Yoga, beschrieben. In diesem Beitrag geht es um die „Kinder des Ashtanga“.

Ashtanga Yoga zeichnet sich, wie bereits beschrieben, durch eine sehr dynamische und durchaus fordernde Asana-Sequenz aus, bei der die Asana-Abfolge, das Verweilen in der jeweiligen Position als auch Blickrichtung und Atem genau festgelegt sind. Ein Abweichen von der Sequenz ist nicht vorgesehen.

Einige Praktizierende des Ashtanga-Yoga schätzten die Dynamik dieser Yogaart, suchten aber die Freiheit, den Ablauf in der Sequenz zu verändern und auch länger in den Asanas zu verweilen. So entwickelten sich das Vinyasa Yoga. Vinyasa bedeutet im Wortsinn „in bestimmter Weise setzen“.

Vinyasa Yoga ähnelt dem Ashtanga Yoga. So werden einzelne Positionen durch eine fließende Bewegungsfolge (genannt Vinyasa – dies stellt einen  Teil des Sonnengrußes dar) miteinander verbunden. Der fließende und dynamische Charakter des Yoga bleibt dadurch erhalten.
Durch die Freiheit, die Positionen unterschiedlich anzuordnen, kann man als Praktizierender unterschiedliche Schwerpunkte setzen, z.B. verstärkt Hüftöffner der Rückbeugen in die Übungssequenz einbauen.
Dennoch bestehen grundsätzliche Sequenzregeln. Man beginnt die Stunde mit Sonnengrüßen oder Sonnengrußelementen und baut einfache stehende Asanas ein. Dies dient dazu, den Körper aufzuwärmen und auf die darauf folgenden Übungen gezielt vorzubereiten. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen ist ansteigend, läuft oft zu einer Top-Position, um dann langsam wieder auszuklingen. Beendet wird die Stunde, wie immer im Yoga, mit Shavasana, der Schlussentspannung.

Power Yoga, Jivamukti Yoga und Flowyoga sind nur wenige Namen, die dieselbe Yogaart beschreiben. Viele weitere „Yogastile“, ebenso die oben genannten, stellen eigentlich kein neues System bzw. Yogaidee dar, sondern sind einfach Vinyasa Yoga. Daher ähneln sich diese Stile sehr.

weiterlesen ...

Zeit – was ist Zeit- kann ich Zeit sparen? Was ist das „Hier und Jetzt“

4. September 2013

In dem Buch „Momo“ von Michael Ende sparen die Menschen Zeit, die von den „grauen Herren“ auf Zeitsparkonten angelegt werden. Doch anstatt mehr Zeit zu haben, hetzten alle nur noch schneller durch das Leben. Alle warten auf den Zeitpunkt, irgendwann die gesparte Zeit nutzen zu können und dann zu leben, nicht erkennend, dass es gesparte Zeit nicht gibt und alle nicht genutzten Momente unwiederbringlich vergangen sind. (mehr …)

weiterlesen ...

Yogastile: Iyengar Yoga

26. August 2013

Was ist Iyengar Yoga und wie ist es entstanden?

Auf dem Blog von Openlotus, Yoga Köln, erklären wir die Hintergründe und Herkunft der gänigen Yogastile. Dieses mal: Iyengar Yoga.

Iyengars voller Name lautet: Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar, er wurde 1918 geboren und lebt noch heute, in Mysore, Indien, wo sich das Iyengar Yoga Institut befindet.
Seine Schwester war mit Krishnamacharya, dem „Vater“ des modernen Yoga (mehr zu ihm hier im Openlouts Blog) verheiratet.
Iyengar war in seiner Jugend eher schwächlich und häufig krank, daher arbeitete er zunächst im Haushalt seines Schwagers.

Um Yoga populär zu machen veranstaltete Krishnamacharya zur damaligen Zeit öffentliche Vorführungen.  Als sein wichtigster Schüler plötzlich verschwand, sollte/durfte Iyengar einspringen und sein Können beweisen. Von diesem Tag an unterrichtete Krishnamacharya ihn dann auch. Auch damals noch war Krishnamacharya mehr als streng und durchaus gewaltvoll in seinen Unterrichtsmethoden – Iyengar erzählt davon selbst.
Schon nach einem Jahr  Unterricht trennten sich ihre Wege.  Dies lag daran, dass Krishnamacharya vom Maharadscha Krishnaraja Wodeyar IV, an dessen Hof er lebte und unterrichtete (dieser sorgte auch für seinen Lebensunterhalt), gebeten wurde, dafür zu sorgen, dass eine Gruppe von Frauen, die in einer entferneten Stadt wohnten, im Yoga unterrichtet werden.
Dieses Aufgabe erteilte Krishnamacharya Iyengar (zur damaligen Zeit wurde Yoga Frauen nicht unterrichtet).
Iyengar verließ daraufhin Krishnamacharya und lehrte von nun an selbst. Er forschte tief nach der Natur der inneren Ausrichtung, berücksichtigte jeden Teil des Körpers, sogar die Haut und entwickelte eine tiefe heilende Praxis. Er schuf therapeutische Programme und die Praxis mit Hilfsmitteln (Props) aller Art. Diese Entwicklung liegt sicher zum einen an der eigenen Erfahrung mit seinem Körper, seinen Krankheiten und der Frage, wie man diese heilen kann, als auch an der veränderten „Zielgruppe“ seiner Schüler.

weiterlesen ...

Yogastile: Ashtanga Yoga

20. August 2013

Es gibt unzählige verschiedene Yoga-Stilrichtungen. Es ist manchmal schwer zu verstehen, wie sich die einzelnen Yogarichtungen voneinander abgrenzen bzw. unterscheiden.
Daher starten wir hier im Blog von Openlouts eine Serie, in der wir beschreiben, was was ist und woher es kommt.
Den Anfang macht Ashtanga-Yoga, da es in der zeitlichen Abfolge (in der Traditon Krishnamacharyas) als erstes entstand. (mehr …)

weiterlesen ...

Sommerrezept – vegane Sushirollen

12. August 2013

Dieses Rezept stellte mir Desirée Rumbaugh bei ihrem ersten Besuch bei Openlotus – Die Yogaschule in Köln vor, als sie hier war, um einen Workshop zu unterrichten.

was man braucht:
2 Blätter Nori Algen (ich würde rückstandskontrollierte Blätter nehmen – z.B. von Arche Naturkost)
Humus (nach Grundrezept)
Sauerkraut, abgetropft (einfach so aus der Packung – muss nicht noch extra gekocht werden)

als weiteren „Belag“, was man mag, z.B.:
frische Gurke in Streifen
frische Paprika in Streifen
Avocado
Ruccola
Mais
Frischkäse
Gewürze wie Chili, Cayene-Pfeffer (kann man auch ganz weglassen)
und noch viel mehr … alles ist möglich

auf 7/8 der Fläche des Nori-Blattes Humus streichen, in die Mitte des Blattes einen „Streifen“ Sauerkraut (wirklich – das schmeckt köstlich!), darauf belegen was auch immer man mag.
Das „Standardprogramm“ wären: Paprika, Gurke, Avocado.

Zusammenrollen –> FERTIG.

Nur noch mit einem SEHR scharfen Messer in kleine „Sushi-Stückchen“ schneiden.

Besonders in der heißen Jahreszeit köstlich, geht schnell, ist frisch, gesund und lecker!

Herzliche Grüße vom Openlotus-Team – bis bald auf der Matte!

weiterlesen ...

Vier Formen der Freude – nach dem Yoga Sutra des Patanjali

5. August 2013

Die Yogaphilosophie ist faszinierend und wahrlich tief greifend. Sich damit zu beschäftigen, diese zu studieren, zu reflektieren und immer wieder im Alltag zu testen, eine Freude.
In den Yogaklassen bei Openlotus – Yoga Köln – werden diese Inhalte oft in den Klassen vorgestellt und in den Unterricht eingewoben. So genießt man nicht nur Asanas, sondern nimmt einfach mehr aus den Stunden mit.

Eine wunderschöne Idee, die wir heute vorstellen wollen, sind die 4 Formen der Freude, die das Yoga Sutra unterscheidet:
SUKHA, SANTOSHA , MUDITA und ANANDA. (mehr …)

weiterlesen ...

Was Yoga kann

29. Juli 2013

Da Yoga ein immer stärkerer werdender „Trend“ ist, beschäftigen sich auch die Medien immer mehr mit dem Thema.
Die Ergebnisse und Meinungen klaffen jedoch eklatant auseinander.
Die einen warnen vor Yoga und seinen Gefahren und provozieren mit Titeln wie „Wie Yoga deinen Körper ruinieren kann“, die anderen sind voll des Lobes ob der vielen positiven Effekte.
Was stimmt den nun?
Eine nicht so einfach zu beantwortende Frage… (mehr …)

weiterlesen ...

Was ist uns unser Essen wert? Solidarische Landwirtschaft

22. Juli 2013

Immer wieder bloggen wir etwas zu Ernährung, Landwirtschaft und Lifestyle.
Warum auf dem Blog von Openlotus – Yoga Köln?
Nun, wir sind der Meinung, dass die „Ganzheitlichkeit“ des Yoga nicht bei uns aufhört sondern die Art wie wir leben, welche alltäglichen Entscheidungen wir treffen und wie wir uns verhalten, entscheidend sind für die „Gesundheit“ der Welt. (mehr …)

weiterlesen ...

Feedback zu Openlotus

16. Juli 2013

„Qualitätskontrolle“ ist wichtig, sich zu hinterfragen, weiter zu entwickeln, Inhalte zu überprüfen und zu verändern natürlich ebenso.

Kürzlich baten wir unsere Kunden um Feedback zu Openlotus Yoga Köln, den Kursen, den Lehrern, der Yoga Lehrer Ausbildung und das, was uns ausmacht.

Hier einige von Euren Meinungen, herzlichen Dank dafür!

  • entspannte und positive, aber keine zwingend spirituelle/mystische Atmosphäre; also man merkt, dass neben den Asanas auch die Philosophie des Yoga vermittelt werden soll, aber auf eine „alltäglich“ anwendbare Weise, tolle Beispiele aus dem Alltag, die jeden betreffen und ich nehme aus jeder Stunde auch gedanklich was mit, dazu treffende Wortwahl für jedes Thema
  • respektvoller Umgang, sehr viel Freundlichkeit und trotzdem kein „Wir-haben-uns-alle-lieb“ – ehrlicher, offener Umgang
  • absolut präzise Vermittlung der Asanas auf einer Ebene, die gut verständlich ist und trotzdem begrifflich korrekt, sehr genaues und „feines“ Arbeiten in den Asanas
  • sehr abwechslungsreiche Unterrichtseinheiten, die zum Ausprobieren und Erfahren des eigenen Körpers einladen = es wird nie langweilig
  • Spaß am Tun
  • jede/r LehrerIn hat absolut seinen eigenen Stil und trotzdem sind alle einig in Kompetenz, Vermittlung von richtigen Positionen und Anspruch
  • richtige Balance zwischen „Leistung“ und Weiterkommen in der eigenen Konstitution und gleichzeitig keine Überforderung (mit anderen Worten: es ist immer „anstrengend“, aber nie unangenehm leistungsfordernd), jeder ist gut so wie er ist und das wird auch vermittelt
  • Organisatorisch super: Viele Kursangebote, sehr variabel, passt immer in den Zeitplan
  • dazu: großes und ständig wechselndes Angebot an Fort- und Weiterbildungsangeboten, Workshops & Co., Literatur, „Wohlfühl-Equipment“ und Tipps
  • und: wunderschönes Studio, tolle Terasse 🙂 Ich liebe diese Terasse und gerade nun im Sommer die Möglichkeit, immer draußen unter freiem Himmel praktizieren zu können

Wir sind wirklich dankbar für Rückmeldungen und Meinungen, Verbesserungsvorschläge und offen für alles, was Dir am Herzen liegt. Also, bitte jederzeit jeden vom Team ansprechen!

Herzliche Grüße, das Openlotus-Team, Yoga in Köln !

weiterlesen ...

Ernährung – nicht nur als Yogi wichtig

4. Juli 2013

Diese Woche wollen wir einige spannende und sehr inspirierende Websites vorstellen, die sich mit Ernährung und insbesondere Alternativen zum „herkömmlichen“ Essen beschäftigen: auch mit dabei: vegan und roh.

Eine tolle Seite mit vielen Rezepten zu rohem Essen: www.youngonrawfood.com
Dort gibt es zum Beispiel ein tolles Chia-Pudding Rezept. Diesen tollen Wundersamen gibt es im Shop von Openlotus – die Yogaschule in Köln.

Ebenfalls eine „Raw Food“ Inspiration: oh she glows

!!! Das Ayurveda empfiehlt am ehesten dem Pittatypen (Feuer), der Verzehr von rohem Essen. Jedoch an heißen Sommertagen, an denen die „Energie“ der Natur heiß ist, sollte es fast für jeden etwas sein !!! Bei Fragen zum eigenem Typ kannst Du ggf. eine Ernährungsberatung bei Openlotus buchen.

Eine Seite mit Smoothie-Rezepten: incrediblesmoothies.com

Weitere tolle Seite mit vielen Rezepten von Frühstück zu Hauptgang zu verführerischen Nachtischen: mynewroots.org

Laß Dich inspirieren, gutes Gelingen und viel Spaß bei gesunder Ernährung, die mehr als Spaß macht!

weiterlesen ...

Geplante Obsoleszenz

28. Juni 2013

Der Begriff geplante Obsoleszenz bedeutet, dass ein Produkt auf künstliche Art beeinflusst wird, um schneller zu veraltern oder, oftmals gerade nach Ablauf der Garantie, seine Funktion aufgibt.
Diese Idee tauchte erstmals in der 1920er Jahren auf, nachdem man feststellte, dass es nicht von wirtschaftlichem Interesse sei, wenn Produkte „lebenslang“ halten und somit keine neuen, weitereren Produkte gekauft werden.
(mehr …)

weiterlesen ...

Patanjalis Yoga Sutra – eine Zusammenfassung

21. Juni 2013

Das Yogasutra des Patanjali

Von der Erkenntnis zur Befreiung – eine Zusammenfassung

Das Yoga Sutra  des Patanjali besteht aus 195 Sutren und teilt sich in 4 Kapitel auf. Jedes Kapitel hat einen anderen Schwerpunkt, wobei die zentrale Idee des Yoga Sutra darin besteht, dass wir die tiefen Ursachen unseres Leidens nicht dadurch verringern können, indem wir die äußeren Umstände anpassen oder verändern. Entscheidend, was wir mit unserem Geist tun. Es geht darum das meinende, denkende Selbst (CITTA), das sich ganz klar unterscheidet von dem reinen, erkennenden Bewusstsein (CIT) unterscheidet, zu erforschen und zu verstehen.

Das meinende Selbst, CITTA, umfasst den ganzen mentalen Bereich: unsere Eindrücke,  Meinungen, Erinnerungen, Konditionierungen usw. Der Autor eines Kommentars zum Yoga Sutra, DESIKACHAR,  beschreibt das meinende Selbst wie ein Segel: richtig gesetzt unterstützt es uns auf unserem Weg, wird es jedoch vom Wind der äußeren Umstände unstetig hin und her geworfen, übernimmt es die Kontrolle und wir sind im ausgeliefert. Yoga hilft uns das Segel selbst in die Hand zu nehmen.
CIT hingegen ist sehende Selbst, es sieht die Wirklichkeit wie sie tatsächlich ist, unabhängig von Meinungen, Einbildungen und Erfahrungen.

1.Kapitel: SAMADHI PADA

Yoga wird gleich zu Beginn des ersten Kapitels als ein Zustand definiert, in dem die Bewegungen des CITTA in eine dynamische Stille übergehen und so das wahre  Selbst erkannt werden kann (Yoga Citta Vritta Nirodhah).
Im Yoga Sutra wird die Praxis auf zwei wesentlichen Standbeinen gestellt:

  • beharrliches Üben (Abhyasa) zur Mobilisierung der Willenskraft
  • Gleichmut, (Vairagya) um unser Ziel mit Gelassenheit und etwas Abstand zu erreichen
Ein weiterer Weg die Vrittas, die Wellen des Geistes zu stoppen, ist das Besinnen auf ISVARA, eine zeitlose und vollkommene Kraft, die in jedem Menschen ruht und ihm in allen Zeiten als Inspiriationsquelle dient. Eine solche Anbindung an ISVARA ist nicht nur in schwierigen, sondern auch in unbeschwerten Zeiten wichtig. Solch eine dauerhafte Anbindung entsteht durch kontinuierliche Anrufung in meditativer Praxis, der Mensch findet sie in seiner tiefsten Vorstellung. Durch Anbindung an diese Kraft sind wir verwurzelt und haben Vertrauen.
Wenn wir hingegen nicht verwurzelt sind, entstehen Hindernisse (Krankheit, Trägheit, Zweifel, Hast, Faulheit, Abgelenktheit, Fehleinschätzung, keine Zielstrebigkeit, Unbeständigkeit). Sie sind die Zeichen dafür, dass wir in diesem Moment nicht in uns ruhen. All diese Hindernisse bringen Leiden (DUKHA) mit sich.
Heilmittel gegen DUKHA, welche alle mit beharrlichem Üben und Gleichmut ausgeführt werden sollen:
  • Besinnung auf die vier wesentlichen Gefühle (Liebe, Mitempfinden, Enthusiasmus, Vergeben)
  • Reflektion über eigene Zu- und Abneigungen
  • meditative Ausrichtung des Geistes auf ein bestimmtes Thema oder Objekt, das unsereGefühlswelt positiv anspricht.
Wenn die Hindernisse schwächer werden, sieht man die Dinge wie sie wirklich sind, das CITTA wird zu einem klaren Kristall, umso besser er geschliffen ist umso klarer die Erkenntnisse. Der Zustand der Selbstbesessenheit wird zu einem Zustand der Selbstvergessenheit. Dies ist ein Zustand der vollkommenen Erkenntnis, genannt SAMADHI.

2. Kapitel SADHANA PADA

Das 2. Kapitel wird als SADHANA PADA bezeichnet. Es geht in diesem Kapitel um die Ursachen des Leidens (KLESAS) und deren Wirkungsweise. Weiterhin erfolgt eine Unterrichtung über die ersten 5 Schritte auf dem 8fachen Pfad (Übungsweg des Yoga).
 Die KLESAS werden als tief sitzende Kräfte beschrie ben, die unser Denken und Handeln beeinflussen. Das Yoga Sutra beschreibt 5 dieser KLESAS wobei AVIDYA, die Verwechslung, das stärkste unter ihnen ist. Verwechslung ist wie ein inneres Urteil, das die reale Gegenwart vorwegnimmt und statt dessen etwas eigenes präsentiert, basierend auf dem Wissen der Vergangenheit.
Die ersten 5 Übungsglieder auf dem fünffachen Pfad
sind die folgenden:
1. Yama: Verhalten gegenüber anderen Menschen
(Ahimsa= Gewaltlosigkeit, Satya=Wahrhaftigkeit, Asteya=Nicht Stehlen, Brahmacarya=Enthaltsamkeit, Aparigraha: Begierdelosigkeit)
2. Nyama: Verhalten gegenüber uns selbst
(Sauca=Reinheit, Samtosha=Zufriedenheit, Tapas=Askese, Svadhyaya: Studium der Schriften, Ishvarapranidhana= das Handeln zu Gottes Füße legen)
3. Asana: Körperhaltungen
4. Pranayama: Führung des Atems
5. Pratyahara: Sinnesrückzug

3. Kapitel VIBUTHI PADA

Im 3. Kapitel, VIBUTHI PADA, genannt werden hauptsächlich die letzten 3 Glieder des 8-fachen Pfads vorgestellt. Diese werden als SAMYAMA (Versenkung) bezeichnet und umfassen:
6. Dharana: Konzentration
7. Dhyana: Meditation
8. Samadhi: Ekstase
Die Wirkung der SAMYAMAS besteht darin, dass der Übende unterscheiden kann zwischen CIT undCIITA, es ist keine Verwechslung mehr möglich und die Erkenntnisse werden klar.

 4. Kapitel KAIVALYAPADA

Das 4. Kapitel ist das Kapitel über die Befreiung, KAIVALYAPADA. Das Yoga Sutra führt in diesem Merkmale auf, die für eine dauerhafte persönliche Veränderung wichtig sind.
Ein wirklich freier Mensch, so heißt es hier, zeichnet sich dadurch aus, dass sein Tun vollkommen absichtslos ist. Das Ziel des absichtlosen Tuns wird erschwert durch den Bann der KLESAS, durch die wir uns sehr schnell eine Meinung bilden und in alte gewohnte Handlungsmuster zurückfallen.
Auf dem Weg, frei von Triebhaftigkeit, sollten wir deshalb die Zusammenkunft der 4 Faktoren stets verhindern:
  • wir unterliegen immer wieder dem Irrtum, der zur Bildung unserer Gewohnheit geführt hat
  • wir erwarten bestimmte Ergebnisse
  • wir sind in einer unruhigen Verfassung
  • äußere Reize wirken auf uns ein und veranlassen, dass wir in unser altes Verhalten zurück fallen
Wie ich etwas wahrnehme hängt stets von der Ausrichtung meines Geistes ab; bei veränderter Ausrichtung präsentiert sich das gleiche Thema/die gleiche Situation völlig anders.
Ein vollkommen freier Zustand, in dem es keinen Rückfall mehr gibt, wird mit den folgenden Attributen beschrieben:
  • vollkommener Gleichmut
  • man kann in jeder Situation CITTA von CIT unterscheiden
  • das Aneignen von Wissen ist nicht mehr von Bedeutung
  • der Druck durch Aufgabe oder Ziele fällt weg
Das Leben verläuft im Gleichklang, das Innere des Menschen leuchtet unverhüllt hervor.
Verfasserin: Lena Fischer, Absolventin der Yogalehrer-Ausbildung bei Openlotus
weiterlesen ...

DEM ALLTAG FLÜGEL GEBEND

10. März 2015

dem Alltag Flügel gebend

das Universum in Gras und Himmel erkennend

beseelt mit Freude auf das was kommen mag

mit Liebe in jedem Wort, jedem zweiten dritten 1000sensten wort

die Krater des Lebens in uns tragend

wiegen wir uns im Strom der Zeit

kein gestern, das uns bestraft

kein morgen, das uns zur eile zwingt

in diesen Moment

wir sind nicht das was wir denken sagen und tun

wir sind mehr

oder weniger

es ist das Lachen

das unsträgt

die Träne, die von uns wäscht den Staub der Lava

die Schatten auslöscht und alles Seiende

jede Form in jedem Moment neu erschafft

hast du es gesehen

und wenn auch nicht

nimm dich an die hand

und tanze mit dir

Gabi Baykal – Teilnehmerin der Yogalehrerausbildung bei Openlotus – die Yogaschule

weiterlesen ...

Yoga Lehrer Ausbildung – wie ist das? Der Bericht einer Absolventin

14. Juni 2013

Vom Glück, Yoga zu unterrichten.

Ich bin nun 48 Jahre alt und habe schon einige berufliche Stationen in meinem Leben durchlaufen, aber diese Erfahrung – als Yogalehrerin aktiv zu sein – ist unvergleichlich.

Die Yoga Lehrer Ausbildung bei Openlotus war wunderbar, sie hat mir viele neue Erkenntnisse gebracht, mich Dinge gelehrt, mit denen ich mich vorher noch nie beschäftigt habe, mich an Grenzen gebracht und mich über Grenzen gehoben, die ich nicht kannte. Aber vor allem hat es mir eins geschenkt: Die Leidenschaft und die Liebe zum Yoga.

Nun ist es eins, Yoga selbst zu praktizieren. Eine ganz andere Sache ist es, Yoga zu unterrichten.

Am Anfang unserer Ausbildung bekamen wir die Aufgabe, einen Sonnengruß vor der Gruppe zu unterrichten. Ich hätte alles lieber getan – Patanjalis Sutren auswendig gelernt oder zwei Monate freiwillig das Klo geputzt – als diese Aufgabe zu erfüllen. Das erschien mir unmöglich.

Aber das konnte ich nun schlecht bringen, das ließ mein Ehrgeiz nicht zu. Ich schlief also die halbe Nacht nicht und ging den Sonnengruß in Gedanken ständig durch – wohlgemerkt mit Ansagen von Ein- und Ausatmen und links und rechts an der richtigen Stelle!

Irgendwie hat’s funktioniert, ich erinnere mich nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich an das Bild der Menschen vor mir, die das getan haben, was ich gesagt habe. Ich sah die Reaktionen auf meine Ansagen in ihren Gesichtern und auch in ihren Körpern.

So kam ein Stein ins Rollen. Dachte ich anfangs noch, die Ausbildung ist toll, aber du musst ja nicht unbedingt unterrichten, hatte ich nun Feuer gefangen. Auch wenn die nächsten Proben in der Ausbildung sehr aufregend und holprig waren, war es eine tolle Erfahrung, sich selbst von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen.

Heute ist die Aufregung in den Hintergrund getreten und hat einer ganz tiefen Qualität Platz gemacht: Der Herzens-Qualität. Dieses tiefe Gefühl der Verbindung mit sich selbst aber auch mit seinen Schülern ist außerordentlich. Schon bei der Entwicklung des Themas und der entsprechenden Sequenz tritt man in einen inneren Dialog. Du hast die Menschen dabei vor deinem inneren Auge, siehst ihre Potenziale und ihre Absicht. Im Unterricht selbst spürst du, dass jeder Teilnehmer einzigartig ist und so ist jeder herabschauende Hund einzigartig. Immer wieder machst du die Erfahrung, dass die erarbeitete Sequenz ein Gerüst ist, du folgst den Impulsen, die die Menschen dir geben.

So sind meine Schüler Mit-Reisende, die mich auf meinem Weg begleiten, die mich lehren, zu vertrauen. Dass ich diese Seite an mir ausleben und an diesen Erlebnissen reifen darf, ist ein großes Geschenk, das ich voller Dankbarkeit und großer Überraschung annehme.

weiterlesen ...

Tut Yoga weh?

7. Juni 2013

Eines abends kam in einer Yogaklasse der Lehrer zu mir, um in Paschimottanasana, der sitzenden Vorbeuge, zu adjusten. Er legte sich auf meinen Rücken und drückte mich tief nach unten. Ich sagte ihm, dass es für mich schmerzhaft sei, worauf seine Antwort war: „Nun, Yoga muss weh tun, ohne Schmerz kommst du nicht weiter.“

Stimmt das? Muss Yoga „weh tun“. Bringen nur grenzwertige Erfahrungen ein Vorankommen, eine Erweiterung? Kommt man nur „auf die harte Tour“ vorwärts? (mehr …)

weiterlesen ...

How to open the shoulders – by Jayendra Hanley

31. Mai 2013

“Opening the Shoulders, the Gateway to the Heart”

Jayendra HanleyBy Jayendra Hanley, certified Anusara® Yoga teacher

The body is an amazing structure. It contains an “invisible matrix” that is conscious and knows when we are in optimal alignment. When our physical bodies are out of alignment, our energy and mood decline, the muscles harden, the breath gets shallow, and it becomes very difficult to connect with the higher purposes of life – to know the Heart and live from the Heart.

One amazing part of the human body is the shoulder joint and shoulder girdle. The shoulder joint is where the head of the humerus bone enters the scapula or shoulderblade. It is a shallow ball-and-socket joint that is built for maximum freedom and full 360-degree range of motion. This ROM (range of motion) is possible because of the freedom of movement in the shoulderblade. When we move the arm up or back or in any direction, if the shoulderblade is not fixed onto the back with muscular action, it can move in a number of ways to support the ROM of the shoulder.

Why such freedom? Two reasons. First, a free shoulder joint supports the great dexterity and precision of movement found in our hands and fingers. Second, the arms are the gateway to the heart. We reach out to the world from the heart through the arms and hands. The more freedom we have there, the more we can connect both inside to the Heart, and out to the wide world.

In our yoga practice, we can open up the shoulder joint with various asanas, but what we find in Anusara yoga is that the real key to opening the body is not which poses we do; it’s how we do them. Specifically, using Anusara’s Universal Principles of Alignment, which are based on the biomechanics of the human body, we create both structural integration and full range of movement in whatever posture we take. Let’s go over a few of these principles in Tadasana.

The first principle of Anusara yoga is called “Open to Grace”. Standing with your feet hip width apart and parallel, be aware of the area of your heart. In every human heart is supreme Goodness. Practice seeing the Good that is you. Hmmm. When that happens, the inner energy body softly expands. Light radiates from the Heart. In addition, the sides of the body lengthen from the waistline to the armpits, while the outer body, the skin and muscles remain soft.  This is first principle, and we can maintain this inner body fullness throughout our practice.

Now bring the arms overhead into Urdhva Hastasana with the hands shoulder width apart and this time, the palms facing forward. The second principle of Anusara Yoga is called Muscular Energy. Move your hands a little forward, then integrate the arms into the shoulder sockets, moving the head of the humerus back. The shoulderblades will move onto the back and in towards the spine. Feel the strength and integration of Muscular Energy. It connects us to an inner power.

Third, keeping the thighs back over the pelvis, keeping the head of the humerus back in the shoulder socket, draw the tailbone down and arch back into a backbend. Allow the gaze to follow the heart as it lifts and opens. The last principle of Anusara is called Organic Energy. From the pelvis, root down into the earth and from the pelvis, rise up with full knowledge of your supreme Goodness. After a few joyful breaths here, exhale and lower your arms down.

The beautiful thing about these Universal Principles of Alignment are first, they work! All over the world, yoga students are discovering how effectively they open the body in an entirely safe way. This becomes particularly important for the shoulders as we start to bear weight on the hands and arms and take them into their full range of motion. The second great thing is that the same principles of alignment apply to all poses. They are Universal!

Poses to practice to open the shoulders:

  1. Adho Mukha Svanasana: downward facing dog pose
  2. Bhujangasana: cobra pose
  3. High lunge or Virabhadrasana 1 with the heel up on the back leg
  4. Urdhva Mukha Vrksasana: handstand
  5. Anjaneyasana: “monkey lunge” with the knee of back leg on floor, arms up
  6. Setubhandasana: baby bridge pose
  7. Urdhva Dhanurasana: full bridge or wheel pose
weiterlesen ...

Interview mit dem internationalen „Yoga-Star“ Desirée Rumbaugh

17. Mai 2013

desiree-163x300Nimm nicht alles zu ernst, vergiss das Lachen nicht!

Wer Desirée Rumbaugh einmal erlebt hat, wird sie nicht wieder vergessen.

Sie sprüht vor Lebensenergie, Freude und Humor und verkörpert pure Leidenschaft für Yoga. Ihr Unterricht ist anspruchsvoll und sehr herausfordernd, getragen von einer tiefen Ernsthaftigkeit für die Kunst und Wissenschaft des Yoga und das Wissen um die transformierende und heilende Kraft.
Desirée, kann auf mehr als 20 Jahre Yogapraxis zurück blicken und sagt, dass es ihre Aufgabe sei, die heilende Wirkung des Yoga zu vermitteln. Yoga half ihr selbst dabei, wieder Freude zurück in ihr Leben zu bringen, nachdem ihr Sohn im Alter von 20 Jahren aus bis heute ungeklärten Umständen bei einem Campingausflug getötet wurde und sie selbst durch eine Zeit unerträglicher Traurigkeit und Schmerz ging.

Desirée, wie bist Du zum Yoga gekommen?
Seit meinem dritten Lebensjahr tanze ich. Ich war professionelle Tänzerin und habe Tanz unterrichtet. Im Alter von 28 Jahren entdeckte ich Yoga. Die Positionen waren alle relativ einfach für mich. Ich fand Interesse daran und entdeckte Yoga als Alternative zu Aerobic.

Warum zog Dich Yoga mehr an als Aerobic?
Ich fühlte, dass etwas Außergewöhnliches während der Yogapraxis stattfand, nach jeder Stunde fühlte ich mich anders. Das Problem war auch, dass ich mich durch das Tanzen immer wieder verletzte. Yoga half mir dabei zu heilen. Und bei Aerobic, da fehlte mir der spirituelle Ansatz.

Gibt es irgendwelche Voraussetzungen, um Yoga zu üben? Schaut man sich die Covers von Yoga-Magazinen an, könnte man auf die Idee kommen, dass man solche Positionen nicht schafft und dann gar nicht mit Yoga beginnt.
Ich weiß, Bilder von Menschen, die sich so frei bewegen, können einschüchternd wirken. Ich empfehle immer, verschiedene Stile des Yoga auszuprobieren und sich dann für das entscheidet, womit man sich am wohlsten fühlt. Wenn ich unterrichtet versuche ich auf einfache Weise den Teilnehmern beizubringen, wie sie ihre Flexibilität und Kraft verbessern können. Manche Menschen möchten sich anstrengen, manche mögen fließende Stile, manche wollen erst einmal detailliert Grundlagen lernen, bevor sie mit fließenden Bewegungsabläufen beginnen. In der Yogawelt ist für jeden etwas dabei. Eins muss man wissen, Yoga darf nie weh tun, geschweige denn verletzen.
Manchmal kommt es vor, dass Anfänger schnell meinen, Yoga sei nichts für sie. Hätten jedoch erfahrene Lehrer ihnen geduldig beigebracht, wie der Körper funktioniert und wie man die für sich beste körperliche Ausrichtung findet, hätten sie eine bessere Erfahrung gehabt. Es ist wie mit allem anderen. Mit ein wenig Geduld und Übung wird alles besser. Ohne gute Anleitung lernt man auf die harte Art. Es gibt viele Experten in der Yogawelt, die ein sehr tiefes Verständnis für Yoga entwickelt haben und sehr helfen können. Warum das Rad neu erfinden?

Hat Dich Yoga verändert?
Ja, ich fühle mich heute sowohl kraftvoller als auch sensibler. Yoga ließ mich innerlich stärker werden und hat mir aufgezeigt, dass ich so außen sanfter sein kann. Yoga hat mich herausgefordert, meinen Ängsten zu begegnen und mich mit etwas Höherem zu verbinden. Ich habe gelernt, mir selbst besser helfen zu können, von Augenblick zu Augenblick.

2003 musstest Du Dich einer unglaublichen Tragödie stellen. Dein Sohn wurde im Alter von 20 Jahren aus bis heute ungeklärten Gründen bei einem Campingausflug in den USA in Begleitung seiner Freundin erschossen. Wie ist es Dir gelungen, diesen Schmerz zu überwinden?
Es dauerte Jahre, um dies zu bewältigen. Von Beginn an setzte ich mir das Ziel, wieder Freude in mein Leben zurück zu bringen. Meinem Herzen zu folgen und meinen Geist zu überzeugen, dass dies möglich ist, dauerte eine sehr lange Zeit.
Die Unterstützung aus der Yoga-Community half mir sehr. Ich habe mich nie wirklich alleine gefühlt in dieser Zeit, ich erhielt viel Unterstützung, um zurück ins Leben zu finden.
Heute, wenn ich erfahre, dass jemand sein Kind verloren hat, versuche ich Kontakt herzustellen, um den Eltern mitzuteilen: wenn ich es geschafft habe, schaffst du es auch,… hier, nimm meine Hand.

Was glaubst Du, müssen wir alle in unserem Leben entdecken und lernen?
Ich glaube, wir müssen alle lernen und entdecken, dass wir Teil eines großen Ganzen sind, Energie, die für einen kurzen Augenblick in einem menschlichen Körper wohnt. Wir sind weder Opfer, noch dem Schicksal ausgesetzt. Wir dürfen uns nicht zufrieden geben, bis wir erhalten, was wir alle verdienen und das ist die Erfahrung von Glückseeligkeit und Ganzheit. Wenn uns das gelingt, können wir mit den Dingen, die in unserem Leben geschehen, umgehen und versuchen, solange wir auf diesem Planeten sind, wirklich das Beste daraus zu machen. Wir geben und machen was wir im Stande sind zu tun, den Rest überlassen wir einer größeren Kraft. Wenn das jeder verstehen würde, wären wir alle eine ganze Menge glücklicher, glaube ich.

Wie unterrichtest Du Yoga?
Wenn ich unterrichte, versuche ich den Teilnehmern zu zeigen, wie sie ihren eigenen Körper nutzen können, um die eigene Kraft in sich zu entdecken, als auch die Verbindung zur göttlichen Natur direkt im eigenen Körper zu fühlen. Man kann es sofort wahrnehmen, da es sich einfach so viel besser anfühlt. Auch versuche ich Yogis zu ermuntern, bei ihrer Verpflichtung gegenüber dem Yoga nicht das Lachen und die Verspieltheit zu verlieren. Dies alles verändert direkt das Leben. Man versteht, dass man nicht alles so unglaublich ernst nehmen muss.

Was ist für Dich Schönheit?
Für mich kommt Schönheit aus dem Innersten des Menschen oder ist in der Natur zu finden. Ich mag die Idee, erst das Gute zu suchen, das Gute in Menschen, Orten und Situationen. Das ist eine sehr kraftvolle und heilende Praxis und verändert die eigene Realität zum Besseren. Erhöhe deine positive Einstellung und deine Negativität löst sich von alleine auf. Lächele mehr und Deine Schönheit wird in die Welt hinaus strahlen. Liebe aus einer höheren Perspektive deines Herzens und du wirst andere weite Herzen anziehen.

Was ist Deiner Ansicht nach der wesentliche Grund, um Yoga zu üben?
Der Hauptgrund ist sich besser zu fühlen. Wie kann mir Yoga dabei helfen, mehr Glück zu erfahren und ein gesünderes Leben zu leben, welches mir hilft, vollständig zu heilen und zu transformieren? Wenn wir uns darauf konzentrieren, uns Moment für Moment besser zu fühlen, werden wir uns verändern und alle um uns herum ermuntern, das gleiche Glück für sich selbst zu finden. Wenn wir ein harmonisches und friedliches Umfeld schaffen wird dies gelingen. Immer haben wir die Wahl, das zu versuchen.

Jedesmal, wenn ich einen Deiner Workshops besuchte, wusste ich, dass ich heute eine Position machen würde, die ich selbst als eine “niemals-in-diesem-Leben”- oder zumindest als eine “niemals-innerhalb-der-nächsten-10-Jahre”-Position einschätzen würde. Wie bringst Du den Menschen bei, mit Ängsten umzugehen?
Angst kommt daher, dass wir nicht verstehen, wer wir selbst und die anderen auf der tiefsten Ebene sind. Sobald wir die Schritte kennen, die uns mit unserer eigenen Kraft verbinden, müssen wir diese gehen. Wir brauchen das Wissen um unsere eigene Kraft als auch die Erfahrung, immer mit etwas Größerem verbunden zu sein. Dann gelingt es uns Schritt für Schritt in ein Leben zu starten, das eine höhere Version unseres Selbst darstellt, stärker und mutiger.

Wie kann eine physische Praxis die innere Realität jedes Einzelnen verändern?
Nun, der Körper verändert den Geist und der Geist verändert den Körper – es funktioniert in beide Richtungen. Wenn Körper und Geist zusammen arbeiten, verändert dies unser Herz.

Was ist Deine wesentliche Nachricht, die Du versuchst zu vermitteln, was soll jeder einmal selbst erfahren?
Mein Hauptanliegen ist es, den Menschen dabei zu helfen, sich selbst zu erkennen und Eigenverantwortung dafür zu übernehmen, was man denkt, sagt und wie man handelt. Sobald wir dieses Bewusstsein etablieren, wird sich die Art, wie wir unser Leben wahrnehmen, dramatisch verändern. Wir sind mehr die Ursache als die Wirkung. Immer haben wir die Möglichkeit, unsere Einstellung und unsere Perspektive zu verändern.

Desirée unterrichtet weltweit Workshops, Retreats, Immersions und Teacher Trainings. Mehr Infos zu ihr findet man auf ihrer Website: www.desireerumbaugh.com.

Die Autorin Nicole Konrad leitet das Yoga- und Ayurvedazentrum Openlotus – die Yogaschule in Köln.

Desirée kann man in einem Workshop nun am 30. Mai 2013 im Openlotus Yoga Köln erleben!

weiterlesen ...

Vorsicht Yoga! Wie Yoga das Leben verändern kann

10. Mai 2013

An einem Samstagnachmittag vor einigen Jahren fing alles an. Der Besuch meiner ersten Yogaklasse veränderte, in der Rückschau gesehen, mein Leben. Nie hätte ich gedacht, dass der einfache Wunsch, kurzfristig etwas Neues zu probieren, langfristig alles auf den Kopf stellen würde.

Mich hat das Bedürfnis nach Entspannung zum Yoga gebracht. Viele kommen zu ihrer ersten Yogastunde, da sie Schmerzen haben und manche, da sie neugierig sind, was Yoga ist. Wahrscheinlich denken die Wenigsten daran, sich durch die Art der Bewegung mit „dem Höheren“ zu verbinden, durch Körperarbeit eine spirituelle Praxis zu erreichen.

Zu Beginn meiner Yogapraxis war ich damit beschäftigt, meinen Körper in die Position zu bewegen, die der Lehrer vorgab. Berg, Cobra und Hund machten wenig Sinn. Mit der Zeit wusste ich, was die einzelnen Positionen bedeuteten und ich konnte mich meinem Atem widmen. Es gelang, einen „fließenden Atem“ zu etablieren. Der ruhige, tiefe Rhythmus bewirkte tiefe Entspannung und ein ungeahntes Körpergefühl. Später zog ich sogar in Betracht, dass das, was der Lehrer über Größe und unbegrenztes Potenzial sagte, vielleicht tatsächlich auch mich meinen könnte. Mein Vertrauen wuchs und ich begann damit, die in den Stunden vermittelten Prinzipien auch außerhalb des Yogaraums anzuwenden. Ich begann, meinen Atem zu beobachten, zu sehen, wie mein Geist auf bestimmte Situationen reagierte und wie es zumindest ein bisschen möglich war, Abstand zu scheinbar überwältigenden Emotionen zu schaffen und zu beobachten, statt sofort zu reagieren.

Yoga hatte Einzug in meinen Alltag gefunden und begann, meine Art mit Menschen und Situationen umzugehen, zu verändern. Ich bin aber nicht die Einzige, bei der Yoga gewaltige Veränderungen und Transformationen unterstützte oder sogar bewirkte.

Doch wo liegt das Geheimnis, wie können Asanas, Pranayama und Meditation einen neuen Menschen aus einem machen, eine Richtung aufzeigen, von der man vorher nicht einmal gewagt hätte zu träumen?

Wie kann man diese Aspekte finden, Asana für Asana auf der Matte und Atemzug für Atemzug im alltäglichen Leben? Wie kann eine scheinbar rein physische Praxis solch tiefgreifende Transformation ermöglichen? Jeder Sonnengruß kann mechanisch praktiziert werden. Man kann ein „Workout“ machen oder man kann jedem Moment eine tiefere Ausrichtung geben, jeder Bewegung durch Fokus „Leben einhauchen“. Es ist nicht erforderlich, dies zu tun. Doch wenn man damit beginnt, wird man die Tiefe des Yoga entdecken und sich vielleicht dazu entscheiden, die Prinzipien selbst auszuprobieren.

Die eigene Yogapraxis ist ein Spiegel des Selbst. Wie ich mich selbst während der Asanas behandle, die Gedanken, die ich mir gegenüber habe, zeigen mir, wie ich lebe und mit schwierigen oder schönen Momenten umgehe. So wie ich praktiziere, lebe ich mein alltägliches Leben. Bin ich liebevoll zu mir, werde ich dies auch im Alltag sein, bin ich mir nie genug, werde ich Unvollkommenheit spüren.

Wenn man jedoch damit beginnt, der eigenen Praxis ganz bewusst einen Fokus zu geben, kann es einen verwandeln.

Yoga ist, um es in John Friend’s Worten zu sagen, Absicht mit Ausrichtung in Aktion.

Die Absicht ist der wichtigste aller genannten Aspekte. Dahinter steht die Frage, warum praktiziere ich, was bringt mich jeden Tag auf meine Matte, was für ein Ziel habe ich in jedem einzelnen Moment und mit welcher inneren Einstellung, mit welchem Bewusstsein, atme ich jeden einzelnen Atemzug? Yoga kann jeden transformieren, wenn man Moment für Moment mit Bewusstsein und Absicht lebt.

Doch welche Absicht hat ein Yogi?
Alle Yogatexte stimmen darin überein, dass das Ziel des Yoga Vollkommenheit ist. Vollkommenheit und Einheit mit dem Höchsten, dem Absoluten. Doch was ist das? Wir können es nur beschreiben, vielleicht so: kreierende Kraft, umfassende Güte, absolutes Bewusstsein, größte Freude, Freiheit, Fülle, Vibration, pulsierende Kraft und absolute Schönheit. Yoga lehrt, dass es mehr gibt, als nur die einfachen Empfindungen des Körpers und des Geistes. Es lehrt, wie man Körper und Geist schult, fokussiert zu sein und zu bleiben, Kraft und Ausdauer zu entwickeln, um Anhaftungen und Ängste zu überwinden. Die Tradition des Tantra lehrt sogar, dass man das Absolute ist, dass alle Schönheit, Anmut, Größe und Kraft in einem selbst liegen und man sich dessen nur erinnern müsse. Tantra sagt, dass alles, was existiert, eine individuelle Ausformung der einen Kraft ist, alles miteinander verbunden ist, den gleichen Atem und Pulsschlag teilt.

Asanas mit einer Absicht zu praktizieren, sind um ein vielfaches stärker. Wenn ich nur in Betracht ziehe, ein Teil des Absoluten zu sein, kann jede Bewegung eine Meditation sein, ein Gebet, ein Geschenk. Jeder Atemzug kann mich daran erinnern, dass ich expandieren kann, dass Prana, die allumfassende Lebensenergie, in jedem Moment durch meinen Körper pulsiert und ich Teil eines Größeren bin.

Ebenso kann ich mich darauf fokussieren, dass die Früchte meiner Praxis jemanden zu Gute kommen mögen, der Kraft bedarf, ich kann darum bitten, dass Prana Heilung und Kraft bringt, um alte Verletzungen gehen zu lassen und den Mut zu finden, neue Wege zu gehen. Themen, um eine höhere Absicht zu finden, sind unbegrenzt.

Doch wie gelingt es dann, die Absicht in eine Ausrichtung, in „alignment“ zu bringen?

Wieder lehrt die Yogapraxis auf der Matte Wesentliches. Gelingt es, den Körper gesund auszurichten, wird alles leichter.

Zu Beginn meiner Yogapraxis stellte Virabadrasana I und II schlicht ein Workout für meine Oberschenkel dar. Es war einfach nur anstrengend. Es gelang zwar, die Position nach und nach länger zu halten, doch brachte erst die Integration des „restlichen“ Körpers ein wirklich kraftvolles Erlebnis. Ich musste lernen, wie ich meinen Körper in Einheit zueinander bewegte, wie die Integrität der Füße, des hinteren Beins, der Wirbelsäule und der Arme Kraft, Sanftheit und Anmut entstehen ließen.

Sicherlich erfordern Asanas Kraft und Ausdauer, doch wenn sich der Körper in einer gesunden Ausrichtung befindet, erhält man ebendiese zurück.

Wie alles zusammenhängt und miteinander verbunden ist, lehrte mich direkt mein Körper. Auch im Alltag spürte ich deutlicher, wie Ereignisse direkte Auswirkungen auf mein Wohlbefinden hatten. Stress bewirkte eine flachere Atmung und Angespanntheit, Freude Entspannung und Sanftheit. Mit der Zeit verstärkte sich die Fähigkeit zu unterscheiden, was mir gut tut und welche Wege ich gehen wollte. Es fiel mir leichter, Entscheidungen zu treffen und zu bemerken, wann ich nicht mehr „gut ausgerichtet“ war.

Mehr und mehr erinnerte ich mich im Alltag an die im Yoga gelernten Prinzipien und ich stellte fest, dass die eigentliche Praxis dann beginnt, wenn man seine Matte verlässt. Wo war ich mit meinen Gedanken beim Essen, wie begegnete ich meinen Mitmenschen? Yoga ist Praxis, Yoga bedarf der Praxis, der Aktion. Selbst wenn andere Aufgaben wichtiger erscheinen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wird man die Zeit finden, um zu üben, mit Absicht.

Das ist der Zauber des Yoga. Auf der Matte lernt man, wie viel Kraft und Sanftheit in einem selbst liegen. Prana kann direkt erfahren werden. Man lernt, Vertrauen zu haben, in sich selbst, aber auch in das Leben.

Dieses Vertrauen lässt Transformation zu, die Bereitschaft sich zu öffnen bewirkt, dass man mehr und mehr der inneren Stimme folgt und so Schritt für Schritt Größe und Anmut zum Ausdruck bringt.

Meine erste Yogalehrerin sagte einmal: „Passt auf, Yoga kann euer Leben total verändern. Wenn ihr das nicht wollt, dann praktiziert lieber nicht.“

Sie hatte Recht.

Nicole Konrad / Openlotus – die Yogaschule in Köln

weiterlesen ...

Tief Durchatmen – Pranayama- Atemübung

4. Mai 2013

Tief durchatmen
„Atme mal tief durch“ oder „lass mal die Luft raus“ sind Sätze, die man immer mal wieder gesagt bekommt oder hört. Doch bergen diese ‚Sprichwörter‘ vielmehr Weisheit und Bedeutung, als es auf den ersten Blick scheinen mag, verdeutlichen sie doch, dass auch in unserem Sprachgebrauch der Atmung mehr Bedeutung zugeschrieben wird, als der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid. (mehr …)

weiterlesen ...

Interview mit den LOVE KEYS

26. April 2013

Yoga_koeln_mantrayoga_lovekeysThe Love Keys begeistern mit ihrer tollen und berührenden Musik. Bei  uns im Openlotus Yoga Köln waren sie zum Glück schon des Öfteren.
Mehr zu ihnen und ihrer Musik hier im Interview. 

Wie schafft Ihr zwei es bei Eurem Tour-Programm zur Ruhe zu kommen?

Ben: Wir haben zum Glück unseren Tourbus, in dem wir auch schlafen können. Diesen nutzen wir häufig, um an besonders schönen Plätzen noch ein-zwei Tage bleiben zu können. Inmitten der Natur kommt man herrlich runter und bei sich selbst an.

Aleah: Ich liebe es, ständig unterwegs zu sein, so fühle ich mich frei und bekomme durch die vielen Kontakte neue Eindrücke und Inspirationen

 

In dem Lied „Holy Illusion“, dass auf der CD Blessings ist, erzählt ihr von Eindrücken in der „spirituellen Szene“. Wie kam es dazu?

Aleah: Der Text von „Holy Illusion“ entstand,  während Ben einfach so auf dem Keyboard spielte, was es mir einfach machte, die Melodie in mir nachklingen zu lassen und „damit zu spielen“. Die Musik hatte etwas dramatisches, emotionales, von daher kam das Thema wie von selbst. Es fühlte sich befreiend an, den manchmal herausfordernden Erfahrungen in der spirituellen Szene Ausdruck zu geben und sie öffentlich zu zeigen.

 

Eure Musikerkarriere brachte Euch sicher nicht direkt zu Mantren, was hat Euch dorthin gebracht?

Ben: Musik und ihre verschiedenen Klänge begleiten mich schon mein ganzes Leben. Als ich drei Jahre alt war drehten meine Eltern einen ziemlich unvorteilhaften Film über Klein-Benni, in dem er mit einem Spielzeughammer über den Hof robbt und gegen alles, wirklich alles, was seinen Weg kreuzt klopfen muss, um zu hören wie es klingt. Im Laufe der Kindheit kam dann die obligatorische Blockflöte und Keyboardunterricht hinzu. Mit neun Jahren entdeckte ich die Gitarre meines Vaters auf dem Dachboden, ein einschneidendes Erlebnis, denn sie wurde zu „meinem” Instrument.  Als Jugendlicher spielte ich in diversen Bands der härteren Gangart, vom Punk bis hin zum Metal. In dieser Zeit machte ich meine ersten Recording-Erfahrungen.

Später, während meines Studiums rückte die Musik für eine Weile in den Hintergrund. Nach dem Motto „Junge, lern was Ordentliches, wie wär’s mit BWL ?!“ lief bis auf ein wenig E-Gitarre zu Hause wenig.

Nach meinem Studium ging es dann aber wieder voll los, als ein Bekannter einen Gitarristen für seine Band suchte. Bei einer Probe dieser Band habe ich auch Aleah kennen gelernt, das war im Sommer 2009. Ein paar Wochen später gab es „The Love Keys“.

 

Aleah, wie war Dein Weg?

Aleah: Das erste Mal hörte ich Mantras im Alter von 17 in Spanien, wo zwei Schwedische Mädchen auf den Straßen traditionelle Mantras sangen. Ich war sehr fasziniert. Die folgenden 9 Jahre nach diesem Treffen brachten mich aber zuerst in eine andere musikalische Richtung: Acoustic Pop. Ich schrieb Songs, reiste durch fast ganz Europa, Kalifornien, Hawai’i und Kanada, trat auf und nahm 10 CDs mit verschiedenen Internationalen Musikern auf. Ich bewegte mich auf Reisen immer in der alternativen Szene, sodass ich Mantras immer wieder hörte,
Eigentlich wusste ich schon nach meinem Abitur, dass ich reisen wollte. Zuerst studierte ich Naturheilkunde, Ascension Therapy mit meiner spirituellen Lehrerin Zaria Et An und Thai Massage für 5 Jahre und dachte, dass sei mein Weg. Während dieser Zeit war ich hin und her gerissen zwischen Musik und Naturheilkunde, wissend, ich müsste mich zwischen den Beiden eines Tages entscheiden.

Als ich einige Monate im Kräuterladen in Edinburgh gearbeitet hatte, wurde mir klar, dass ich ersetzbar bin und nicht mein volles Potential lebe. Jeder hat eine Gabe, mit der er auf diesen Planeten kommt. Zu dieser Zeit lebte ich meine Gabe nicht, ich war nicht frei. Ich entschied mich, vollkommen Musik zu leben und mit Ben als exzellenten Musiker und Produzenten an meiner Seite, entwickelten sich The Love Keys.

 

Ihr seid nicht auf Mantren festgelegt, wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben?

Ben: Es gibt bei uns alles vom klassischen Mantra bis hin zur rockigen Popnummer mit E-Gitarren. Ich finde es wichtig, dass man sich selbst treu bleibt und immer wieder die Musik macht, die man auch selbst gut findet und gerne hört. Wir achten die Tradition, wollen die Musik aber auch behutsam etwas ausweiten. Die klassischen Mantrainterpretationen – also mit Tabla, Tambura und Kirtan-Wechselgesang – machen wir ebenso wie spirituelle Lieder im Acoustic Pop Stil. Wir Beide möchten Dinge hin- und wieder ganz bewusst anders machen und aus einem anderen Blickwinkel beleuchten und vertonen. Daher gehören für uns auch ganz klar moderne Instrumente dazu.

 

Was wollt Ihr mit Eurer Arbeit transportieren?

Aleah: Hingabe in der Musik zu hören und zu spüren ist für mich das Wichtigste. Ein Gefühl von „bei sich zuhause ankommen, bei seinem göttlichen Selbst“ ist es, was ich transportieren möchte. Während ich singe, ist es meine Absicht in einen  Zustand zu kommen, dass das Mantra „uns singt“.  Wenn das passiert, dann ist auf einmal alles offen und so ekstatisch, als würden wir schweben. Selbst wenn das nicht immer passiert, erfreut es mich total, wenn ich die strahlenden Gesichter unseres Publikums sehe, die uns sagen, dass sich etwas positiv verändert hat.

 

Eure Zuhörer sind immer sehr berührt von Eurer wundervollen Musik und fühlen sich beschenkt, wie macht Ihr das?

Ben: Ui, Dankeschön! Bewusst machen wir eigentlich nur Musik, nicht mehr nicht weniger.

Aleah: Die Mantras beschenken uns und wir teilen das Geschenk

 

Wo kann man Euch erleben?

So gut wie in ganz Deutschland: www.thelovekeys.de

 

 

weiterlesen ...

Ist Wasser ein Menschenrecht oder eine Ware?

20. April 2013

Grundwasser, eine natürliche Ressource, ist für Handel und Industrie eine Ware und nicht ein Grundrecht.

Seit dem sehr sehenswerten Film WE FEED THE WORLD ist bekannt, dass der Nestle Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe erklärt, dass die Idee des Grundrechts auf Wasser eine „Extremmeinung“ darstelle und Wasser, wie jedes andere Gut, eine Ware sei (O-Ton hier) . Seit Jahren schon werden weltweit Wasserrechte gehandelt und Trinkwasserquellen an Großkonzerne verpachtet.
Die Folgen für die Mensch und Natur sind verheerend. Eine sehr gute Reportage des WDR beschäftigte sich zuletzt genau mit diesem Thema: Wem gehört das Wasser? (Der gesamte Beitrag ist online verfügbar- klicke hier).

Wie wollen wir zukunftig leben? Was soll erlaubt sein und was nicht? Kann Grundwasser, ein Gut, welches zur jeweiligen Region, dem Land und den Menschen gehört, verkauft werden können? Nicht nur, dass Menschen in den ärmsten Länder oft keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, man nimmt ihnen auch noch ihre eigenen Ressourcen, um sie teuer vermarktet, denen zu verkaufen, die es sich leisten können.

Auch in Europa gibt es Bestrebungen, den Wassermarkt zu privatisieren. Wer das noch nicht weiß, unbedingt hier weiter lesen: http://www.right2water.eu/de/node/45/#was

Hier die wichtigsten Punkte:

Welches Interesse habt ihr an garantierten Wasserdienstleistungen in der EU?

Regierungen müssen ihrer Verpflichtung nachkommen, eine Wasser- und Sanitärversorgung für alle BürgerInnen bereitzustellen. Trotzdem sind Regierungen manchmal der Auffassung, dass die Märkte diese Dienstleistungen erbringen können und dass man diese Aufgabe folglich den Marktkräften überlassen könne. Dies ändert aber lediglich die Modalitäten dieser zu liefernden Leistung. Die Umsetzung des Menschenrechtes auf Wasser und Sanitärversorgung bedeutet, dass Regierungen dafür sorgen müssen, dass diese Leistungen verfügbar, physisch zugänglich, bezahlbar und von annehmbarer Qualität für alle Menschen sind. Dies lässt sich nur durch entsprechende Gesetze garantieren.  

Warum ist die Initiative gegen die Liberalisierung?

Die Verfechter eines markwirtschaftlichen Modells versprechen grundsätzlich preiswertere und bessere Dienstleistungen. Das ist ein von den Unternehmen in die Welt gesetztes Märchen, die in diesem Markt die größten Profite erzielen. Die Wirklichkeit zeigt, dass dies gleichbedeutend ist mit besseren und preiswerteren Dienstleistungen für die Reichen und schlechteren und kostenintensiveren Leistungen für die Armen. Das ist im Falle von Wasserdienstleistungen nicht akzeptabel. Wettbewerb bedeutet, dass Wasserunternehmen in Marketing, Werbung und Wettbewerb investieren müssen. Alle diese Gelder können folglich nicht in die Dienstleistungen investiert werden, die diese Unternehmen erbringen sollen. 

weiterlesen ...

Wie kann mich Yoga Akzeptanz lehren?

14. April 2013

Wie kann es gelingen, sich selbst zu akzeptieren, losgelöst von äußeren Umständen ein liebevolles Verhältnis zu sich zu haben? Hilft Yoga dabei, dies zu lernen?

„Ich kann nicht meditieren, mein Geist ist zu unruhig“.

„Ich kann nicht an der Yogalehrerausbildung teilnehmen, ich bin noch nicht gut genug“.

Sätze, die ich als Yogalehrerin hier im Openlotus Yoga Köln immer wieder höre. All diesen Gedanken liegt die Vorstellung zu Grunde, dass man für irgendetwas nicht gut genug ist, nicht ausreicht, sich erst noch verbessern muss.

In jedem von uns tauchen solche Gedanken auf. Es ist jedoch nicht nur die Angst, nicht gut genug zu sein, sondern eigentlich ein Mangel an Akzeptanz sich selbst gegenüber, an Liebe zu sich selbst. Man glaubt, wenn man etwas Bestimmtes erreicht hat, sei es ein Yogaasana, einen anderen Job oder eine bessere Figur, dann endlich würde man sich mögen, sich annehmen können, glücklich werden. Es sind diese „wenn- dann“-Sätze, von denen wir uns Glück und Zufriedenheit versprechen, wenn nur bestimmte Voraussetzungen oder Bedingungen erfüllt seien.

Wie oft musste aber jeder schon feststellen, dass dem nicht so ist. Ein Kleidungsstück, das man sich geleistet hat und bei welchem man sich im Geschäft noch wunderschön gefühlt hat, ist nach einer Weile auch nur noch ein weiteres Teil im Kleiderschrank. Ein Job, den man bekommen hat, wird zur Gewohnheit. Das Asana, welches man jahrelang nicht praktizieren konnte und nunmehr kann, ist nichts Besonderes mehr. Schon wartet eine neue Position, eine neue Herausforderung, die bei Erreichen Glückseligkeit verspricht. Das, was man selber leisten und erreichen kann, wird nicht beachtet, sondern als selbstverständlich abgetan. Kein Grund, sich darüber zu freuen, kein Grund, die eigene Leistung anzuerkennen und noch weniger ein Grund, sich zu 100% zu mögen und anzunehmen. Es ist ein Teufelskreis. Niemals wird man, wenn man dieses Muster nicht durchbricht, Frieden mit sich schließen können, niemals gut genug sein, um irgendetwas zu machen, niemals wird es gelingen, wirklich bei sich selbst zu sein. Ewig wird man versuchen, jemand Anderes zu sein, irgendein Mehr von etwas, was man bislang vermeintlich nicht ist oder hat. Es ist ein Hoffen auf eine Zukunft, die nie kommen wird.

Ziele und Wünsche zu haben ist nicht verkehrt. Ohne diese würde man reglos verharren, nicht nach Höherem streben, nichts würde sich bewegen. Ziele zu haben ist sogar essenziell, es ist der Motor, um Dinge anzugehen, sich zu trauen, sich zu motivieren. Nur mit Absicht und Fokus gelingt es, Ziele zu verfolgen. Es ist nicht der Wunsch, der das Problem ist, sondern das Unvermögen, sich zu mögen und zu akzeptieren.

Zu Beginn meiner Yogapraxis konnte ich lange Zeit urdhva mukha svanasana nicht praktizieren. Mir war, als wäre ich unter all den anderen die Einzige, die es nicht fertig brachte, chaturanga dandasana, die tiefe Liegestützposition, zu halten, um von dort grazil, so wie es bei allen andern schien, in den heraufschauenden Hund zu fließen. Ich fühlte mich eher wie ein Sack ohne Kraft. Die Kobraposition, „meine“ Alternative, wurde mir verhasst, war sie doch Sinnbild für mein Unvermögen. Ich träumte von der Zeit, wenn auch ich endlich „fließen“ konnte, dachte, von da an sei ich dann ein Yogi und würde mich nicht mehr als so ungenügend empfinden. Was für eine Lektion. Mit beständiger Praxis gelang es irgendwann, doch ich war immer noch die Gleiche. Es ging kein Feuerwerk los, welches mich im Kreis der „wahren Yogis“ empfing, ich gewann keinen Preis, alles war wie immer. Ich freute mich. Für eine halbe Stunde. Dann gingen mir schon Gedanken durch den Kopf, wie, „ das war aber auch nötig, Basispositionen nicht zu können ist inakzeptabel, Position XY ist toll, was ist schon ein heraufschauender Hund?“ Für eine kurze Zeit nur war ich mit mir zufrieden, dann schon nagte wieder die gleiche innere Stimme, die meinte, das sei noch lange nicht genug, das würde noch lange nicht ausreichen. Die Vorstellung, die ich hatte, dass ich mich bei Gelingen der Position leiden könnte, hatte sich nicht erfüllt. Ich war mir immer noch nicht gut genug. Ich konnte zwar nun die Position, aber ich war die alte geblieben. Die Veränderung der äußeren Umstände hatte für meine innere Welt keine Veränderung gebracht.

Bis ich dieses Muster auch im Yoga erkannte, dauerte es seine Zeit, schließlich gibt es unzählige, schier unglaubliche Positionen, die man alle vermeintlich erst noch können muss.

Wie kann es also gelingen, sich selbst zu akzeptieren, losgelöst von äußeren Umständen ein liebevolles Verhältnis zu sich zu haben?

Es ist immer nur in jedem einzelnen Moment möglich, immer nur im Hier und Jetzt unter den gegebenen Umständen. Ich kann nur ich selber sein — was sonst sollte ich mitbringen? Ich habe nur diesen Körper, nur diesen Geist, nur dieses Aussehen, nur diese Fähigkeiten. Mehr habe ich nicht, mehr bin ich nicht, mehr muss ich aber auch gar nicht sein. Es ist unser Geist, der uns treibt, der vergleicht, sich ungenügend fühlt und nicht zulässt, dass wir, so wie wir sind, uns selber akzeptieren und lieben können.

Wenn es nicht gelingt, innere Liebe zu sich zu entwickeln, die unabhängig von äußeren Faktoren ist, werden Veränderungen schmerzhaft sein. Sobald ich älter werde, vielleicht nicht mehr so fit und leistungsfähig wie davor, graue Haare und Falten Einzug halten, ich meinen Job verliere oder scheinbar Misserfolg habe, werde ich mein Selbstwertgefühl verlieren. Beständig werde ich versuchen, den alten Zustand wieder herzustellen, anstatt zu erkennen, dass Veränderungen zur Natur des Daseins gehören und alles im Fluss ist. Ständig werde ich versuchen, ein anderer zu sein, als ich eigentlich bin.

Jeder einzelne von uns muss lernen, dass er, so wie er ist, gut ist. Wir müssen lernen, uns selber zu lieben. Wenn ich mich nicht mag, ich mich nicht akzeptieren kann, dann suche ich außen nach Bestätigung. Ich brauche Menschen, die mir sagen, dass ich schön bin, gut bin etc., da ich selber es nicht kann. Ich werde beständig versuchen, mich anders darzustellen, vermeintliche Schwachstellen zu vertuschen, versuchen, mich größer zu machen, als ich bin, nur um nicht so „nackt“ mit meinem Selbst zu sein. Das ist kein Weg, der sich zu begehen lohnte.

Mir wurde einmal eine Geschichte erzählt, die Osho gelehrt haben soll: Ein König hatte einen Garten. Er hatte viele verschiedene Pflanzen gesetzt und ging, um nach ihnen zu sehen. Was er sah, verwunderte ihn. Alle Pflanzen kümmerten vor sich hin. Er fragte einen Baum, warum er nicht wachse, der antwortete, er sei traurig, da er nicht so schöne Blüten habe, wie die Blume. Die Blume war unzufrieden, da sie nicht so groß werden konnte wie der benachbarte Strauch. So ging er von Pflanze zu Pflanze und von allen bekam er die gleiche Antwort. Alle Pflanzen im Garten waren unglücklich. Dann sah der König ein Stiefmütterchen, welches leuchtend und kraftvoll in einem Beet strahlte. Er ging hin und sagte der Pflanze, dass er sich freue, dass sie so gut wachse. Das Stiefmütterchen antwortete: Nun, da du mich gepflanzt hast, denke ich, dass du mich haben wolltest. Also versuche ich mein Bestes, um zu wachsen und zu blühen.

Als ich diese Geschichte das erste Mal hörte, dachte ich, wie albern es für eine Blume wäre, sich nicht zu mögen. Ist sie doch, wie alles, perfekter Ausdruck der Schöpfung. Einer Pflanze würde ein solcher Gedanke nie in den Sinn kommen. Dann habe ich verstanden und fing bei mir selber an, mein eigenes Wachsen und Gedeihen mit einem liebevollen Blick zu bedenken.

Nicole Konrad, Openlotus – die Yogaschule in Köln

weiterlesen ...

Lifestyle, Ernährung: Eier und Hühner

22. März 2013

In den letzten Wochen jagte ein „Skandal“ den nächsten und sorgte gerade in Bezug auf Eier und Hühnerhaltung für ein großes mediales Echo.

Glücklicherweise, denn die Haltungs- und Aufzuchtsbedingungen der Tiere sind mehr als erschreckend und es ist nötig, dass man sich dessen als Konsument bewusst ist. (mehr …)

weiterlesen ...

Lifestyle, Ernährung, Kosmetik, Wasser, Böden …

16. März 2013

Da uns ein gesunder achtsamer und nachhaltiger Lebensstil sehr wichtig sind, möchten wir diese Stelle nutzen, um auf aktuelle Forschungsergebnisse, Studien, „Skandale“ und sonstige wissenswerte Dinge in Bezug auf unseren alltäglichen Lebenswandel hinzuweisen.

An dieser Stelle stehen Infos und Links zu den verschiedensten Bereichen des alltäglichen Lebens. Es ist mehr als erforderlich und an der Zeit, auch im alltäglichen Leben bewusste und ethische Entscheidungen zu treffen. Unser wundervoller Planet bedarf eines achtsamen und friedvollen Umgangs. Immer wieder heißt es, der Einzelne könne nichts machen. Jedoch, wer denn sonst? Man kann immer nur bei sich selbst anfangen. Viele kleine Entscheidungen und Veränderungen machen etwas aus!

Einen netten, lustigen, allgemeinen Überblick liefert das Buch: ”Fast nackt“, von Leo Hickman. Auch gut: Geo Nr. 12 – Dez 08 „Der kluge Konsum – Wie der Welt zu helfen ist“.
Ein SUPER Buch, in dem es darum geht, warum „nur gut einkaufen“ nicht ausreicht: „Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Hartmann
Meist ist einem vieles einfach nicht bekannt, wäre man sich aber dessen bewusst, würden manche unserer Entscheidungen sicher anders aussehen. Viel Spaß beim stöbern!

Ernährung

Eine ökologische, regionale Ernährung ist sicherlich der einfachste Weg, der Natur und der eigenen Gesundheit einen Dienst zu erweisen. Mittlerweile kann man über Bioläden, Bio-Wochenmärkte und Ökokisten einfach frisches, gesundes, regionales und unbehandeltes Obst und Gemüse beziehen.
Verschiedene Studien haben belegt (s. z.B. www.schrotundkorn.de/2008/200812a01.html und Universität Michigan, Studie von Ivette Perfecto und Catherine Badgley, www.schrotundkorn.de/2008/200810sp03.html), dass vor allem in Entwicklungsländern die Ernteerträge durch biologischen Anbau höher sind als durch konventionellen Anbau. Konventioneller Anbau verschlechtert z.B. maßgeblich die Bodenqualität, die Biodiversität, die Menge der Wasseraufnahme im Boden und macht die Bauern abhängig von Saatgut und der Düngemittelindustrie. In Indien z.B. hat diese Abhängigkeit in den vergangen ¬¬Jahren tausende von Kleinbauern in den finanziellen Ruin getrieben.
Eine tolle Informationsquelle mit vielen Links und Hintergrundberichten ist die Website und die monatlich erscheinende Zeitschrift „Schrot und Korn“, die kostenlos in Bioläden ausliegt.
Ein absolutes MUSS, um einen Einblick in die Lebensmittelindustrie zu erhalten, ist der Film ‚We feed the World‘. Es ist erschreckend zu sehen, wie die globale Lebensmittelindustrie Einfluss auf Landenteignung, Landvergabe, Landvertreibung, Umweltverschmutzung und Vernichtung hat (nur ein Beispiel ist der massive Soja-Anbau in Brasilien, siehe dazu http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brasilien-die-gier-nach-soja-frisst-den-regenwald-a-456376.html, dort gibt es auch noch weiterführende Links zu weiteren sehr lesenswerten Artikeln).
Eine Anmerkung zum Thema „Preis“. Würde man die direkten Kosten, die aus den Folgen des konventionellen Anbaus entstehen (z.B. Verlust von Böden, Kosten durch Wasserreinigung, Schäden an der Umwelt) einrechnen, ist Bio günstiger.
Erschreckend sind die Berichte über die massive Vernichtung von Lebensmitteln, die, da sie nicht den Standardgrößen entsprechen oder nicht das gewünschte Aussehen haben oder sich dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit nähren, im großen Stil vernichtet werden. Bis zu 50% von vollkommen intakten Produkten werden vernichtet. Das passiert im großen Stil schon auf den Bauernhöfen, in den Groß- und Supermärkten aber auch zu Hause in den eigenen 4 Wänden. Zu viel gekauft, Essen vergessen, schon landet es in der Tonne. Gute Informationsquellen: http://www.essensvernichter.de/ (ein Buch) oder ein Film: http://www.tastethewaste.com/

Kosmetik

„Normale“ Kosmetik bedient sich einer Vielzahl von chemischen und synthetischen Substanzen. Fast immer werden Stoffe auf Mineralölbasis, künstliche Duftstoffe, Konservierungsmittel und Farbstoffe verwendet. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und  in die Kosmetikverordnung lässt einen staunen und erschreckt, was alles erlaubt ist. Auch testen die meisten multinationalen Konzerne ihre Produkte immer noch in Tierversuchen.
Die Haut ist das größte Organ unseres Körper. Angeblich sollen 60% dessen, was auf unsere Haut und 80% dessen, was in unserem Mund gelangt (z.B. Zahncreme) durch die Haut (und auch durch unsere Nase- Lunge) in unseren Körper absorbiert werden.
Daher haben Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten, die wir alltäglich mehrfach anwenden, einen nicht unerheblichen Einfluss auf unseren Körper.
Besonders umstritten ist zum Beispiel der Einsatz von Aluminium in Deos und in vielen anderen Bereichen (Nahrungsmitteln, Verpackungen, Medikamenten). Wissenschaftler sind besorgt und finden immer mehr Belege für einen möglichen Zusammenhang zwischen Aluminium und dem Auftreten zahlreicher Krankheiten, von Alzheimer bis Brustkrebs, von Allergien bis zu Autoimmunkrankheiten. Dazu gibt es eine spannende Reportage: AKTE ALUMINIUM, nach aufzurufen unter der Mediathek bei ARTE.

Fischindustire

Der kommerzielle Fischfang bedroht immens die Unterwasserwelt und die Artenvielfalt. Infos: http://www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei/
Die meisten Fischarten sind derart bedroht, dass diese nicht mehr gefangen werden dürften.
Leider reicht es nicht aus, darauf zu achten mit welcher Fangmethode ein Fisch gefangen wurde, da manche  Bestände schon zu stark bedroht sind.
Auch Aquakultur ist nicht die Lösung. Zum Beispiel gibt es weltweit eine Vielzahl von Lachsfarmen, der größte Lachsproduzent weltweit ist mittlerweile Chile. Die Regierung dort hat kaum Richtlinien zur Haltung und der Verwendung von Antibiotika. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind jetzt schon gravierend. In Walen sind erhebliche Rückstände von Antibiotika nachweisbar, da das Wasser in manchen Regionen so stark belastet ist.
s. auch: www.schrotundkorn.de „BioBasics: Biofisch“.
Der aktuelle Ratgeber zu Fisch listet folgende Fischarten als so stark bedroht, dass man sie nicht mehr essen soll (mehr Infos: http://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/vernuenftig-einkaufen/einkaufsratgeber-fisch/ oder auch bei Greenpeace). Ganz praktisch, es gibt die Infos auch als App fürs Handy für unterwegs beim Einkaufen!

Energie

Klar, je weniger verbraucht wird, desto weniger muss hergestellt werden. Wie uns allen bekannt ist, ist insbesondere der Individualverkehr ein Problem. Kleine und wenig Kraftstoff verbrauchende Kfz’s sind sinnvoll, Car-Sharing vielleicht eine Alternative, das Fahrrad oder das E-Bike hoffentlich immer öfters die erste Wahl.
Energiesparen wo immer es geht, ist Voraussetzung.
Auch die Umstellung des Energieversorgers hin zu einem wirklichen „Grünen Energieversorger“ ist sinnvoll. Die großen Energieversorgerfirmen nutzen ihre Marktposition oft aus und investieren oft nur „scheinheilig“ in alternative/regenerative Energien. Eine gute Info-Seite ist: www.atomausstieg-selber-machen.de
Eine gute Seite, um die persönliche CO2-Bilanz zu berechnen: www.klima-aktiv.de

weiterlesen ...

Musik und Filme die inspirieren und berühren: unsere Empfehlungen

8. März 2013

Alleine die richtige Musik kann Sie bereits dabei unterstützen, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen und eine gute Stimmung zu erzeugen. Wir haben für Sie einmal, die aus unserer Sicht besten Musikempfehlungen zusammengestellt. Wer darüber hinaus auch bewegende Bilder schätzt, um sich einzustimmen, der findet hier auch eine schöne Auswahl inspirierender Filmwerke…

(mehr …)

weiterlesen ...